Unwetter

20 Meter: Sturmjäger beim Knipsen fast von Blitz erwischt

Blitze faszinieren viele Menschen. Zwei Wetterfreaks ist auf Fotojagd das Bild ihres Lebens gelungen. Es hätte ihr letztes sein können.

20 Meter vom Blitzeinschlag standen Wouter van Bernebeek und Tom Reubzaet, als dieses Foto entstand.

20 Meter vom Blitzeinschlag standen Wouter van Bernebeek und Tom Reubzaet, als dieses Foto entstand.

Foto: Wouter van Bernebeek

Limburg.  Ein starkes Gewitter, der Ort schien gut gewählt für Fotos: Hier würde der Hotspot liegen und es starke Bilder geben. Was die Sturmjäger Wouter van Bernebeek und Tom Reubzaet dann aber wirklich im Bild festhielten, war so nicht geplant. Fast hätte Tom Reubzaet unserer Redaktion nicht mehr erzählen können, wie es ist, wenn neben einem ein Blitz einschlägt.

Genau das passierte am Dienstag um 2:47:55 Uhr. „Wir wollten das Foto machen, das noch keiner gemacht hat“, sagt Reubzaet unserer Redaktion. „Das hat jetzt geklappt.“ Die beiden Niederländer waren in Erwartung des Unwetters aus ihrer Heimat angereist, hatten die Stelle bei Limburg an der Lahn mit Blick über das nahe Aartal ausgesucht und die Kameras schon anderthalb Stunden zuvor aufgestellt. Für Unwetterfotos reisen sie durch halb Europa und zeigen sie auf ihrer Facebookseite.

Vereinzelte Blitze sind unkalkulierbar und können auch noch weit entfernt von einem Gewitter niedergehen. Bevor die Gewitterfront direkt über ihnen war, wollten die beiden eigentlich eingepackt haben, berichtet Reubzaet. „Aber es ging dann wohl zwei, drei Minuten schneller als kalkuliert. Die Wolken haben sich mit bis zu 120 km/h bewegt, das Gewitter war früher über uns.“ Das sei der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.

Blitz wird bis zu 30.000 Grad heiß

Beide hörten plötzlich ganz kurz das typische Geräusch, wenn Strom überspringt – die Vorentladung. „Es ging rasend schnell, direkt danach gab es den wahnsinnigen Knall und es wurde irrsinnig hell.“ Wurde es auch wärmer? Ein Blitz wird schließlich bis zu 30.000 Grad Celsius heiß. Hat er vom elektromagnetischen Feld etwas gespürt?

Tom Reubzaet kann es nicht sagen, überwältigt von extremen Sinneseindrücken. „Ich war ganz steif vor Schreck.“ Und geblendet, noch eine Viertelstunde lang habe er nicht einwandfrei gesehen. Die Videokamera im Auto, vor dem sie gestanden hatten, fing den Moment auch ein. Hier ist er mit zehnfacher Verlangsamung zu sehen:

Wie nah der Blitz ihnen gekommen war, hätten sie zunächst nicht recht abschätzen können. Der Aha-Effekt kam dann, als sie sich die Bilder anschauten. „Sehr, sehr, sehr nah. Das waren maximal 20 Meter.“ Wouter van Bernebeek bekommt immer noch Gänsehaut, wenn er an den Augenblick denkt. „In so einem Moment lernst du die Gewalt der Natur kennen.“ So ein Foto wolle er nicht noch einmal machen.

Blitz schlägt nicht unbedingt in höchsten Punkt ein

Zum Glück für sie war der Einschlag einmal mehr der Beweis, dass ein Blitz sich nicht zwingend den höchsten Punkt aussucht. Die Entladung hatte sogar das Metall des Stativs verschmäht und war direkt neben dem asphaltierten Weg ins Erdreich eingeschlagen. „Wenn der Blitz ein bisschen näher gewesen wäre, gäbe es uns nicht mehr“, sagt Reubzaet. Keine drei Kilometer entfernt musste die Feuerwehr in dieser Nacht ausrücken, weil ein Blitz in ein Mehrfamilienhaus eingeschlagen war.

Wird ein Mensch direkt getroffen, steigt die Spannung im Körper auf mehrere 100.000 Volt an. Die Folgen können Herz- oder Atemstillstand sein. Wenn man sich nicht gerade mitten im heftigen Gewitter im Freien aufhält, ist die Wahrscheinlichkeit aber sehr gering, von einem Blitz getötet zu werden.

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Pro Jahr in Deutschland drei bis vier Blitztote

In Deutschland kommen nach Angaben des deutschen Wetterdienstes im Durchschnitt rund drei bis vier Menschen im Jahr durch Blitzeinschläge um Lebens. Durchschnittlich etwas mehr als 100 Menschen werden verletzt. Im Juni 2016 wurden durch einen Blitzeinschlag beim Festival „Rock am Ring“ alleine 71 Menschen verletzt. Zwei mussten reanimiert werden.

Zu gesundheitlichen Folgen kann es nämlich auch kommen, wenn der Blitz in der Nähe in die Erde einschlägt. Strom breitet sich dann bis zu 30 Meter um die Einschlagsstelle herum im Boden aus.

In Deutschland finden pro Jahr mehr als eine halbe Million Blitze den Weg zum Boden, bei einem einzelnen starken Gewitter können es mehr als 20.000 sein. Im Mittel hat ein Blitz eine Stärke von 15.000 bis 20.000 Ampere, sie können aber auch noch zehn Mal so stark sein. Zum Vergleich: Im Haushalt fließen in der Regel Ströme zwischen einigen Milliampere und 10 bis 15 Ampere, Hochspannungsleitungen führen einige hundert Ampere.

150 Antennen in Europa messen Felder von Blitzeinschlägen

Bei dem Großteil der Blitze kann die Stärke recht genau angegeben werden: BLIDs, der Blitz-Informationsdienst von Siemens, greift in Europa auf ein Netz von 150 Antennen zurück, die die elektromagnetischen Felder durch Blitzeinschläge registrieren. Diese Felder sind auch in vielen Kilometern Entfernung noch zu ermitteln. So wird jeder Blitz, der irgendwo in Deutschland einschlägt, von bis zu 30 Messantennen registriert.

Anhand der Daten mehrerer Messstellen kann die Software einen Einschlagsort auf bis zu 50 Meter genau bestimmen und auch verlässlich schätzen, wie stark ein Blitz war. Der Blitz, der den Sturmjägern so nahe gekommen ist, war demnach 20.000 Ampere stark.

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