Ermittlungen

Polizeischüler sollen in Chat gegen Ausländer gehetzt haben

Sächsische Polizeischüler haben rassistische Nachrichten ausgetauscht. Die Behörde hat die Vorwürfe bestätigt und Konsequenzen gezogen.

Polizeischüler verbreiteten offenbar in einer Chat-Gruppe rassistische Witze (Symbolbild).

Polizeischüler verbreiteten offenbar in einer Chat-Gruppe rassistische Witze (Symbolbild).

Foto: Ralph Peters / imago/Ralph Peters

Berlin.  Rassismus-Vorwürfe gegen die Polizei in Sachsen: Auszubildende sollen in einer WhatsApp-Gruppe gegen Menschen aus anderen Ländern gehetzt haben.

Die Behörde hat die Vorwürfe inzwischen bestätigt und Konsequenzen gezogen. Ein ehemaliger Auszubildender hatte die fremdenfeindliche Hetze aus den Jahren 2016 und 2017 jetzt öffentlich gemacht.

Rassistische Nachrichten im Gruppenchat der Polizeischüler

„Wir sind aus Cottbus/Und nicht aus Ghana/Wir hassen alle ....... Afrikaner/Ole Ole“ textete einer der Auszubildenden am 1. Januar 2017 in der Gruppe. Den Screenshot veröffentlichte Simon Neumeyer (21), der selbst Teil der Gruppe war und die Nachrichten mitlesen konnte, bei Instagram.

„Nach Gesprächen mit verschiedenen Formaten und einer Bundestagsabgeordneten veröffentliche ich hiermit originale Screenshots aus einer WhatsApp-Gruppe sächsischer Polizeischüler. Die Nummern und Namen sind geschwärzt, um nicht gegen Persönlichkeitsrechte zu verstoßen“, schrieb er dazu.

21-Jähriger quittierte den Dienst wegen der Vorgänge

„Ich selbst war Auszubildender der sächsischen Polizei und habe wegen solchen vermehrten Dingen den Dienst quittiert.“ In seinem Text spricht er die Polizei Sachsen direkt an, und fragt, was sie eigentlich davon halte.

In einem weiteren Screenshot, den das Magazin „Neon“ online veröffentlichte, sind weitere problematische Äußerungen zu lesen: „Musste 2 Mettbrötchen essen und 3 große Pils trinken, um zu beweisen, dass ich kein Moslem bin“, schrieb ein Polizeischüler. Die Gruppe, in der die Konversation stattfand, nannte sich „9/16-22 Die Elite“, noch geschmückt mit dem Emoji, das einen angespannten Oberarm zeigt.

Auch Ausbilder hätten sich problematisch geäußert

Inzwischen ist die Gruppe gelöscht, die Polizei bestätigte unserer Redaktion, dass ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden sei. Nicht alle Mitglieder der Gruppe seien noch bei der Behörde.

Der „Neon“ sagte Neumeyer, der von 2016 bis 2017 die Polizeischule besuchte: „Stahlgewitter-Songs auf der Stube, Besuche von NPD-Veranstaltungen und Zuspruch für die AfD waren nur einige Dinge, die ich im alltäglichen Umgang erlebt habe.“ Nach einigen Monate habe Neumeyer um seine Entlassung gebeten.

Behörde nimmt Aussagen ernst

„Ein Ausbilder sagte sinngemäß: Wo wir jetzt so viel Besuch in Deutschland haben, müsst ihr gut schießen lernen.“ Laut der Behördensprecherin der Bereitschaftspolizei Sachsen habe es nach diesen Vorwürfen eine Schulkonferenz gegeben – „die Lehrer weisen die Vorwürfe von sich.“ Allerdings nehme man die Aussagen des Schülers ernst, „wir wollen ja wissen, wie er dazu kommt“.

„Wir sind überrascht, dass Herr Neumeyer erst jetzt mit diesen Vorwürfen auf uns zukommt und an die Öffentlichkeit geht“, erklärt eine Sprecherin der Bereitschaftspolizei Sachsen gegenüber Neon. (ses)