Nacht der Wissenschaften

Kopftuch-Workshop an Berliner Uni sorgt für viel Kritik

Um die „Technik des Kopftuchbindens“ ging es in einem Kurs an der Technischen Universität Berlin. Der Workshop wird heftig kritisiert.

Zur „Langen Nacht der Wissenschaften“ bot die TU Berlin einen Kopftuchbinde-Kurs an (Symbolbild).

Zur „Langen Nacht der Wissenschaften“ bot die TU Berlin einen Kopftuchbinde-Kurs an (Symbolbild).

Foto: Montes-Bradley / Getty Images

Berlin.  Ein Workshop zum Kopftuch-Binden an der Technischen Universität Berlin sorgt einem Medienbericht zufolge für große Aufregung. Im Rahmen der „Langen Nacht der Wissenschaften“ am 9. Juni hatte die Uni dazu eingeladen, berichtet der „Berliner Kurier“. Kritik kommt dabei von verschiedenen Seiten.

In der Diskussion um den Kopftuch-Workshop geht es vornehmlich um zwei Fragen: Ist ein solcher Kurs mit dem Neutralitätsgesetz in Berlin vereinbar? Und wo liegt der wissenschaftliche Ansatz beim Kopftuchbinden?

Kopftuchbinde-Kurs und Podiumsdiskussion

Der Workshop „Die Technik des Kopftuchbindens erlernen“ dauerte 60 Minuten und fand im Haus des Lernens der Technischen Universität Berlin statt. Der Kurs erfolgte im Anschluss an eine Podiumsdiskussion mit dem Thema „Kopftuchverbot für Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen Berlins?“

Im Zentrum der Diskussion stand das Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin zum Kopftuchverbot an Berliner Schulen.

Sarkastische Kritik am Kursangebot

Der „Humanistische Pressedienst“ hatte im Vorfeld kritisch über das Kursangebot zum Kopftuchbinden berichtet. Spitz hieß es in dem Artikel: „Erbarmt sich der Herr Professor bei dieser Gelegenheit vielleicht auch einmal den naturwissenschaftlich interessierten Frauen in der islamischen Welt, die nicht studieren können, ihren Beruf nicht ausüben dürfen und ins Gefängnis geworfen und misshandelt werden, weil sie ihr Kopftuch ablegen? Natürlich nicht.“

Mit dem Kopftuch-Workshop zeige die Technische Universität stattdessen Solidarität mit den Frauen, die sich gegen das Kopftuchverbot an Berliner Schulen aussprechen, hieß es in dem Text.

„Hat mit Wissenschaft nichts zu tun“

Ähnliche Kritik kam vonseiten der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes. In einem offenen Brief wandte sich die Bundesgeschäftsführerin vor der „Langen Nacht der Wissenschaften“ von Terres des Femmes an den Direktor der TU Berlin. Darin heißt es: „Diese Art von Umgang mit Religion hat mit Wissenschaft nichts zu tun.“

Die Verschleierung von Frauen im Islam sei unter anderem Ausdruck von Diskriminierung und Sexualisierung von Frauen, ein solcher Kopftuchbindekurs fördere patriarchale Strukturen und sei darüber hinaus nicht mit dem Neutralitätsgesetz in Berlin vereinbar, das religiöse Symbole an Berliner Schulen weitgehend verbietet.

Der offene Brief zeigte jedoch keine Wirkung, der abendliche Workshop fand statt.

Politische Kritik am Workshop

Auch von politischer Seite gibt es kritische Stimmen am Kopftuchbinde-Kurs. „Dass eine staatliche Institution so etwas lehrt und damit offenbar als wünschenswert empfindet, dass Frauen ihr Kopftuch richtig binden, ist schon absurd“, sagt Cornelia Seibeld, integrationspolitische Sprecherin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU, dem „Berliner Kurier“.

Der hochschulpolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Landtag Brandenburg, Andreas Kalbitz, bezeichnete die Aktion in einer Pressemitteilung der Partei als „neueste Absurdität aus der bunten Republik Deutschland“, die ein Beispiel für „politische Indoktrination“ sei.

Kein weiterer Kurs geplant

Auf Anfrage des „Berliner Kuriers“ erklärte die Technischen Universität sich nicht inhaltlich zum Workshop und der darauffolgenden Kritik. Es hieß schlicht, der Kurs sei angekoppelt gewesen an eine Podiumsdiskussion.

Und weiter: „Der nachfolgende Kurs wurde von einem Professor geplant und angeboten. Die TU Berlin hat kein Interesse, einen weiteren Kurs anzubieten“, wie eine Sprecherin der Universität mitteilte. (alka)

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