Festival-Saison

Donauinselfest bis Parookaville – die besten Festivals 2019

Wer Festivals liebt, hat diesen Sommer wieder viel Auswahl: Unser Guide hilft, den Überblick zu behalten – und sich zu entscheiden.

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Berlin. Die einen fiebern monatelang darauf hin, andere lassen sich spontan hinreißen – so oder so: Festivals stehen seit Jahren hoch im Kurs. Das ist auch im Sommer 2019 nicht anders. Kein Genre, das inzwischen nicht sein eigenes Festival hätte. Dabei ist Musikgeschmack längst nicht mehr das einzige Kriterium, nach dem Festivalfans ihre Pilgerziele auswählen.

Vor allem viele größere Festivals bieten mittlerweile Acts für fast jeden Gusto, andere setzen weiterhin auf ihre Nische oder locken mit ganz anderen Qualitäten wie einer Location direkt am Wasser oder vor industrieromantischer Kulisse. Ein Überblick vom Mainstream-Event bis zum Geheimtipp.

Für jeden was dabei

Wer klassisches Festival-Feeling erleben will und nicht fies vor Saufgelagen mit Dosenbier, grölenden Zeltnachbarn im Speziellen und Menschen im Allgemeinen ist, der macht mit Deutschlands Evergreens Rock am Ring und Hurricane sowie ihre südlichen Schwestern Rock im Park und Southside nichts falsch.

Rock am Ring/Rock im Park: Etwa 150.000 Besucher werden vom 7. bis 9. Juni bei den Zwillingsfestivals am Nürburgring in der Eifel und im Volkspark Dutzendteich in Nürnberg erwartet. Das Line-up ist gewohnt vielfältig: Es reicht vom Alternative-Rock der Smashing Pumpkins über Metal von Slayer, dem DJ-Set von Alle Farben oder dem Polit-Punk von Feine Sahne Fischfilet bis zur Hip-Hop-Kollabo von Materia & Casper.

Als Headliner am Start sind außerdem Die Ärzte, die bei Rock am Ring und Rock im Park ihre einzigen beiden Deutschland-Konzerte in diesem Jahr spielen werden. Tickets kosten 189 Euro für alle drei Tage oder 95 Euro für den, dem ein Tag schon genügt.

Rock am Ring 2019 Trailer

Hurricane/Southside: Auf ein paar Tausend Feiergäste weniger kommt Deutschlands zweites großes Festival-Duo. Etwa 125.000 Besucher verteilen sich auf den Eichenring im niedersächsischen Scheeßel und den Gewerbepark in der baden-württembergischen Gemeinde Neuhausen ob Eck.

Hurricane 2019 Trailer

Die Festivals bieten nicht nur eine breite Musikpalette – die Foo Fighters und Toten Hosen rocken dort neben den Rappern Macklemore, Trettmann und den 257ers, während Popsängerin Alice Merton sanftere Töne anschlägt. Die Gäste haben auch beim Camping die Wahl: ob besonders umweltbewusst im „Grüner Wohnen“-Bereich, ganz basic im selbstmitgebrachten Zelt oder in schon aufgebauten Luxus-Zelten mit Holzfußboden.

Kombitickets gibt es ab 189 Euro, das Tagesticket schlägt mit 99 Euro zu Buche. Die Schwesterfestivals kann man aber auch zu Hause auf der Couch gucken: Hurricane im Livestream: Arte und NDR zeigen das Festival.

Tipps für Festival-Neulinge:

Für Metal-Fans

Da fällt die Wahl eigentlich leicht: DAS Mekka für Metal-Liebhaber ist in Deutschland natürlich das Wacken Open Air. Entsprechend groß ist in jedem Jahr der Run auf die Tickets – das Festival ist bereits ausverkauft. Dass mag weniger daran liegen, dass das Wacken 2019 eine eigene Kaufland-Filiale bekommt, als vielmehr daran, dass es in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert.

Vom 1. bis 3. August feiern unter anderem mit: Sabaton, Parkway Drive, Demons & Wizards, Powerwolf, Airbourne, Rose Tattoo und Within Temptation. Wer sich noch Hoffnung auf Tickets über die einschlägigen Kleinanzeigen-Portale macht: Original-Preis für eine W:O:A-Karte war 221 Euro.

Wacken 2019 Trailer

Für Electro-Fans

Freunde elektronischer Tanzmusik, kurz EDM, haben in den vergangenen Jahren immer mehr Auswahl bekommen. Zu den größeren Festivals zählen das Parookaville am Flughafen Weeze in Nordrhein-Westfalen und das New Horizons Festival auf dem Nürburgring.

