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Debatte entfacht: Lehrerin ruft zum Leben ohne Kinder auf

Verena Brunschweiger polarisiert mit dem Buch „Kinderfrei statt kinderlos“. Ist es besser, keine Kinder in die Welt zu setzen?

Verena Brunschweiger erntet mit ihrer Haltung jede Menge Kritik.

Verena Brunschweiger erntet mit ihrer Haltung jede Menge Kritik.

Foto: Juliane Zitzlsperger / dpa

Berlin. Ein Leben ohne Kinder - dafür hat sich die Autorin Verena Brunschweiger bewusst entschieden - und gleich eine Debatte entfacht.

Brunschweigers Buch „Kinderfrei statt kinderlos. Ein Manifest“ ist am Mittwoch im Büchner-Verlag erschienen. Für Brunschweiger gibt es mehrere Gründe, warum sie keine eigenen Kinder haben möchte. So könne man einer Studie zufolge 58,6 Tonnen CO2 einsparen, „wenn wir nur ein Kind weniger in die Welt setzen“, sagte sie dem „Focus“ im Interview. Aber auch philosophische Gründe seien entscheidend.

In der SWR-Sendung „Nachtcafé“ sagte Brunschweiger Mitte Februar, sie vertrete die Sichtweise: „Wenn wir jemanden zur Welt bringen, dann fügen wir ihm immer Leid zu. Insofern ist es das beste für mein Kind, wenn ich es nicht bekomme.“ In den sozialen Medien wurde Brunschweiger für ihre Meinung heftig angegriffen. Ein Nutzer schrieb etwa, es sei beruhigend, dass sie sich gegen Kinder entschieden habe. „Menschen wie sie sollten sich nicht vermehren.“

Andere nahmen die Lehrerin in Schutz, Frauen sein nicht nur da, um Mütter zu sein, schrieb eine Twitter-Nutzerin. Brunschweiger selbst sagte im „Focus“, dass sie Shitstorms sowieso möge. Kinderfeindlich sei sie übrigens nicht – im Gegenteil. „Ich muss sie nur nicht unbedingt selbst auf die Welt bringen.“

Brunschweiger fällt harsches Urteil über manche Mütter

Sie selbst werde immer wieder auf ihre Kinderlosigkeit angesprochen, sagte die Autorin der Deutschen Presseagentur: „Ich werde seit über zehn Jahren behelligt – teilweise von wildfremden Leuten – wann ich denn jetzt endlich meiner biologischen Pflicht nachzukommen trachte.“

Bei ihrem Urteil über das Leben anderer Frauen ist Brunschweiger allerdings nicht zurückhaltend: „Ich kenne tatsächlich solche sogenannten ,Nur-Hausfrauen’, die in völliger Abhängigkeit von ihrem Mann leben, die nur für Wäsche und Haushalt und Kinder zuständig sind und für nichts sonst – und die in fünf Jahren nicht einmal gelacht haben. Das finde ich schon krass, wie man sich so entscheiden mag – angeblich freiwillig.“

Diskriminierung aufgrund von Kinderlosigkeit

Die Lehrerin gibt an, auch diskriminiert zu werden. Beispielsweise habe sie als Lehrerin bei der Versetzung an ihre Wunschschule immer wieder hinter Kollegen mit Kindern zurückstecken müssen. „Dass man im Jahr 2019 immer noch dafür bestraft wird, kinderlos zu sein, das finde ich schon krass.“

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Auch die Kanadierin Sheila Heti befasst sich in ihrem Buch „Mutterschaft“ mit dem Thema. Sie bricht eine Lanze für alle, die keine Kinder wollen oder haben – und keine Lust mehr haben, sich immer erklären zu müssen oder sich schlecht deswegen zu fühlen.

Brunschweiger, die sich als Radikalfeministin bezeichnet, argumentiert aber eben auch mit Umweltgründen. In Deutschland wüssten viele Menschen nicht, „welche Belastung es für das Klima bedeutet, wenn wir so massig neue Leute produzieren“. Sie fasse nur zusammen, was außerhalb Deutschlands längst bekannt sei, sagt die 38-Jährige: „Hier wird das ausgeklammert. Ich finde das heuchlerisch und auch falsch.“ (jb/dpa)