Armutsmigration

Berliner "strassenfeger" fürchtet wegen Betrugs das Aus

Der Berliner „strassenfeger“ sieht sich in seiner Existenz bedroht. Der Grund sind Betrügereien durch nicht autorisierte Verkäufer.

In Berlin verkauft ein Mann die Straßenzeitung „strassenfeger“. Nicht jeder Verkäufer ist dem Verein „mob e.V. - strassenfeger“ auch als Mitglied bekannt.

In Berlin verkauft ein Mann die Straßenzeitung „strassenfeger“. Nicht jeder Verkäufer ist dem Verein „mob e.V. - strassenfeger“ auch als Mitglied bekannt.

Foto: imago stock&people

Berlin.  Sie stehen vor Supermärkten, an Straßenecken oder machen ihre freundlichen Ansagen in der U-Bahn: Die Verkäufer der Obdachlosenzeitungen gehören vielerorts zum Stadtbild. Die Berliner Obdachlosenzeitung „strassenfeger“ hat sich nun zum ersten Mal zu der wachsenden Anzahl von Betrügern in ihren Reihen geäußert, die zunehmend ihre Existenz bedroht.

Schuld sei die wachsende Armutsmigration, vor allem aus Südosteuropa, sagte Vorstand Mara Fischer vom Verein „mob e.V. - strassenfeger“ dem Evangelischen Pressedienst (epd). So würden immer häufiger nicht autorisierte „Verkäufer“ mit der Zeitung aggressiv betteln oder auch stehlen. Das führe zu einer großen Zahl von Beschwerden über das vermeintliche Geschäftsgebaren des „strassenfegers“ und gefährde das Geschäftsmodell.

Problematisch sind Bettler ohne Mitgliedsausweis

Fischer bestätigte einen Bericht der „Bild“-Zeitung, die zuerst über das Phänomen berichtet hatte. Offenbar besteht das Problem bundesweit. Auch die Hamburger Obdachlosenzeitung „Hinz & Kunzt“ und Obdachlosenzeitungen aus Köln klagten über die gleiche Entwicklung.

Die „strassenfeger“-Verkäufer würden einen Ausweis erhalten und eine Selbstverpflichtung mit klaren Regeln unterschreiben. Darin sei festgelegt, dass die Zeitung nicht an Menschen ohne Ausweis zum Vertrieb weitergegeben werden darf. Vom Verkaufspreis gingen 90 Cent an den Verkäufer und 60 Cent an den Verein, der damit unter anderem Druck, Zeilenhonorar für Autoren und Bildhonorare bezahle, sagte Fischer.

Immer häufiger komme es aber vor, dass vermeintliche Verkäufer mit nur einem Exemplar aggressiv bettelten oder auch Diebstähle begingen. Oftmals würden auch Kinder mit einem Exemplar zum Betteln geschickt. Fischer berichtete von täglich 10 bis 15 Beschwerden. Das sei inzwischen existenzgefährdend für die Obdachlosenzeitung. Der Verein stehe inzwischen auch mit der Berliner Polizei in Kontakt, um die Betrügereien zu unterbinden.

Der „strassenfeger“ hat in Berlin und Brandenburg eine Auflage von etwa 10.000 Exemplaren. (epd/dpa/aba)

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