Parookaville: Die fiktive Party-Stadt bevölkern vom 19. bis 21. Juli wieder rund 80.000 Besucher – und Weltstars der DJ-Szene. Mit dabei sind bei der fünften Auflage von Deutschlands größtem EDM-Festival etwa Armin Van Buuren, Paul van Dyk, Martin Solveig, Robin Schulz und das belgische Star-DJ-Duo Dimitri Vegas & Like Mike. Tickets gibt es nur noch ohne Camping für 209 Euro oder als Tagespass für 99 Euro.

New Horizons Festival: 160 Acts auf zehn Stages – so groß war das erst 2017 gestartete Event noch nie. Zum Line-up vom 21. bis 25. August zählen unter anderem Martin Garrix, Don Diablo, Project One und Major Lazer. Letztere spielen ihre einzige Deutschland-Show 2019 auf dem Festival, das dieses Jahr unter dem Motto „Kingdom of Fire“ steht. Das Kombiticket gibt es ab 200 Euro, den Tagespass ab 75 Euro.

New Horizons Festival Aftermovie 2018

Tomorrowland: An gleich zwei Wochenenden lässt das Vorbild aus Belgien die Besucher tanzen. Trotzdem sind auch hier die Eintrittskarten für die Festivals vom 19. bis 21. und 26. bis 28. Juli schon vergriffen. Wer das Glück hatte, ein Ticket abzustauben, den erwartet im Naherholungsgebiet De Schorre in der Stadt Boom die Crème de la Crème der Szene, darunter Steve Aoki, Afrojack, Armin van Buuren und Tiësto.

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Für Weltverbesserer

Man kann Festivals danach auswählen, welche Musik man dort zu hören bekommt. Man kann aber noch auf mehr achten – etwa darauf, was mit den Einnahmen passiert oder wie sehr sich die Veranstalter um Gleichberechtigung bemühen. Wer das unterstützen will, ist bei diesen Festivals an der richtigen Adresse:

Roskilde: Seit 1971 steht das Festival auf der dänischen Ostseeinsel Sjælland für feinste Acts aus Rock, Pop, Metal, Electronic und Weltmusik. Aber eben auch dafür, den gesamten Gewinn an humanitäre, kulturelle und andere gemeinnützige Organisationen wie Amnesty International, Ärzte ohne Grenzen oder Human Rights Watch zu spenden.

Nordeuropas größtes jährliches Musikfestival läuft länger als eine Woche – vom 29. Juni bis 6. Juli – und lockt etwa 100.000 Besucher an. Tickets bekommt man ab 280 Euro.

Primavera Sound: Noch größer ist dieses Festival, das vom 30. Mai bis 1. Juni im Parc del Fòrum in Barcelona stattfand. Rund 200.000 Menschen feierten sich mit Künstlern wie Miley Cyrus, Kate Tempest, Tame Impala und Courtney Barnett durch fast alle Genres. Das Besondere dabei war nicht nur die entspannte Lage direkt am Strand: Das Primavera Sound hat sein Line-up auch komplett Geschlechter-ausgeglichen aufgestellt. Für 145 Euro war man dabei.

Primavera Sound 2019 Barcelona- The New Normal

Für Urlauber

Wo wir gerade schon in Dänemark und Spanien waren: Europa hat noch viel mehr lohnende Festivals zu bieten. Unsere Vorschläge führen nach Ungarn, Portugal, Slowenien und in die Slowakei:

Sziget: Na klar, kein Festival-Guide ohne das Mega-Event auf der Obudai-Donauinsel in Budapest. Etwa 400.000 Besucher feiern dort in diesem Jahr vom 7. bis 13. Juli zu Auftritten von den Foo Fighters, Ed Sheeran, Florence + The Machine oder The 1975. Außerdem im Angebot: Kunstinstallationen, Zirkusshows und ein Kletterpark. Kostenpunkt: ab 209 Euro.

Neopop: Nur wenige Meter vom Atlantik entfernt legen vom 7. bis 10. August diverse DJs im Hafenstädtchen Viana Do Castelo im Norden Portugals auf. Zwischen Schiffscontainern und Jachten tanzt es sich etwa zu Underworld, Ben Klock oder Amelie Lens besonders atmosphärisch. Tickets für die rund 100.000 erwarteten Besucher gibt es ab 105 Euro.

