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Einladung zur Modenschau – So freut sich Säureopfer Reshma

Das Gesicht der Inderin Reshma wurde bei einem Säureangriff versehrt. Als Model auf der New York Fashion Week ist sie dennoch perfekt.

Reshma Quereshi (19) gibt als Kampagnen-Gesicht der indischen Hilfsorganisation „Make Love Not Scars“ anderen Säureopfern Mut. Im September darf sie an der New York Fashion Week teilnehmen.

Reshma Quereshi (19) gibt als Kampagnen-Gesicht der indischen Hilfsorganisation „Make Love Not Scars“ anderen Säureopfern Mut. Im September darf sie an der New York Fashion Week teilnehmen.

Foto: Sandesh Parulkar / Make Love Not Scars

Berlin.  Wie perfekt kann ein Gesicht sein, das für immer entstellt ist? Das von Narben übersät ist, von Säure zerfressen. Das zahlreiche Operationen hat über sich ergehen lassen, um den Schmerz ein wenig zu lindern – zumindest den physischen Schmerz. Das Gesicht der 19-jährigen Inderin Reshma Quereshi ist schwer gezeichnet, seit ihr Schwager sie im Mai 2014 mit Säure angegriffen hat. Und dennoch: Reshma ist so perfekt, dass sie im September auf der New York Fashion Week über den Laufsteg schreiten wird.

Reshma ist das Kampagnen-Gesicht der indischen Hilfsorganisation für Säureopfer „Make Love Not Scars“ (MLNS) – auf Deutsch etwa „Lebt die Liebe, verursacht keine Narben“. International Aufmerksamkeit erlangte sie 2015, als sie auf YouTube in verschiedenen Kampagnen-Videos jungen Frauen vermeintliche Schminktipps gab. Mit der Kampagne will MLNS den offenen Zugang zu gefährlichen Substanzen wie Batteriesäure einschränken. Unter dem Hashtag #EndAcidSale (Stoppt den Verkauf von Säure) verbreitete sich die Botschaft im Internet.

Reshma vergießt ein paar Tränen – aus Freude

Nun hat MLNS ein neues Video online gestellt. Es zeigt die rührende Reaktion Reshmas, als sie erfährt, dass sie als Model bei der New York Fashion Week 2016 auftreten wird. Reshma habe Indien noch nie verlassen, erfährt der Zuschauer zu Beginn des Videos.

In dem Video sitzt die 19-Jährige an einem Tisch. Eine andere Frau zeigt ihr am Laptop ein Foto der New Yorker Skyline. „Reshma, erkennst du diesen Ort?“, fragt sie. Die junge Frau überlegt, schüttelt leicht den Kopf. „Ist das Dubai?“, fragt sie schüchtern. Noch einmal darf sie raten. „Amerika“, ist ihre Antwort. Sie lächelt. Noch immer weiß sie nicht, was sie erwartet. „Eine große Modenschau findet in New York statt – und im September wirst du über den Laufsteg dieser Fashion-Show schreiten.“ Reshma bleibt ganz still, fängt nur ganz leicht an zu lächeln. Dann versteckt sie ihr Gesicht hinter ihren Händen. Die Freudentränen kullern über ihre Wangen.

Modefirma lädt Reshma nach New York ein

Zur New York Fashion Week eingeladen wurde Reshma von der Produktionsfirma FTL Moda. Das Unternehmen produziert große Modeschauen unter anderem für die New York Fashion Week. Zu den Kunden gehören Designer wie Giorgio Armani, Gucci oder Versace. Die Modefirma ist Mitbegründer der Bewegung #TakeBeautyBack (Schönheit zurückgeben). Mit der Kampagne will das Unternehmen Überlebende von Säureangriffen unterstützen. Deshalb hat sie den Kontakt zu MLNS aufgenommen und Reshma in die Modemetropole New York eingeladen. „Wir wollen diesen erstaunlichen Frauen, die still ihr Leid ertragen, sich versteckt und zu häufig Stillschweigen über die grausamen Angriffe bewahrt haben, eine Stimme geben“, sagt Ilaria Niccolini, Produzentin bei FTL Moda.

Für Reshma und die Organisation „Make Love Not Scars“ ist die Einladung nach New York eine große Auszeichnung. „Models, die auf der New York Fashion Week laufen, sind perfekt in jeder Hinsicht“, sagt MLNS-Gründerin Ria Sharma. „Die Tatsache, dass Reshma sich in diesem Jahr in diese Liga einreihen wird, wird dazu beitragen, dass die Gesellschaft ihre Idee des Perfektseins überdenkt.“

Einmal mehr wird Reshma anderen Säureopfern Mut geben. Als Model in New York gibt sie versehrten Frauen ein Gesicht. Das macht sie: perfekt.