- Sechs Wochen Ferien bedeuten für Kinder absolute Unbeschwertheit, Toben, Schwimmbad
- Für die Eltern ist es jedoch ein organisatorischer Kraftakt und sie müssen eine Betreuung organisieren
- Verbringen sollten die Kinder die Ferienzeit aber nicht mit Lernen oder Hausaufgaben
Nina Massek (42) ist eine der Mütter, die es mit der vollen Härte trifft. Nach zwei Wochen Familienurlaub und einer Woche Kinder-Feriencamp ist sie drei Wochen mit ihren zwei schulpflichtigen Kindern allein zu Hause. Sebastian (10) und Constanze (6) wollen beschäftigt werden. Doch wie soll eine berufstätige Frau das organisieren? In der Regel gibt es im Sommer drei Wochen Urlaub. Doch Schulferien dauern sechs Wochen.
Nina Massek arbeitet als Autorin. Sie sieht wie viele Mütter und Väter den Sommerferien mit gemischten Gefühlen entgegen. Sechs Wochen frei, das bedeutet für die Kinder die absolute Unbeschwertheit, Toben im Garten, Schwimmbad – für die Eltern jedoch einen organisatorischen Kraftakt: glühende Telefonleitungen, Babysitter organisieren, andere Eltern bemühen, Verabredungen machen, die Großeltern um Hilfe bitten.
Ferienbetreuung ist nicht kostenlos
Am Ende schaffen es die Eltern zwar meistens, die vielen Wochen zu gestalten, doch ohne Stress geht es in den wenigsten Fällen ab.
Zwar ist es nicht so, dass Eltern komplett im Stich gelassen werden. Private Träger wie Kommunen bieten Feriencamps an, in denen Sport, Waldspaziergänge oder Kunstkurse belegt werden können. Doch kostenfrei sind die meisten nicht: Ein Camp kostet im Durchschnitt 150-200 Euro pro Woche. „So viel muss man bei vier zu überbrückenden Wochen auch erst einmal zusätzlich einnehmen“, sagt Nina Massek.
Tatsächlich geben Eltern laut einer jetzt erschienenen Studie des Unternehmens Groupon im Durchschnitt bis zu 257 Euro für die Aktivitäten ihrer Kinder in den Ferien aus. Dazu kommen zusätzliche Ausgaben von 156 Euro für Haushaltsbedarf, den Eltern obendrein noch benötigen, während ihre Kinder nicht in die Schule gehen. Für Extrakosten sorgen vor allem Bastelmaterialen, Spielzeug, Geld für Ausflüge.
Langeweile kann zu Konflikten in der Familie führen
Den meisten Eltern geht es allerdings weniger um Kosten als um möglichen Arbeits- und Verdienstausfall. Wie bei Martina Schwark (41). Die Heilpädagogin aus Hamburg-Altona hat zwei Söhne, Mio (9) und Joris (13), für die sie auch in der Ferienzeit eine Betreuung braucht. „Entweder ich lasse sie die Stunden, in denen ich in die Einrichtung muss, alleine. Dann plagt mich allerdings das schlechte Gewissen“, sagt die Mutter. Alternativ wechselt sie sich mit ihrer Schwester ab. „Aber es ist dann kein Erholungsprogramm mehr. Das Hin-und Hergeschiebe ist einfach nervig.“
Der größte Konfliktherd zwischen Eltern und Kindern in den Ferien ist eindeutig die Langeweile. Die setzt laut Studien beim Nachwuchs meist nach dem Mittagessen ein. Einzig sinnvoll ist es dann, Kindern Aufgaben und Verantwortung zu geben, so Experten. Mit dem Rad zum Supermarkt fahren, das Abendessen planen und kochen, sich mit Freunden treffen. Letzteres empfiehlt auch der Erziehungswissenschaftler Jörg Siewert, der an der Universität Siegen in NRW zum Thema Ferien forscht. „Aus rein pädagogischer Sicht ist es für Kinder das Beste, in der Ferienzeit mit anderen Kindern zusammengeführt zu werden.“
Experte: Kinder sollen in den Ferien nicht pauken
Mathetextaufgaben lösen, Vokabeln lernen oder Schönschrift üben hält Forscher Jörg Siewert während der sechs Wochen Ferien dagegen nur bei wenigen Kindern für vernünftig. „Kinder brauchen eindeutig diese Pause, um das Schuljahr sacken zu lassen. Und das ist für den Kompetenzzuwachs nicht einmal von Nachteil: Innerhalb seiner Studie, die er mit Kollegen der Universität Siegen durchführte, fand er heraus, dass der Wissensstand von Schulkindern innerhalb der langen Schulferien nicht schrumpft, sondern auf demselben Niveau bleibt, unabhängig vom Bildungsgrad der Eltern.
Nachhilfe oder Lernlücken in den Ferien aufzufüllen, ist für den Erziehungswissenschaftler eher sinnlos. „Wenn das Kind dann auch noch keine Lust dazu hat, ist das zweifelsfrei kontraproduktiv“, sagt Jörg Siewert. Er lasse seine zwei Söhne in den Sommerferien komplett mit Schulthemen in Ruhe. „Die sollen in dieser Zeit raus, andere Erfahrungen machen.“


