Columbus

Richter prahlt mit Sex-Beziehungen

Für private amouröse Schilderungen hat ein US-Jurist nun heftige Kritik geerntet

Columbus. Weltweit wird derzeit über Belästigungen und sexuellen Machtmissbrauch diskutiert – vor allem in den USA, wo der Skandal um Harvey Weinstein (65) die Debatte auslöste. Dort hat sich nun ein Oberster Richter aus dem Bundesstaat Ohio mit einem äußerst ungewöhnlichen Wortbeitrag in die Diskussion eingemischt.

„In den letzten 50 Jahren hatte ich sexuelle Beziehungen zu etwa 50 sehr attraktiven Frauen“, schrieb Bill O’Neill auf seiner Facebook-Seite. Indem er Details aus seinem Sexleben publik mache, spreche er im Namen aller heterosexuellen Männer. Da er selbst für das Amt des Gouverneurs von Ohio kandidiere, erspare er es zudem so seinen Gegnern, in seinem Leben nachzuforschen. „Es reichte von einer umwerfenden persönlichen Assistentin von Senator Bob Taft (senior), die meine erste wahre Liebe war, und wir machten leidenschaftlich Liebe auf dem Heuboden der Scheune“, schreibt O’Neill, „und es endete mit einer hinreißenden Rothaarigen.“

O’Neill machte in dem Post deutlich, dass er sich mit diesen Äußerungen auch an die Seite des wegen eines Übergriffs in die Kritik geratenen demokratischen Senator Al Franken stelle. Die Medien würden einen neuen Standard setzen, sagte O’Neill, wonach „man nicht geeignet ist für ein öffentliches Amt in Amerika, wenn man nicht absolut rein ist“. Die Empörung auf O’Neills Ansichten folgte prompt. Die Präsidentin des Obersten Gerichts von Ohio, Maureen O’Connor, äußerte sich entsetzt. Diese „schockierende Geringschätzung gegenüber Frauen“ untergrabe das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Justiz, heißt es in einem Statement der Richterin: „Keine Worte können meinen Schock darüber zum Ausdruck bringen.“ Auch führende Politiker kritisierten den US-Demokraten O’Neill heftig. Sowohl seine eigene Partei als auch die Republikaner warfen dem Juristen vor, mit seinen Äußerungen sexuelle Übergriffe zu verharmlosen. Sämtliche anderen demokratischen Kandidaten für Gouverneursämter forderten ihn zum Rücktritt auf. O’Neill hat den Kommentar auf seiner Facebook-Seite inzwischen entfernt. In einem weiteren Post bemühte er sich anschließend um Klarstellung.