Umfrage

Jeder Vierte in Deutschland will im Hospiz sterben

Eine neue Umfrage zeigt: Die Einstellungen zum Lebensende haben sich bei den Deutschen in den letzten fünf Jahren deutlich gewandelt.

Einem Patienten wird in einem Hospiz in Offenburg die Hand gehalten.

Einem Patienten wird in einem Hospiz in Offenburg die Hand gehalten.

Foto: Ute Grabowsky/photothek.net / imago/photothek

Berlin.  Das eigene Bett, der gewohnte Blick aus dem Fenster und die vertrauten Menschen im Zimmer: Die meisten Deutschen wollen am liebsten zu Hause sterben. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Nur in einem von vier Fällen geht heute der Wunsch nach einem Lebensende im gewohnten Umfeld in Erfüllung. Die allermeisten Bundesbürger sterben in Kliniken und Pflegeheimen. Eine neue Umfrage belegt nun eine bemerkenswerte Trendwende bei den Wünschen: Die Zahl der Menschen, die zu Hause sterben wollen, ist in den letzten fünf Jahren um fast zehn Prozent auf 58 Prozent gesunken. Gleichzeitig stieg die Zahl der Deutschen, die ihr Lebensende gerne im Hospiz verbringen möchten. Seit 2012 wuchs die Zustimmung von 18 auf 27 Prozent.

Hospize sind für viele der Ausweg aus einem Dilemma: Die wenigsten Familien können allein die Versorgung eines todkranken Menschen im eigenen Schlafzimmer organisieren, Alleinstehende sind erst recht ratlos. Ein Tod auf der Intensivstation aber schreckt die meisten ab. Stationäre Hospize, ambulante Hospizdienste und Palliativstationen können die Lücke füllen – doch das Angebot deckt längst nicht den Bedarf.

Bundestag stärkte Hospiz- und Palliativversorgung

Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren hat die Forschungsgruppe Wahlen für den Deutschen Hospiz- und Palliativverband (DHPV) jetzt die Bundesbürger zu ihren Einstellungen zum Sterben befragt. An der repräsentativen Studie, die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde, nahmen mehr als 1000 Deutsche über 18 Jahren teil. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Haltung zu Lebensende und Tod seit 2012 zum Teil deutlich verändert hat.

Das liegt auch an der öffentlichen Sichtbarkeit des Themas: Vor zwei Jahren hatte der Bundestag intensiv über organisierte Sterbehilfe debattiert und sich schließlich mehrheitlich für ein strenges Verbot geschäftsmäßiger Hilfsangebote ausgesprochen. Gleichzeitig beschloss das Parlament die Stärkung der Hospiz- und Palliativversorgung. Sie ist jetzt nicht nur Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen, auch die Vorgaben für die ambulante Palliativversorgung wurden erleichtert.

Hospizdienste können Patienten jetzt nicht nur zu Hause, sondern auch in Pflegeheimen und Kliniken betreuen. Das ist wichtig, denn: Mehr als 80 Prozent der deutschen Krankenhäuser haben nach Angaben der deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin keine Palliativstation.

Immer mehr Bundesbürger haben Patientenverfügung

Die breite Debatte hat offenbar dazu geführt, dass die Deutschen heute viel offener und selbstbewusster mit heiklen Fragen um Tod und Sterben umgehen: Hatten 2012 gerade mal 26 Prozent der Bundesbürger eine Patientenverfügung verfasst, sind es mittlerweile 43 Prozent, weitere 32 Prozent machen sich Gedanken darüber.

Aber Experten sehen noch viele Wissenslücken: Nach Angaben des DHPV kennt immer noch rund ein Viertel der Bevölkerung den Begriff „palliativ“ gar nicht. Von den 71 Prozent, die den Begriff schon gehört haben, wissen die wenigsten, dass sich dahinter eine medizinisch-psychologische Betreuung verbirgt, die das Leid unheilbar Kranker so zu lindern versucht, dass das Lebensende nicht zur Qual wird. Dass die Angebote der ambulanten Hospizdienste und stationären Hospize in der Regel kostenfrei sind, wisse nicht einmal jeder Fünfte, mahnt der DPHV.