Flutkatastrophe

Neue Unwetter halten Mallorca in Atem – 60 Menschen gerettet

Schwere Unwetter hatten auf Mallorca zu mehreren Todesfällen geführt. Nun ist die Urlaubsinsel erneut von Überschwemmungen betroffen.

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Palma.  Die Folgen des letzten schweren Unwetters sind noch nicht beseitigt, da hat Mallorca bereits mit neuen Überschwemmungen zu kämpfen. Wie die „Mallorca Zeitung“ berichtet, herrsche vor allem im Norden der beliebten Urlaubsinsel Ausnahmezustand.

Am Freitag mussten demnach Einsatzkräfte rund 60 Anwohner und Touristen aus überschwemmten Gebieten zwischen Pollença und Alcúdia retten. Sie waren durch starke Regenfälle in ihren Häusern und Autos gefangen. Teils seien Helikopter für die Rettung benötigt worden.

Mehrere Straßen im Norden waren nicht mehr befahrbar, viele Erdgeschosse liefen voll Wasser. Im Naturschutzgebiet S’Albufera drohte der Sturzbach Torrent de s’Erbossar über die Ufer zu treten. Ein Facebook-Video zeigt das Ausmaß der erneuten Regenfälle:

Unterdessen haben Einsatzkräfte die Leiche des nach den ersten schweren Unwettern vermissten Jungen gefunden. Das berichteten spanische Medien am Mittwoch unter Berufung auf die zuständigen Behörden. Damit stieg die Zahl der Todesopfer nach der verheerenden Flutkatastrophe auf der beliebten Urlaubsinsel auf 13.

Hunderte Helfer von Polizei, Feuerwehr und Militär waren an der Suche beteiligt. Schließlich fanden sie den leblosen Körper des Jungen in der Nähe des besonders hart von der Flut getroffenen Ortes Sant Llorenç des Cardassar. Die Familie sei bereits benachrichtigt worden, schrieb die Zeitung „El País“.

In den spanischen Medien gab es unterschiedliche Angaben über das Alter des Jungen, manche schrieben, er sei acht Jahre alt gewesen, andere sprachen von sechs Jahren. Die Familie ist besonders schlimm von den Folgen der schweren Sturzflut betroffen: Die Mutter war mit ihren Kindern im Auto von den Wassermassen überrascht worden und starb ebenfalls. Die siebenjährige Schwester wurde von einem Deutschen in letzter Minute gerettet .

Verdienstmedaille für Retter

Der Retter aus Brandenburg soll nun mit einer Verdienstmedaille geehrt werden. Die Auszeichnung werde Daniel Thielk im November verliehen, zitierte das „Mallorca Magazin“ am Mittwoch den Fremdenverkehrsverband von Mallorca.

„Ich habe sie am Arm aus dem reißenden Strom gezogen. Sie wollte mich gar nicht mehr loslassen“, hatte Thielk nach der Rettung dem Sender RTL erzählt. Die Familie des Mädchens hatte dem Deutschen vor wenigen Tagen persönlich für seinen Einsatz gedankt.

Am Abend sollte mit einem Trauergottesdienst in dem Ort Manacor der Toten gedacht werden. An der Messe wollte nach Angaben des spanischen Fernsehens auch das Königspaar teilnehmen. Felipe und Letizia hatten bereits Ende vergangener Woche das betroffene Gebiet besucht.

Drei Deutsche unter den Opfern

Unter den Todesopfern sind auch drei Deutsche im Alter von 57, 61 und 63 Jahren. Die Rettungskräfte hatten die Leichen am vergangenen Mittwoch und Donnerstag entdeckt. Der 57-Jährige war ein Redakteur der Tageszeitung „Neue Presse“ aus Hannover. Die beiden anderen sollen seit Längerem auf der Balearen-Insel gelebt haben.

Von der Flut betroffen war vor allem der Osten Mallorcas, aber auch in anderen Teilen der Insel kam es zu Überflutungen und Stromausfällen. Nach heftigem Sturzregen wurden mancherorts Straßen innerhalb kürzester Zeit in reißende Flüsse verwandelt.

Fünf Meter hohe Flutwelle

Dramatische Szenen gab es vor allem in der 8000-Einwohner-Gemeinde Sant Llorenç rund 60 Kilometer östlich der Hauptstadt Palma, wo es die meisten Todesopfer gab. Dort trat ein Sturzbach über die Ufer, zahlreiche Autos wurden von den Wassermassen mitgerissen und Häuser unter Wasser gesetzt. Bewohner versuchten verzweifelt, das Wasser mit Eimern aus ihren Häusern zu schippen.

Derweil haben Experten errechnet, dass die Flutwelle, die am Abend des 9. Oktober vermutlich alle der 13 Opfer in den Tod gerissen hat, mindestens fünf Meter hoch gewesen sein muss. Die „Mallorca Zeitung“ schrieb unter Berufung auf die Koordinatoren der Rettungsaktionen, es habe sich um einen so genannten „umgekehrten Tsunami“ gehandelt, bei dem sich Wasser in den Bergen ansammelt und dann ins Tal schießt – wobei es alles mitreißt, das im Weg ist. (dpa/mbr)