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Günther Jauch, der Herr der Fragen, feiert 60. Geburtstag

Einige Deutsche halten Günther Jauch für glaubwürdiger als den Papst. Während ein Papst im Ruhestand ist, denkt Jauch noch nicht daran.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Köln.  An diesem Mittwoch hat er Geburtstag, wird 60 Jahre alt. Gut 40 davon war er zu Gast in deutschen Wohnzimmern, erst kurz im Radio, dann lange im Fernsehen. Jeder erkennt ihn, kaum einer aber kennt ihn. Denn Günther Jauch ist jemand, der über alles gerne redet, nur nicht über sich selbst. Geschadet hat ihm das nie Im Gegenteil: Schon vor einigen Jahren ist er zum beliebtesten Deutschen gewählt worden. Und wenn mal wieder irgendjemand den besten Showmaster des Landes sucht, ist Jauch ein wenig so wie der FC Bayern. Immer auf Platz eins.

Zu erwarten ist das alles nicht, als der junge Jauch sich in den 1970er Jahren beim Bayerischen Rundfunk bewirbt. Sport und Aktuelles moderiert er die ersten Jahre, Mitte der 80er trifft er im Sender einen Mann namens Thomas Gottschalk, Die beiden machen zusammen eine Sendung. „Thomas gab den Witzknödel und ich den wahnsinnigen Informationsvermittler“ hat er sich später erinnert. So fängt es an, so wird es bleiben in all den Jahren, in denen die Wege der beiden sich immer wieder kreuzen und aus Kollegen bald Freunde werden.

Jauch erreicht in guten Wochen 30 Millionen Zuschauer

Ende der 1980er ruft das Fernsehen. Es beginnt mit dem „Rätselflug“ und wird mit seiner jüngsten Show „500 – Die Quizarena“ wohl noch lange nicht enden. Dazwischen liegt zu viel, um es aufzuführen. Auch weil es Jauch seit Jahrzehnten gelingt, für öffentlich-rechtliche wie private Sender gleichzeitig zu arbeiten. In guten Wochen erreicht er teilweise 30 Millionen Zuschauer. Er moderiert das Sportstudio im ZDF, die Champions-League und „Stern TV“ bei RTL. Er bittet sonntags zum politischen Talk in die ARD und fragt keine 24 Stunden später wieder bei RTL „Wer wird Millionär?“. Das Quiz ist für ihn, was „Wetten,dass..?“ für Gottschalk war. Eine perfekt auf den Moderator zugeschnittene Show.

Es gibt andere im politischen deutschen Fernsehen, die fragen kritischer als der geborene Münsteraner. Aber es gibt keinen, der amüsanter fragt. Am besten aber ist Jauch, wenn Spontaneität gefragt – sei es, weil beim Ski-Springen das Wetter schlecht ist oder im Stadion von Madrid schon vor Anpfiff ein Tor umfällt. Kaum einer liebt das Unvorhergesehen so wie er. Außer Thomas Gottschalk vielleicht.

Aber wo Gottschalk laut lacht, lächelt Jauch. Wo der Kumpel nach vorne drängt, hält er sich im Hintergrund – dezent und so uneitel, dass es fast schon wie eine Masche wirkt. Und während Duzmaschine Gottschalk für die meisten Menschen der „Thommy“ ist, sagt niemand „Günni“, sondern stets „Herr Jauch“. Er siezt schließlich auch alle vor der Kamera – „außer Thomas Gottschalk und kleine Kinder“.

Für viele Zuschauer ist er vertrauenswürdiger als der Papst

Viele Zuschauer schätzen Jauch als den Mann, der ihnen die Welt erklärt. Bei einer Umfrage der Zeitschrift „Für Sie“ gab ein Drittel der Frauen und immerhin noch ein Fünftel der Männer an, sie hätten am liebsten den TV-Moderator dabei, wenn sie mal auf einer einsamen Insel stranden würden und nicht weiter wüssten. Und in einer anderen Umfrage schenkten sie ihm mehr Vertrauen als dem Papst.

Finanziell hat Jauch wohl längst ausgesorgt. Zumal er schon im Jahr 2000 die TV-Produktionsgesellschaft i&u TV gegründet hat, die mit ihren Shows zeitweise ganze Abende bei RTL oder ARD gestaltet. Und ein Weingut hat er seit einigen Jahren auch. „Sorgen Sie sich nicht“, antwortet er, wenn Journalisten ihn nach seinen finanziellen Verhältnissen fragt.

Er müsste also nicht mehr vor die Kamera. Wie lange er es trotzdem noch macht, ist unklar. In einem Interview im Frühjahr hat er gesagt: „Ich gehöre mit Sicherheit nicht zu denjenigen, die man irgendwann mit Gewalt aus dem TV-Studio heraustragen muss.“ Ein baldiger Abschied aber ist wohl nicht zu befürchten. Das Fernsehen sei keiner dieser „Knochenjobs“, wo man mit 60 an den Ruhestand denke. Außerdem sei ja die Rente erst mit 67 Jahren im Gespräch. „Insofern“, so Jauch, „bleibt mir noch Zeit.“