Italienurlaub

Zu viele Touristen: Auch am Gardasee kippt die Stimmung

Urlaub am Gardasee ist beliebt – doch viele Einheimischen wehren sich gegen die Touristen. Ein Ort will mit Fahrverboten abschrecken.

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Sirmione.  Es ist heiß, Menschenmassen drängeln sich durch die engen Gassen und die Cafés sind voll: Alltag zur Hauptsaison im historischen Zentrum von Sirmione. Der nur 8000 Einwohner zählende Ort auf der Halbinsel des südlichen Gardasees hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Besuchermagneten entwickelt, Touristen stürmen in Scharen dorthin. Längst nicht alle sind darüber erfreut, viele Bewohner Sirmiones empfinden Reisende mittlerweile als Zumutung.

Die Zahlen der touristischen Jahresbilanz der Provinz Brescia sprechen für sich: Rund 1,36 Millionen Übernachtungen verbuchte Sirmione im Jahr 2017. Das waren fast sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Damit ist die kleine Gemeinde der beliebteste Urlaubsort in der Provinz und einer der meistbesuchten Orte am mediterranen Gardasee.

Viele Urlaubshochburgen klagen über Überfüllung

„Wir sind froh, wenn Touristen kommen“, beteuert Sabrina Medaglia vom Tourismusbüro Sirmione zwar. „Vor allem ist es gut für jene, die im Touristenbereich arbeiten.“ Doch es macht bereits ein böses Wort die Runde: „Overtourism“, die Überfüllung durch zu viele Besucher. Ein Phänomen, das auch in anderen Touristenzentren diskutiert wird.

Auf Mallorca hat die Polizei erst im Juni mit einer „Knöllchen-Offensive“ ein Zeichen gegen den Sauf-Tourismus am Ballermann gesetzt. Auch in Venedig und anderswo wehren sich Einheimische gegen den Massentourismus. „In Barcelona etwa herrscht bereits ein regelrechter Hass gegen Besucher. Damit dies nicht auch in Sirmione geschieht, müssen die Verantwortlichen rechtzeitig handeln“, fordert der Naturschützer Salvatore La Magra von der Umweltgruppe G.A.R.D.A.

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Zudem haben chinesische und russische Urlauber Sirmione in den letzten Jahren für sich entdeckt, berichtet Sabrina Medaglia. Die meisten Reisenden kommen jedoch aus den deutschsprachigen Ländern – München liegt nur viereinhalb Autostunden entfernt. „Die Touristen verursachen viel Verkehr, der zunehmend Luft und Wasser verschmutzt“, kritisiert La Magra. „Private Investoren interessiert das natürlich nicht.“

Zur Hochsaison herrscht das totale Chaos

So kann es nicht weitergehen, finden Lokalpolitiker vom Gardasee. Sirmione hat bereits Fahrverbote erlassen. Autos dürfen schon länger nicht in den Ort. Ab 1. August ist das historische Zentrum auch für Fahrräder gesperrt. „Die meisten Besucher sind zu Fuß im Zentrum unterwegs. Wenn da noch zahlreiche Autos und Fahrräder rumfahren, herrscht das totale Chaos, besonders zur Hochsaison“, sagt der Gemeinderat Alessandro Mattinzoli. Wer gegen das Gesetz verstößt, muss mit einer Geldstrafe von bis zu 80 Euro rechnen.

Es sind jedoch nur kleine Schritte, um die Bevölkerung mit den Touristen zu versöhnen. An der Besucherzahl wird das Radverbot wohl nichts ändern. Erst gestern wurde eine neue Attraktion eingeweiht, die nicht recht zum Fahrverbort in Sirmione passt: eine als „spektakulärster Radweg Europas“ beworbene, frei schwebende Trasse über der Küste. (mit dpa)