Massentourismus

Mount Everest: Zehn Tote Bergsteiger am Dach der Welt

Der Mount Everest zieht immer mehr Bergsteiger an, die den höchsten Berg der Welt erklimmen wollen. Wie sich zeigt, sind es zu viele.

Ein Team der Nepal Army lädt die sterblichen Überreste von Bergsteigern aus einen Hubschrauber.

Ein Team der Nepal Army lädt die sterblichen Überreste von Bergsteigern aus einen Hubschrauber.

Foto: Skanda Gautam / dpa

Berlin. Seit Jahren warnen Experten wie die Bergsteiger-Legende Reinhold Messner vor den Folgen des Massentourismus am Mount Everest. Nun zeigen sich die Folgen auf dramatische Weise. Erneut sind Bergsteiger im Himalaja gestorben – vermutlich, weil der Touristenstrom vernünftige Auf- und Abstiege nicht mehr möglich macht.

Ein irischer Bergsteiger ist eines der Todesopfer dieser Saison am höchsten Berg der Welt. Der 56-Jährige sei am Freitag am Mount Everest in seinem Zelt auf einer Höhe von 7000 Metern gestorben, teilte der britische Touranbieter 360 Expeditions in der Nacht zum Samstag mit. Insgesamt sind in dieser Saison zehn Bergsteiger am Mount Everest gestorben.

Die nepalesischen Behörden bestätigten am Samstag beispielsweise den Tod eines Briten, der zuvor den Gipfel erklommen hatte, wie die Zeitung „Himalayan Times“ berichtete. Auch ein Österreicher sei am Berg gestorben.

Fünf Menschen sind 2018 ums Leben gekommen

Demnach war der Bergsteiger in sein Zelt zurückgekehrt, ohne den 8848 Meter hohen Gipfel zu besteigen. Die genaue Todesursache wurde zunächst nicht genannt. In der gesamten Klettersaison 2018 waren fünf Menschen ums Leben gekommen.

Am Mittwoch und Donnerstag kamen – unabhängig von einander – ein 55-jähriger US-Amerikaner, zwei indische Frauen im Alter von 53 Jahren und ein 27-jähriger Inder beim Abstieg vom Gipfel des 8848 Meter hohen Bergs ums Leben.

Eine der Inderinnen sei laut „Himalayan Times“ beim Abstieg zunächst zusammengebrochen und sollte dann von einem Guide bergab begleitet werden. Auf dem Weg zu einem Camp starb die Frau jedoch. Der Amerikaner sei kollabiert als er beim Abstieg Fotos habe machen wollen.

In der vergangen Woche war ein Ire verunglückt, ein indischer Bergsteiger war tot in seinem Zelt gefunden worden.

Mount Everest: Diese Saison schon mehr tote Bergsteiger als 2018

Skifahrer mit Hubschrauber gerettet

Der indische Sender NDTV führte einige der Todesfälle auf den Massenandrang am Berg zurück. So hätten am Mittwoch rund 200 Bergsteiger zunächst beim Aufstieg stundenlang warten müssen – eine Anstrengung, die beim Abstieg dann zur Belastung werden kann.

Weitere zehn Bergsteiger starben an anderen 8000er-Bergen im Himalaya wie dem Lhotse und dem Annapurna, zitierte die Zeitung Regierungsbeamte.

Wegen der schwierigen Witterungsbedingungen ist die Hauptsaison auf wenige Wochen im Frühjahr begrenzt. Für die Genehmigung zum Aufstieg am Mount Everest zahlen ausländische Bergsteiger umgerechnet rund 9000 Euro.

Diesmal wurden 375 Genehmigungen erteilt – ähnlich viele wie in vergangenen Jahren. Im vorigen Jahr hatte es fünf Todesfälle am Everest gegeben. (ac)