Großfeuer

Waldbrände in Kalifornien – Wiederaufbau wird Jahre dauern

Das Feuer in Kalifornien nimmt dramatische Ausmaße an. 56 Menschen sterben, viele werden noch vermisst. Entwarnung ist nicht in Sicht.

Los Angeles.  Es ist das verheerendste Feuer in der Geschichte Kaliforniens. 56 Menschen sind bisher in den Waldbränden umgekommen – so viele wie noch nie zuvor bei einem Feuer in dem US-Bundesstaat. Jeden Tag gibt es Berichte über mehr Opfer.

Am Mittwochabend wurden in Trümmern acht weitere Leichen gefunden, wie der Sheriff von Butte County, Kory Honea, mitteilte.

Am Dienstag waren sechs weitere Leichen in Häusern in dem Ort Paradise gefunden worden. Nahe Malibu, wo das „Woolsey“-Feuer wütet, waren bislang zwei Leichen entdeckt worden. 130 Menschen werden derzeit noch vermisst. Beide Feuer waren bislang nur zu je etwa einem Drittel eingedämmt.

Einige der Toten waren in ihren ausgebrannten Fahrzeugen aufgefunden worden. Die Menschen hatten versucht, den Flammen zu entkommen. Wegen der schweren Brandverletzungen sei eine Identifikation noch nicht möglich. Andere Opfer starben in ihren Häusern.

Größtes Feuer in Paradise kaum eingedämmt

Der kleine Ort Paradise nördlich von Sacramento wurde durch das Feuer zu großen Teilen zerstört. Mehr als 6450 Wohnhäuser fielen dort den Flammen zum Opfer. Der Ort glich am Dienstag einer Geisterstadt, wie eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur von vor Ort berichtete.

Toten-Zahl nach Bränden in Kalifornien steigt auf über 50

Mehr als 100 Menschen wurden noch vermisst.
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Bewohner wurden noch nicht wieder zurückgelassen, während die Such- und Aufräumarbeiten voranschritten. Der Ort sei massiv zerstört, an vielen Stellen qualme es noch. Die Luft sei komplett verraucht, es rieche beißend, alle Menschen trügen Schutzmasken. Die Schutzunterkünfte rund um den Ort herum seien voller Bedürftiger, massenhaft würden Spenden abgegeben.

Der Chef der Katastrophenschutzbehörde FEMA, Brock Long, sagte, der Wiederaufbau und die vorübergehende Versorgung der Menschen dort seien eine enorme Herausforderung. Die Helfer müssten sich dort zunächst vorsichtig durch die Trümmer arbeiten, um nach Toten zu suchen. Danach müssten die Trümmer weggeschafft werden. Die komplette Infrastruktur der Stadt müsse wieder aufgebaut werden.

„Das wird ein sehr langer und sehr frustrierender Prozess für die Menschen in Paradise“, so Long. Der Wiederaufbau werde Jahre dauern.

Haus von Thomas Gottschalk brannte ab

Das sogenannte „Woolsey Fire“ nordwestlich von Los Angeles richtete viel Zerstörung an – unter anderem in dem Küsten-Ort Malibu, in dem viele Prominente leben. Dort wurden bislang mehrere Hundert Häuser zerstört. Nach offiziellen Angaben sind 57.000 Gebäude vom Feuer bedroht.

Auch das Anwesen von Thomas Gottschalk (68) und seiner Frau Thea in Malibu brannte ab. Seine Villa sei zerstört, sagte Gottschalk.

Einer der schlimmsten Brände in der Geschichte Kaliforniens

Die Feuerkatastrophe zählt schon jetzt zu den schlimmsten Flächenbränden in der Geschichte Kaliforniens. Das Ausmaß der Zerstörung sei kaum zu beschreiben, sagte die Bürgermeisterin von Paradise, Jody Jones dem US-Sender CNN. Auch ihr Haus sei abgebrannt, ebenso hätten alle Mitglieder des Stadtrats ihre Häuser verloren, teilte Jones mit. Ihnen stehe „harte Arbeit“ bevor, den Ort wieder aufzubauen.

Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown sagte: „Es sieht aus wie ein Kriegsgebiet.“ Er zeichnete ein düsteres Bild für den dürregeplagten Westküstenstaat und beruft sich auf den gängigen Forschungsstand, der den Klimawandel mit steigenden Temperaturen für schlimmere Dürren, heftigere Waldbrände und andere Wetterextreme verantwortlich machen. „Dies ist nicht die neue Normalität, es ist die neue Abnormalität“, sagte Brown.

Die leicht entflammbare Vegetation, fehlender Niederschlag und eine geringe Luftfeuchtigkeit seien die „perfekten Zutaten für ein explosives dynamisches Brandwachstum“, sagte Chris Anthony von der kalifornischen Brandschutzbehörde der „Los Angeles Times“.

Die Kalifornier sollten sich auf eine „lange und potenziell tödliche“ Feuersaison einstellen. Es werde schlimmer, als es sich die Bevölkerung jemals habe vorstellen können.

Hunderttausende Menschen flüchteten

Fast 150.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, viele übernachteten in ihren Autos. Schulen schlossen, Freizeitaktivitäten und Sportveranstaltungen wurden abgesagt. Stromleitungen wurden gekappt.

Die Feuerwehr in Kalifornien berichtete alleine für das Ventura County nördlich von Los Angeles von 18 Quadratkilometern verbrannter Fläche. Das entspricht rund 2574 Fußballfeldern. Eine Karte zeigt die Ausbreitung des Feuers in diesem Gebiet, in dem auch der Ort Thousand Oaks liegt, in dem es am 7. November zu einem Amoklauf mit 13 Toten kam .

Die Autobahn 101, eine der wichtigsten Verkehradern in Kalifornien, war wegen des sogenannten Woolsey Feuers schon am Freitag auf weiten Teilen in beiden Richtungen gesperrt worden.

Trump macht Missmanagement für Brände verantwortlich

Wie es zu der Feuer-Katastrophe in Kalifornien kam ? Die natürlichen Begebenheiten Kaliforniens mit relativ viel Wald und der trockene Sommer haben einen einzigartigen Nährboden für Brände geschaffen.

US-Präsident Donald Trump sprach am Dienstag von verheerenden Bränden, wie es sie noch nicht gegeben habe. „Wir trauern um jene, die ihr Leben verloren haben“, sagte er im Weißen Haus in Washington. „Wir beten für die Opfer.“

Trump dankte Feuerwehrleuten, Katastrophenschützern und Rettungskräften für ihren Einsatz in Kalifornien. Man werde alles Erdenkliche tun, um die Betroffenen in der Region zu schützen. „Es ist eine sehr schwierige Situation.“

Am Wochenende hatte Trump mit einem Kommentar zu den Bränden in Kalifornien Empörung ausgelöst und sich viel Kritik eingehandelt. Er hatte Behörden Versäumnisse und Fehler beim Forstmanagement vorgeworfen und mit dem Entzug von Bundesmitteln gedroht – während die Einsatzkräfte gegen die Flammen kämpften und Bewohner um ihr Leben bangten.

Der Verband der Feuerwehrleute in Kalifornien (CPF) feuerte zurück. Trump habe eine „uninformierte politische Drohung gegen die unschuldigen Opfer dieser verheerenden Feuer“ ausgesprochen, sagte Verbandschef Brian Rice. Dies sei auch ein „schmählicher“ Angriff auf die Feuerwehrleute, die ihr Leben riskieren würden.

Hier können sich Reisende informieren

Urlauber in Kalifornien können sich bei mehreren Stellen über die derzeit wütenden Waldbrände informieren:

(moi/jha/dpa)

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