Bandenkriminalität

Organisierte Scheinehen – große Razzia gegen Schleuserbande

Am Mittwoch gab es einen bundesweiten Polizeieinsatz gegen eine Schleuserbande. Ausländer werden für Geld nach Deutschland gebracht.

Einsatz gegen Scheinehen-Schleuser: Beamte der Bundespolizei begleiten einen Verdächtigen in Leipzig zu einem Polizeifahrzeug.

Einsatz gegen Scheinehen-Schleuser: Beamte der Bundespolizei begleiten einen Verdächtigen in Leipzig zu einem Polizeifahrzeug.

Foto: Sebastian Willnow / dpa

Berlin.. Die Ehe soll Ausdruck der Liebe zweier Menschen sein. Allerdings dient sie manchen auch dazu, zum Beispiel schnell und unkompliziert an Aufenthaltsgenehmigungen zu kommen. Schleuserbanden haben sich darauf spezialisiert – am Mittwoch gab es nun einen bundesweiten Großeinsatz gegen Scheinehen.

Ausgegangen ist dies von der Staatsanwaltschaft Leipzig, die die konzertierte Aktion mit einem Großaufgebot veranlasst hatte. Ziel: eine Bande stoppen, die durch die Vermittlung und Organisation von Scheinehen zahlreiche Menschen nach Deutschland einschleuste – und dadurch viel Geld machte.

Schlag gegen Schleuserbande – Einsatz gegen mehr als 60 Beschuldigte

Insgesamt richten sich die Ermittlungen im aktuellen Verfahrenskomplex gegen zwei Hauptbeschuldigte und weitere 66 Personen. Es wurden 39 Objekte in vier Bundesländern (Sachsen, Bayern, Thüringen, Rheinland-Pfalz) durchsucht sowie umfangreiche Beweismittel aufgefunden.

„Die Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Halle führt seit Frühjahr 2017 im Auftrag der Staatsanwaltschaft Leipzig Ermittlungen wegen des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern“, teilte die Behörde mit. „Im Rahmen des internationalen polizeilichen Informationsaustausches war auch Europol am Verfahren beteiligt.“

Das wird den beiden Hauptbeschuldigten von den Ermittlern vorgeworfen

  • Sie sollen indische und pakistanische Staatsangehörige falsche oder verfälschte zypriotische Eheurkunden, beschafft haben
  • Zudem sollen sie Scheineheschließungen zwischen EU-Bürgern und Indern sowie Pakistanis organisiert haben
  • Dazu soll die Bande fingierte Vermieterbestätigungen bei den Meldebehörden vorgelegt haben
  • Mit falschen Dokumenten wurden dann eine EU-Aufenthaltsgenehmigungen ausgestellt

Laut der Behörde verlangten die Schleuser pro Person zwischen 15.000 Euro und 22.000 Euro.

Bereits im vergangenen Jahr hatte es einen großangelegten Einsatz gegen Scheinehen gegeben. Nicht nur Scheinehen bringen Menschen auf illegalem Weg ins Land, auch Menschenhändler schleusen Ausländer nach Deutschland – das BKA warnte in dem Zusammenhang vor Nigerias Mafia, die die Opfer mit Voodoo einschüchtert und zur Prostitution zwingt. (ses)