Literatur

Was wir von Französinnen über die Liebe lernen können

Ein neues Buch der französischen Autorin Florence Besson erklärt, wie man die schönste Sache der Welt leicht wie eine Pariserin nimmt.

Liebe kann so einfach sein – doch meistens ist sie es eben doch nicht. Das Buch „Amour toujours – Was wir von Französinnen über die Liebe lernen können“ verrät 100 Tricks für eine gelungene Partnerschaft.

Liebe kann so einfach sein – doch meistens ist sie es eben doch nicht. Das Buch „Amour toujours – Was wir von Französinnen über die Liebe lernen können“ verrät 100 Tricks für eine gelungene Partnerschaft.

Foto: Katja Hentschel

Berlin.  Die Liebe soll leicht und sexy sein, obwohl man vier Kinder hat und jeden Tag Einkauftüten schleppt? Der Mann, den man gerade kennenlernt hat, ist rasend schön. Doch das Einzige, was er auf die Reihe kriegt, ist wie im Song von France Galle stehend Klavier zu spielen? Ein Problem? Nein, kein Problem. Nur wie die Liebe eben so spielt – und die soll beim ersten Date und nach 20 Jahren Ehe wattig sein und wie ein Himbeerbaiser.

So wie Französinnen eben die Welt sehen – oder beinahe. Nachdem Caroline de Maigret, die Pariser Mode-Ikone, im vergangenen Jahr auch das letzte Geheimnis über den Pariser Nonchalance-Stil inklusive Smokinghemd und Blaser lüftete, die US-Autorin Pamela Druckerman („Bringing up Bébé“) der Welt erklärte, warum die Französinnen entspanntere Mütter sind, haben sich drei Autorinnen nun mit den Wegen der Liebe beschäftigt.

Die immer perfekte Pariserin

„Wenn er zu Besuch kommt, kaufen Sie beim Feinschmeckerladen Fertigsalate ein, oder müssen wir Sie wirklich daran erinnern, dass er nicht zum Essen kommt?“ Touché. Und das ist nur einer von Hunderten Tipps, die die Pariser „Elle“-Redakteurin Florence Besson (40) mit ihren Co-Autorinnen Eva Amor und Claire Steinlen in ihrem Buch „Amour toujours – Was wir von Französinnen über die Liebe lernen können“ (Ullstein, 192 Seiten) in die Welt hinaus schreibt – um auch ja einen der größten gesellschaftlichen Mythen wie ein kulturelles Erbe weiterzutragen: den der immer perfekten Pariserin.

„Durch die klassischen Autoren wie Zola und Dumas oder die Filme von Truffaut hat sich das Klischee der Pariserin, die immer unbefangen und gleichzeitig tiefgründig, aber in jedem Fall gut angezogen und unabhängig ist, gebildet“, sagt Besson dieser Zeitung. „Ich finde, es hat etwas Französiches, die Liebe nicht immer so ernst zu nehmen wie einen Roman von Victor Hugo.“ Man habe schon genug mit Liebeskummer und Streit zu tun.

Ende zählt für die Pariserinnen die Lockerheit

Die Gabe der Französinnen, glaubt Besson, ist es, nicht sein ganzes Leben auf eine Beziehung auszurichten und zu wissen, wie man sich selbst schätzt. Oder wie es Voltaire ausdrückte: Man bestellt immer drei Gärten – den eigenen, seinen, sowie das gemeinsame Stück Land. Das einzige Geheimnis über die Liebe ist das allerdings mitnichten, kann man doch in der Phase des Kennenlernens laut den drei Autorinnen so viel falsch machen.

Deshalb auch hier klare Regeln: „Nie aus dem Haus gehen, ohne perfekt angezogen zu sein – es könnte der Tag sein, an dem Sie der großen Liebe begegnen“, sagte bereits Coco Chanel. SMS kommen ohne Sonderzeichen oder Smileys aus, und morgens schickt man ihn Croissants holen, um fünf Minuten Ruhe zu haben.

Mit dem Partner über alles reden müssen

Ist man einmal mit ihm verheiratet, schwört man darauf, ein außergewöhnliches Paar zu sein wie Serge Gainsbourg und Brigitte Bardot, macht sich weiterhin teure Geschenke, geht tanzen und schafft es sogar am Morgen wenigstens kurz miteinander zu lachen. „Ein großes Klischee ist es auch, mit seinem Partner über alles reden zu müssen. Aber wir halten das für Quatsch“, erklärt Besson.

„Ihrem Bankberater gegenüber können Sie völlig offen sein, wenn es unbedingt sein muss. Ihm ersparen wir unsere ständig wechselnden Gemütszustände.“ Ständig aufreiben, um dem anderen zu gefallen, müsse man sich ebenso nicht. „Wenn Sie gut zusammen schweigen können, einfach nur nebeneinandersitzen wie zwei Kinder mit ihrem jeweiligen Lieblingsspielzeug, dann sieht es gut aus für die Liebe, so seltsam das klingen mag“, schreibt Besson.

Die Liebe ist wie eine Apfeltasche

Am Ende, so bilanzieren die drei Französinnen, sei die Liebe eben wie eine Apfeltasche. Nicht die Anzahl der Äpfel, die Menge an Mehl oder der Zucker machen eine gute Apfeltasche aus, sondern nur der Geschmack. Florence Besson, die „viele lustige Liebesgeschichten“ erlebte, bevor sie ihren Freund kennenlernte, mahnt mit der Apfeltaschengeschichte zur Lockerheit.

„Es ist nicht schlimm, am ersten Abend, seine ganze Kindheitsgeschichte zu erzählen, wenn man den Typen anruft, der nie zurückruft, oder man in zueinander passenden Jogginghosen ins Einkaufszentrum shoppen geht statt joggen.“ Hauptsache, findet Besson, man nimmt das Thema Liebe nicht so ernst. Bitte.