Punk Rock Holiday: Keine Produktenttäuschung ist dieses Festival in Slowenien. Mit Pennywise, NOFX, Sick Of It All, Descendents und vielen mehr gibt es definitiv Punk Rock, und man kann definitiv gut urlauben. Denn wer vom 6. bis 9. August zum Pogen nach Tolmin reist, kann im Anschluss noch das wunderschöne Soča-Tal erkunden. Tickets ab 110 Euro.

Pohoda: „Pohoda“ ist Slowakisch und heißt so viel wie Behaglichkeit oder Wohlbefinden. Das kann man mitten in den Westkarpaten ohnehin schon finden – und noch besser, wenn man weiß, dass dort vom 11. bis 13. Juli am Flughafen Trenčín Stars wie The Roots, Liam Gallagher oder Lykke Li auftreten. Mit dabei ist man schon ab 99 Euro.

Pohoda Festival Aftermovie 2018

Für Sparsame

Viele Festivals gehen inzwischen ganz schön ins Geld. Doch zum Glück gibt es Alternativen – ganz und gar kostenlose.

Donauinselfest: Das größte Open-Air-Festival Europas mit freiem Eintritt steigt in Wien. Vom 21. bis 23. Juni verwandelt sich die Donauinsel in eine Partyzone. Neben Acts wie Tocotronic, Felix Jaehn und Mando Diao kann man sich noch weiterbilden – beim Austropop-Special mit Seiler & Speer, Wolfgang Ambros oder Christina Stürmer.

Bochum Total: Umsonst und draußen ist vom 4. bis 7. Juli auch diese Ruhrpott-Institution mit 117 Bands und Künstlern auf zehn Bühnen. Und das alles mitten in der Stadt. Auf die Ohren gibt es unter anderem Musik von Alice Francis, Thomas Godoj, Andreas Kümmert und Betontod.

Für Stadtkinder

Man muss ja nicht immer auf der grünen Wiese feiern. So ein Festivalbesuch lässt sich mitunter auch prima mit einer Stadttour verbinden. Zum Beispiel in Berlin, Hamburg oder Düsseldorf.

Lollapalooza: Nach einigem Hin und Her scheint die Festivalreihe, die es seit einigen Jahren auch in Berlin gibt, nun einen festen Platz im Olympiastadion und -park gefunden zu haben. Besucher dürfen sich am 7. und 8. September auf so unterschiedliche Künstler wie Kings of Leon, Dendemann, Kraftklub, Olli Schulz und Rita Ora freuen. Ausgeben müssen sie dafür 139 Euro.

Lollapalooza Aftermovie 2018

MS Dockville: Wenn Musik auf Kunst und beides auf Deich trifft, dann ist man beim MS Dockville im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. In entspannter Atmosphäre nimmt man eine Auszeit vom Alltag mit Acts wie Bausa, Billie Eilish, Parcels oder Juju. Wann? 16. bis 18. August. Für wie viel? Ab 99 Euro.

MS Dockville Aftermovie 2018

Open Source: Schon mit 36 Euro ist man auf der Galopprennbahn in Düsseldorf mit dabei. Einen Tag lang, genauer: am 13. Juli, versorgen unter anderem SOHN, Faber, Talib Kweli oder Woods of Birnam die rund 6000 Besucher mit der nötigen Tanzunterlage, die alles ist – außer Mainstream.

Für Entspannte

Wer sich in den ganz großen Menschenmengen so gar nicht zu Hause fühlt, sollte einen Blick ins Ruhrgebiet werfen. Dort kann man ganz stressfrei feiern – in völlig unterschiedlichen Kulissen.

Traumzeit Festival: Wo früher Hochöfen qualmten, liegt heute einer der meistbesuchten Parks Nordrhein-Westfalens – Industrie-Charme weiterhin inklusive. Der Landschaftspark Duisburg-Nord ist aber nicht nur beliebtes Ausflugsziel, sondern auch schon länger Festival-Schauplatz. Zwischen Stahlkonstruktionen und Schornsteinen spielen vom 14. bis 16. Juni Größen wie Frank Turner, Kettcar oder Hauschka, aber auch lokale Bands wie DOTE aus Essen. Tickets ab 75 Euro.

Traumzeit Festival Aftermovie 2018

Juicy Beats: Viel weniger Stahl, dafür mehr Grün hat der Westfalenpark in Dortmund zu bieten. Dort gibt es seit 1996 einen Mix aus Electro, Indie, Hip-Hop und Reggae zu hören. Gerne auch mal an außergewöhnlichen Locations wie der Seebühne oder den Volleyballfeldern. In diesem Jahr vom 26. bis 27. Juli mit Acts wie AnnenMayKantereit, Antilopen Gang, Dendemann und Mousse T.

Juicy Beats Aftermovie 2018