• Die Unesco hat den Weltkulturerbe-Titel an mehrere deutsche Stätten vergeben
  • Es handelt sich unter anderem um Höhlen mit Eiszeitkunst in Baden-Württemberg
  • Dort wurde die älteste Figur eines Menschen gefunden, die man kennt

Die Unesco hat die Höhlen der ältesten Eiszeitkunst in Baden-Württemberg zum Weltkulturerbe ernannt. Das gab das Unesco-Komitee am Sonntag in Krakau bekannt. Laut Unesco zeugen die sechs Höhlen der Eiszeitkunst auf der Schwäbischen Alb von einer der frühesten figurativen Kunst weltweit und liefern wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung der Kunst.

Die Höhlen rund um Blaubeuren gelten als eines der wichtigsten Ausgrabungsgebiete für Archäologen. Unter anderem fanden Forscher dort die älteste bekannte Menschenfigur der Welt, die 40.000 Jahre alte „Venus vom Hohle Fels“.

Älteste Zeugnisse für eine bewusst gestaltete Kunst

Seit den 1860er Jahren gibt es in den Höhlen Ausgrabungen, sie brachten zahlreiche bis zu 43.000 Jahre alte figürliche Darstellungen zutage, darunter Mammuts, Höhlenlöwen, Pferde und Musikinstrumente, aber auch Frauenkörper und Darstellungen von Mischwesen aus Mensch und Tier.

Die Fundstücke gehören zu den ältesten Zeugnissen für eine bewusste künstlerische Betätigung des frühen Menschen. Die wichtigsten Funde aus dem Bereich der Schwäbischen Alb können in Museen in Ulm, Tübingen und Blaubeuren besichtigt werden. Das Welterbe-Komitee tagt bis zum 12. Juli in Südpolen.

Welterbe Bauhaus um Stätten in Dessau und Bernau erweitert

Das Welterbe Bauhaus erweiterte die Unesco um die Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau und die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes ADGB in Bernau. Bisher umfasste das Welterbe Bauhaus Ensembles und Denkmäler in Weimar und Dessau, die unter der Leitung des ersten Bauhaus-Direktors Walter Gropius gebaut wurden sowie den Gründungsort der Schule in Weimar. Die Architektur der neu aufgenommenen Stätten stammt von Hannes Meyer, der das Dessauer Bauhaus von 1928 bis 1930 leitete.

Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar gegründet. Die Architektur- und Designschule inspiriert bis heute weltweit mit ihren wegweisenden künstlerischen und sozialen Ideen. Laut Unesco macht die Erweiterung den Beitrag der Architekturabteilung der Schule zur schlichten Gestaltung, zum Funktionalismus und zu den gesellschaftlichen Idealen der Bauhaus-Bewegung sichtbar und trägt dessen wesentlicher Rolle in der Entwicklung der Architektur des 20. Jahrhunderts Rechnung.

Naumburg muss „Welterbe“-Antrag erneut überarbeiten

Zurück zur erneuten Überarbeitung gab die Unesco den Welterbe-Antrag zum Naumburger Dom und der hochmittelalterlichen Kulturlandschaft an Saale und Unstrut. „Der Antrag muss auf den Dom fokussiert werden, innerhalb von drei Jahren kann er ohne erneute Evaluierung dem Welterbekomitee zur Einschreibung in die Welterbeliste vorgelegt werden“, sagte die Leiterin der deutschen Delegation, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU), am Sonntag nach der Entscheidung in Krakau.

Damit scheiterte der deutsche Antrag aus Sachsen-Anhalt bereits zum zweiten Mal: Eine erste Bewerbung hatten die Welterbe-Experten 2015 für zu lang und zu wissenschaftlich befunden.

Böhmer zufolge wurde der Naumburger Antrag nun von der Unesco zurückgestellt. Der universelle Wert des Naumburger Doms sei anerkannt worden. Allerdings sei die weltweite Bedeutung der Kulturlandschaft nicht bestätigt worden.

An der nachgebesserten Fassung bemängelte die Unesco, sie habe den außergewöhnlichen universellen Wert der Stätte für die Menschheit nicht ausreichend hervorgebracht. Die Unesco-Delegierte sprachen sich zudem dafür aus, eine erneute Bewerbung allein auf den Naumburger Dom zu beschränken.

Der Naumburger Dom ist vor allem wegen zwölf Stifterfiguren bekannt. Dazu gehören Uta von Ballenstedt (vermutlich 1000 bis 1046) und Ekkehard II. (um 985 bis 1046), Markgraf von Meißen. Experten zählen den Dom zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern aus der Zeit des europäischen Hochmittelalters. (dpa/epd)