Digitalisierung

Jan Böhmermann fordert von ARD und ZDF mehr Mut zu Neuem

Kein Mut, wenig Experimente: Satiriker Jan Böhmermann kritisiert die Sender für ihren Umgang mit dem Digitalen. Andere seien weiter.

ZDF-Moderator und Satiriker Jan Böhmermann sieht beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu wenig Bereitschaft für Neues.

ZDF-Moderator und Satiriker Jan Böhmermann sieht beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu wenig Bereitschaft für Neues.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Köln.  Der Satiriker Jan Böhmermann hat den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu mehr Transparenz und Bereitschaft für Neues aufgefordert. „Technisch und kulturell haben die Sender eine Lücke von 20 Jahren zu überbrücken, in der sie sich wenig um technische Entwicklungen gekümmert haben“, sagte Böhmermann am Montag bei einer Tagung des Grimme-Forschungskollegs in Köln.

„Die Bereitschaft, Neues zuzulassen und auch mal zu scheitern, geht gegen Null.“ Um im digitalen Zeitalter ihre Position zu behaupten, müssten die Sender erst noch lernen, mit Kritik und Zuschauerreaktionen umzugehen.

Sorge um öffentlich-rechtliches System

Böhmermann zeigte sich besorgt, dass das öffentlich-rechtliche System angesichts der digitalen Transformation abgehängt werden könnte. „Die fehlende Bereitschaft macht mich nervös“, sagte er bei der Tagung unter dem Titel „Mehr – Medien: Programm 2020“. „Ich finde es bedenklich, dass die Neue Rechte die sozialen Medien viel schneller verstanden hat als die Leute, die geradeaus denken können. Diese Leute sind alle längst da, wo die öffentlich-rechtlichen Sender leider noch nicht sind.“

Er schätze sich indes glücklich, in der Affäre um sein Schmähgedicht über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan die juristische Unterstützung des ZDF hinter sich zu haben, betonte der Moderator des „Neo Magazins Royale“.

Jugendangebot „Funk“ seit 1. Oktober

„Das hat meine Crew und mich in den vergangenen Monaten bei der Stange gehalten“, sagte Böhmermann. „Der Sender und ich brauchen einander, aber es nicht einfach, diese beiden Welten zusammenzuführen.“

Sophie Burkhardt, stellvertretende Programmgeschäftsführerin des neuen öffentlich-rechtlichen Jugendangebots „Funk“, betonte die Bedeutung der Diskursfunktion moderner Medien. Zu jedem der rund 40 neuen „Funk“-Formate gehöre es, nach bestem Wissen Position zu beziehen und „einen Diskursraum aufzumachen“. „Es geht nicht darum, dass ein Redakteur wie Gott sagt, das ist richtig, und das ist falsch“, sagte sie. „Kein Beitrag steht im luftleeren Raum.“

Festakt des Grimme-Forschungskollegs

Das am 1. Oktober gestartete Jugendangebot stehe nun vor der Herausforderung, Reichweite zu erzielen, sagte Burkhardt. Derzeit würden etwa 30 neue Formate entwickelt. Welche davon ein Erfolg sein würden, sei völlig offen. „Es wäre ja ein Zauberkunststück gewesen, wenn wir innerhalb von einem Monat schon unsere Zielgruppe von mehr als 14 Millionen Menschen erreicht hätten“, erklärte sie. „Unser Ziel ist erreicht, wenn die Zielgruppe die Formate kennt, mag und diese Teil ihres Lebens sind.“

Die Tagung schloss sich an einen Festakt zur offiziellen Gründung des Grimme-Forschungskollegs an. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderen der stellvertretende ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor, der ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler und die Chefredakteurin der „Frankfurter Rundschau“, Bascha Mika. Das Grimme-Institut und die Universität Köln hatten das „Grimme Forschungskolleg – Medien und Gesellschaft im digitalen Zeitalter“ Ende 2014 gegründet. (epd)