Vermisstenfall

Familie von Tramperin wehrt sich gegen rassistische Hetze

Die Familie der vermissten Tramperin wird rassistisch beschimpft, weil ein Verdächtiger Marrokaner sein soll. Das berichtet ihr Bruder.

Überall entlang der vermuteten Fahrroute wurde nach der jungen Frau gesucht, auch hier bei Nürnberg.

Überall entlang der vermuteten Fahrroute wurde nach der jungen Frau gesucht, auch hier bei Nürnberg.

Foto: Markus Roider / dpa

Berlin/Leipzig.  Der Bruder der vermissten Tramperin Sophia L. hat sich in einem Brief an die Öffentlichkeit gewandt und darum gebeten, den Fall seiner vermissten Schwester nicht für rechte Hetze zu nutzen.

Seine Familie und auch die Freunde von Sophia L. würden massiv im Internet bedroht: „Schon jetzt bekommen einige von uns Hasskommentare bis hin zu Morddrohungen von rechtsgerichteten Personen.“

Grund dafür sind Medienberichte, denen zufolge ein mit dem Verschwinden der 28-Jährigen in Verbindung gebrachter Lkw-Fahrer ein Mann marokkanischer Abstammung sein soll.

Bruder verbittet sich rassistische Hetze

Sophia L. war vor etwa einer Woche verschwunden. Sie wollte von Leipzig nach Bayern trampen, kam dort aber nie an. In Spanien war eine Frauenleiche gefunden worden, auch wurde bereits ein Mann im Zusammenhang mit dem Fund festgenommen. Ob es sich bei der Leiche um Sophia L. handelt, ist noch nicht offiziell bestätigt.

„Sophia würde unter keinen Umständen wollen, dass auf ihre Kosten rassistische Hetze betrieben wird, wie es teils schon geschehen ist“, heißt es in dem Brief. Es sei unerträglich, wie das Verschwinden seiner Schwester von Rassisten instrumentalisiert werde, bevor überhaupt Klarheit herrsche, was passiert sei.

Nationalität möglichen Täters hat nichts mit Tat zu tun

Weiter hieß es in dem Schreiben: „Wir möchten dabei darauf hinweisen, dass die Nationalität eines möglichen Täters nichts mit seinen Taten zu tun hat. Sophia ist in der Unterstützung von Geflüchteten aktiv und engagiert sich gegen Rechts.“ Sie sei vor ihrem Verschwinden etwa auf der griechischen Insel Lesbos für die Organisation „No border kitchen“ aktiv gewesen.

Dem MDR zufolge weist der Bruder die Presse auf ihre Mitverantwortung hin: „Wir möchten Sie auf Ihre Verantwortung als Berichterstatter hinweisen. Weder ist Sophia als Frau daran Schuld, was passiert ist, noch sind es grundsätzlich Personen ausländischer Herkunft.“

Über Twitter bat der Bruder zudem erneut um Hinweise. „Bitte haltet die Augen offen, bittet informiert die Polizei, wenn ihr sie irgendwo gesehen habt“, heißt es in dem englischsprachigen Post. (dpa/aba)