Zellenbrand

Syrer verbrannte im Gefängnis – Wurden Daten manipuliert?

Der Syrer Amad A. war nach einem Zellenbrand in der JVA Kleve gestorben. Manipulierte Daten sollen zur Inhaftierung geführt haben.

Die Tür zur Zelle 143 in der Klever Justizvollzugsanstalt. Hier brach der tödliche Brand aus.

Die Tür zur Zelle 143 in der Klever Justizvollzugsanstalt. Hier brach der tödliche Brand aus.

Foto: MARKUS VAN OFFERN / dpa

Düsseldorf. War der Feuertod des unschuldig inhaftierten Syrers Amad A. im September 2018 in der Justizvollzugsanstalt Kleve wirklich Folge einer tragischen Verwechslung? Oder brachte eine Datenmanipulation der Polizei den jungen Mann überhaupt erst hinter Gitter, wie das WDR-Magazin „Monitor“ nahelegt?

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) verwies zunächst auf die Staatsanwaltschaft Kleve, die den Tod des Syrers seit Monaten untersucht. „Das, was da in den Medien jetzt geäußert wird, ist für mich zunächst einmal ein Verdacht oder ein Hinweis, und da muss ich abwarten, was die Staatsanwaltschaft dazu sagt. Ich kenne die Unterlagen nicht“, sagte Reul.

A. war im Juli 2018 von der Polizei aufgegriffen worden, weil er vier junge Frauen sexuell beleidigt haben sollte. Bislang gingen Landesregierung und Staatsanwaltschaft Kleve davon aus, dass die Beamten der Kreispolizei Kleve noch am selben Abend bei einer routinemäßigen INPOL-Abfrage auf eine Fahndungsnotierung aus Hamburg stießen. Diese sollen sie versehentlich auf A. angewendet haben, weil der im Norden gesuchte Malier einen ähnlichen Aliasnamen („Amed Amed“) führte.

Aliasname soll gelöscht und ersetzt worden sein

Der WDR äußert nun Zweifel an dieser Version. Einem Schreiben des Landeskriminalamts Hamburg zufolge hätte es demnach am 6. Juli gar keinen Datenbank-Treffer geben dürfen, weil dem gesuchten Malier zu diesem Zeitpunkt die Aliaspersonalie „Amed Amed“ noch gar nicht zugeordnet gewesen sei.

Auch INPOL-Abfrageprotokolle und eine Rekonstruktion des Bundeskriminalamtes widersprächen der bisherigen Darstellung aus NRW. Vielmehr sei ein bestehender Aliasname gelöscht und durch „Amed Amed“ ersetzt worden.

Amad A. saß wochenlang unschuldig hinter Gittern, bevor es unter noch ungeklärten Umständen zu einem Zellenbrand kam. A. erlag im Krankenhaus seinen Verbrennungen. (tobi)