Fernsehdirektor

Belästigungen beim WDR – Schönenborn bestreitet Untätigkeit

Gegen den WDR gibt es neue Vorwürfe, Hinweisen auf Belästigungen nicht konsequent nachgegangen zu sein. Der Sender bezieht Stellung.

Zwei WDR-Mitarbeiter sehen sich mit Vorwürfen wegen sexueller Belästigung konfrontiert.

Zwei WDR-Mitarbeiter sehen sich mit Vorwürfen wegen sexueller Belästigung konfrontiert.

Foto: imago stock&people / imago/Winfried Rothermel

Köln.  WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn hat den Vorwurf zurückgewiesen, Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Mitarbeiter des Senders nicht ernst genommen zu haben. „Wir wollen, dass alles, was passiert ist, rauskommt“, sagte Schönenborn am Freitag in einem Interview der der Deutschen Presse-Agentur in Köln.

Zuvor hatte der „Spiegel“ vorab berichtet, dass Schönenborn noch als WDR-Chefredakteur einen Redakteur auf eine Korrespondentenstelle befördert habe, obwohl er von Vorwürfen der sexuellen Belästigung gegen den Mann gewusst habe.

Schönenborn sagte, es habe damals eine umfassende Untersuchung der Geschäftsleitung gegeben. „Am Ende hatten wir aber weder einen konkreten Vorwurf noch namentliche Opfer.“ Ohne Belege habe man den Mitarbeiter als unbescholten betrachten müssen.

Mitarbeiter wurde freigestellt

In der vergangenen Woche waren durch Veröffentlichungen des Magazins „Stern“ und des Recherchezentrums „Correctiv“ Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen einen ehemaligen ARD-Auslandskorrespondenten bekannt geworden. Der Mitarbeiter wurde am vergangenen Wochenende bis auf weiteres freigestellt.

Diese Woche berichteten „Stern“ und „Correctiv“ von einem zweiten Fall. Hier gehe es um einen Journalisten, der regelmäßig für „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ berichte. Ihm hätten fest angestellte und freie Mitarbeiterinnen des WDR Belästigung, Mobbing und Machtmissbrauch vorgeworfen. Die Geschäftsleitung informiert habe ein männlicher Kollege. Am Ende sei aber nicht der Mitarbeiter ermahnt worden, gegen den sich die Vorwürfe richteten, sondern der Hinweisgeber.

„Wut, Traurigkeit und Empörung wahrgenommen“

Schönenborn sagte dazu, wenn Vorwürfe auch durch eine umfassende Untersuchung nicht belegt werden könnten, dann dürften sie auch nicht wiederholt werden. Im übrigen gelte: „Bei uns wird und wurde niemand bestraft, der uns, um Aufklärung möglich zu machen, Hinweise gibt. Das garantiert die gesamte Geschäftsleitung.“

Zurzeit meldeten sich viele Frauen mit Belästigungsvorwürfen. „Durch die Presseveröffentlichung in der vergangenen Woche und die vorhergehende Metoo-Debatte haben viele Frauen den Impuls gehabt: Jetzt möchte ich auch schildern, was mir passiert ist.“ Zur derzeitigen Atmosphäre im WDR sagte Schönenborn: „Ich habe Wut, Traurigkeit und Empörung wahrgenommen, aber auch eine sehr offene Diskussionskultur.“ (dpa)