Landgericht

Ex-IRA-Terrorist muss 21 Jahre nach Anschlag ins Gefängnis

Die Tat liegt mehr als 21 Jahre zurück. IRA-Terroristen beschossen eine Kaserne in Osnabrück. Nun wurde ein Beteiligter verurteilt.

Der Angeklagte kommt in Begleitung von Justizbeamten in einen Sitzungssaal vom Landgericht in Osnabrück.

Der Angeklagte kommt in Begleitung von Justizbeamten in einen Sitzungssaal vom Landgericht in Osnabrück.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Osnabrück.  Mehr als 21 Jahre nach einem Anschlag hat das Osnabrücker Landgericht am Mittwoch einen ehemaligen IRA-Terroristen zu vier Jahren Haft wegen gemeinschaftlich versuchten Mordes verurteilt. Der Anschlag sei verübt worden, um der britischen Armee deutlich zu machen, dass sie auch auf dem Kontinent verfolgt und angegriffen werden könne, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Kirschbaum in der Urteilsbegründung.

Als Mitglied der Provisional Irish Republican Army (PIRA), einem militanten Arm der IRA, war der heute 48 Jahre alte angeklagte Ire am 28. Juni 1996 an einem Anschlag auf eine britische Kaserne in Osnabrück beteiligt.

Fest mit 150 Soldaten

Er und seine vier Komplizen hatten mit einer Mörserbatterie auf das Gelände der Kaserne geschossen, wo sich zur Tatzeit etwa 150 Soldaten bei einem Fest befanden. Nur eines der Geschosse explodierte. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Mit einem optimistischen Lächeln und erhobenem Daumen in Richtung seiner anwesenden Familienangehörigen betrat der siebenfache Familienvater am Mittwochmorgen den Schwurgerichtssaal im Osnabrücker Landgericht. Der 48-jährige Ire sitzt seit einem Jahr in Deutschland in Untersuchungshaft. Mittlerweile hat sich der Mann, der als Bühnentechniker und Musiker in Belfast ein bürgerliches Leben führte, von der IRA distanziert.

Vom Ehrenkodex losgesagt

Zu Lasten des Angeklagten sprach die Gefährlichkeit seiner Tat und, dass er eine zentrale Figur in der Gruppe gewesen sei, so der Richter. Für den Iren brachte er ins Spiel, dass er schon zu Prozessbeginn geständig war und sich vom Ehrenkodex der PIRA – über verübte Anschläge zu schweigen – lossagte. Den 1998 eingeleiteten Friedensprozess in Nordirland habe der Angeklagte unterstützt, so der Richter weiter.

Für die mehr als 20-jährige Verzögerung des Prozesses wurde dem Angeklagten ein Jahr als Kompensation angerechnet. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurde der Ire mehrere Male verhaftet. Zum ersten Mal fünf Monate nach dem Anschlag in Irland. Im Oktober 2004 erließ die Bundesanwaltschaft einen internationalen Haftbefehl. Doch erst elf Jahre später sei er in die englische Sprache übersetzt und den irischen Behörden übermittelt worden.

Der Mann wurde abermals kurz inhaftiert und wieder frei gelassen. Schließlich stellte er sich am 13. September 2016 freiwillig den Behörden am Flughafen in Dublin. Von dort wurde er nach Frankfurt gebracht, wo er von der deutschen Polizei verhaftet wurde. (dpa)