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Warum wir Justin Bieber so schnell nicht wieder loswerden

| Lesedauer: 6 Minuten
Christine Holthoff
Justin Bieber hat seine „Purpose World Tour 2016“ am Mittwoch in Berlin gestartet. Das Archivbild zeigt einen Auftritt in Oslo im Oktober 2015.

Justin Bieber hat seine „Purpose World Tour 2016“ am Mittwoch in Berlin gestartet. Das Archivbild zeigt einen Auftritt in Oslo im Oktober 2015.

Foto: Heiko Junge / dpa

Fast war er weg vom Fenster: zu viele Skandale, zu wenig Musik. Doch Justin Bieber ist zurück. Und könnte größer werden als je zuvor.

Berlin.  Es geschieht schon beim zweiten Song. Keine Ahnung, was das überhaupt für ein Lied ist, das der blonde Junge in der Berliner Arena da singt, aber es wirkt. Über die Ohren gelangt es in den Kopf, der schon leicht zu nicken beginnt, wabert von dort weiter durch den Körper, fließt bis in Fuß- und Fingerspitzen. Tanzen also? Echt jetzt?

Das muss dieses Bieber-Fieber sein, von dem immer alle reden. Dabei schien es zuletzt gar nicht mehr so ansteckend zu sein. Denn den einstigen Teenie-Posterboy Justin Bieber schien das gleiche Schicksal zu ereilen wie so viele junge Stars vor ihm: zu viel Ruhm, zu viel Aufmerksamkeit, zu viel betrunken Ferrari fahren, illegal Affen nach Deutschland schleusen und des Nachbarn Haus mit Eiern bewerfen. Was man halt so macht, wenn man berühmt, reich und heranwachsend ist.

Er ist zurück

Doch der in Ungnade Gefallene ist zurück. Hat sich einmal geschüttelt, demütig die Runde durch die US-Talkshows gedreht, Besserung gelobt und es tatsächlich geschafft, den Fokus zurück auf die Musik zu richten. Am Mittwoch startete er seine Deutschlandtour mit dem neuen Album „Purpose“ in Berlin. Und nach den zwei Konzertstunden war klar: So schnell werden wir Biebs nicht los. Aus zehn guten Gründen.

1. Die nackten Zahlen

Acht Weltrekorde hat der Kanadier in diesem Jahr aufgestellt, darunter den meistgestreamten Track auf Spotify in einer Woche (30,7 Millionen Mal), das meistgestreamte Album in einer Woche („Purpose“, 205 Millionen Mal), 17 Lieder gleichzeitig in den US-Singlecharts, den meistgesehenen Youtube-Kanal eines Solomusikers (10 Millionen) und die meisten Follower auf Twitter für einen männlichen Musiker (87,8 Millionen). Da kann man schon mal den Biebxit machen und weitere 78 Millionen Follower auf Instagram in die Tonne hauen.

2. Er bringt Familien zusammen

Wo kommt es denn heutzutage noch vor, dass Kinder mit ihren Eltern etwas gemeinsam unternehmen? Eben. Da kommen die Jugendschutzvorschriften gerade recht. Denn damit auch die Kleinsten den Justin feiern können, müssen Mami und Papi halt mit. Die gequälten Blicke vor allem bei Letzteren waren sicher nur ein Versehen.

3. Die Belieber

Früher brauchte es Musik, um Fans zu gewinnen. Heute kriegt man die Fanbase im Netz auch ohne groß künstlerisch aktiv zu werden. Wer sie hat, generiert mit ihrer Hilfe aber erste oder weitere Erfolge. Justin Biebers Jünger sind ihm treu ergeben. Er ist ihr Sinnbild für einen Traum, der wahr geworden ist. Sie verteidigen ihn gegen all die Hater da draußen, er schenkt ihnen im Gegenzug echte Liebe. In Form von Herz-Emojis auf Twitter.

4. Seine Botschaft

Doch das ist längst nicht alles, was Justin gibt. Er, der weise 22-jährige Mann, hat schon viel vom Leben gelernt und teilte seine Erkenntnisse auch am Mittwoch in Berlin gerne mit dem Publikum: „Heute ist ein besonderer Tag. Wollt ihr wissen, warum? Weil jeder Tag ein besonderer Tag ist.“ Hach. Ähnlich philosophisch sind ja auch seine Songtexte: „And I was like Baby, baby, baby ooh, Like baby, baby, baby noo.“

5. Er kann einfach alles

Singen, tanzen - das ist Standard. Aber Justin kann noch so viel mehr. Gitarre spielen zum Beispiel. Mit schmachtendem Blick. In Joggingbuxe. Welches pubertierende Mädchen würde da nicht schwach werden?

6. He’s got the look

Früher süßer Fratz mit Bubi-Tolle, heute Calvin-Klein-Unterwäschemodell. Da kann man schon mal diverse Male sein Sixpack zeigen, indem man sich lässig mit seinem Shirt den nicht vorhandenen Schweiß von der Stirn wischt. Kreisch!

7. He’s got the moves

Und wenn man das Ganze noch in eine zeitlupig-laszive Bewegung packt, ist die nächste Ohnmacht nicht mehr weit. Doppel-Kreisch! Dazu noch ein beherzter Griff in den Schritt als Reminiszenz an den King of Pop. Bläst da jemand zum Angriff auf den nicht mehr besetzten Thron?

8. Weil Lou Pearlman immer recht hat

Der inzwischen verstorbene Backstreet-Boys-Erfinder sagte einst: „Solange es Mädchen gibt, wird es Boygroups geben.“ Oder einen Einzelnen, der weiß, mit welcher Boyband-Geste er die Herzen gewinnt. Schön mit dem Finger auf ein ganz bestimmtes Mädel zeigen. Ja, genau dich meine ich. Und dich. Und dich. Und ...

9. Einer muss den Job ja machen

Schon mal aufgefallen, wie frauenlastig eigentlich das Pop-Biz ist? Rihanna, Adele, Beyoncé, Taylor Swift, Katy Perry, Pink. Die Männer machen sich eher als DJs einen Namen oder als Teil eines größeren Ganzen. Solange dieser andere Justin nicht aus der Babypause zurückkehrt, muss Biebs wohl die Stellung halten.

10. Die Musik

Klingt verrückt, schon klar. Aber keine noch so ausgeklügelten Marketing-Machenschaften alleine können einen Erfolg wie diesen so lange aufrechterhalten. Das neue Album zwischen Dance-Pop und R’nB’ hat einen Nerv getroffen. Ihren Teil dazu bei tragen sicher die Kollaborationen etwa mit dem Top-DJ-Duo Diplo und Skrillex, Nas und Songschreiber Jason Boyd, der schon Usher mit Hits versorgte. Selbst von Kritikern gab es viel Lob für „Purpose“. Da darf man schon mal tanzen.

Justin Bieber tritt am Sonntag, 18. Dezember in der Lanxess Arena in Köln auf. Am 14. November kommt er in die Barclaycard Arena nach Hamburg.

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