Madrid

Königin streitet mit Schwiegermutter

| Lesedauer: 4 Minuten
Ralph Schulze

Ein Video zeigt Spaniens Letizia genervt von Sofia. Das schlägt Wellen im ganzen Land

Madrid. Dass die spanische Königsfamilie alles andere als geeint ist, weiß man schon länger: Juan Carlos und Sofia, Spaniens Könige im Ruhestand, leben getrennt. König Felipe meidet den Kontakt mit seiner Schwester Cristina, die zusammen mit Ehemann Iñaki Urdangarin in einen Betrugsskandal verwickelt ist. Und Königin Letizia hat ihrem Schwiegervater Juan Carlos bis heute nicht verziehen, dass er ihre Hochzeit mit Felipe verhindern wollte.

Nun scheint sich noch ein weiterer Riss aufzutun, und zwar zwischen der 45-jährigen Letizia und ihrer 79-jährigen Schwiegermutter Sofia. Fotos und ein Video, auf denen man zu sehen glaubt, wie Letizia mit ihrer Schwiegermutter einen Streit anzettelt, bewegen derzeit die spanische Nation. Sogar seriöse Tageszeitungen sehen sich zu Schlagzeilen veranlasst. Das große nationale Blatt „El País“ etwa titelte: „Die kaputte Beziehung zwischen Letizia und Sofia.“

Das Video zeigt einen Zwischenfall, der sich an Ostersonntag in der Kathedrale von Palma de Mallorca ­abspielte. Dort hatte die Königsfamilie an einem Gottesdienst teilgenommen. Nach dem Ende der Messe passierte es dann: Königin Sofia wollte sich in der Kirche mit ihren beiden Enkelinnen, Thronfolgerin Leonor (12) und ­In­fantin Sofia (10), fotografisch verewigen lassen. Doch dies gefiel in die­sem Moment anscheinend Letizia überhaupt nicht. Die frühere Journalistin stellte sich vor die Kameras und ­versuchte, die Hand ihrer Schwiegermutter, die auf der Schulter von Leonor lag, wegzuschieben. Auch Kronprinzessin ­Leonor hatte offenbar keine Lust auf Fotos mit ihrer Großmutter und schüttelte deren Hand wie eine lästige Fliege von sich. Sekunden später schritt ­König Felipe mit ernster Miene ein und versuchte, die Gemüter zu beruhigen.

Die Bilder gelangten erst Tage später an die Öffentlichkeit, lösten aber umgehend eine heftige Debatte aus. Dabei ist es nicht die abwehrende und fast trotzige Reaktion des Mädchens, welche die Aufregung auslöst – sondern die mutmaßliche Foto-Sabotage Letizias, die als Beleg für angebliche Spannungen gesehen wird.

Letizia ist „besorgt und bestürzt“

Offiziell äußert der Palast sich nicht. Inzwischen sah sich Letizia offenbar genötigt, indirekt doch noch ein Statement abzugeben – über Imma Aguilar, ihre politische Beraterin und langjährige Freundin. „Letizia ist besorgt und ziemlich bestürzt“, erklärte Aguilar in einem Interview in der TV-Sendung „El Circulo“. Die Szene in dem Video, die für so viel Unmut sorgt, sei eine „natürliche Geste“ gewesen. Die Königin habe nur verhindern wollen, dass ihre Töchter zu viel fotografiert würden. Alles Weitere sei „Unsinn“.

Die Wogen werden diese Worte so schnell nicht glätten können. Die Zeitungen schreiben, das einst harmonische Verhältnis sei längst zerrüttet, schreiben gar von einem „Duell der Königinnen“. Spaniens Hofberichterstatter wollen erfahren haben, dass Sofia ihre beiden Enkelinnen immer seltener zu sehen bekommt. Dass Letizia der Schwiegermutter schon öfter einen Korb gegeben habe, wenn diese, wie es die meisten Großmütter gern tun, die beiden Mädchen besuchen wollte. Und dass deswegen nun, beim Familientreffen in der Kathedrale von Palma, Altkönigin Sofia die seltene Gelegenheit für ein Erinnerungsfoto mit den Enkelinnen nutzen wollte.

Sofia, bis heute das beliebteste Mitglied des Königshauses, bekam daher auch viel Zuspruch. Etwa von ihrer Nichte Marie-Chantal von Griechenland. Die schrieb bei Twitter: „Keine Großmutter verdient es, so behandelt zu werden.“

„Letizia hat ihren schlechten Charakter und ihr schlechtes Benehmen gezeigt“, meinte auch der bekannte Kolumnist Jaime Peñafiel. Wegen ihres als kühl empfundenen Auftretens schneidet Letizia generell weniger gut ab in Beliebtheitsumfragen.

Die Königin weiß aber, was ihrem Beruf geschuldet ist – Verstecken gilt nicht. Donnerstag besuchte sie in Madrid eine Tagung über den Umgang mit behinderten Menschen. Dort zeigte sie sich entspannt und begrüßte auch die anwesende Presse – als hätte sie noch keine der Schlagzeilen gelesen.