Gericht

Lionel Messi geht gegen Urteil wegen Steuerbetrug vor

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Ralph Schulze
Lionel Messi (l.) und sein Vater und Manager Jorge Horacio Messi (r.) vor dem Gericht in Barcelona.

Lionel Messi (l.) und sein Vater und Manager Jorge Horacio Messi (r.) vor dem Gericht in Barcelona.

Foto: Alberto Estevez / Pool / dpa

Wie der Vater so der Sohn: Ein Gericht hat Messi und seinen Vater zu 21 Monaten Haft verurteilt. Die haben bereits Berufung eingelegt.

Madrid.  Kein Pardon für Lionel Messi. Auch alle Dribblings des Stürmerstars vor dem Landgericht in Barcelona halfen nichts. Die drei Richter verurteilten den Weltfußballer vom FC Barcelona zu 21 Monaten Gefängnis wegen millionenschweren Steuerbetrugs. Messis Vater und Manager Jorge Horacio Messi wurde zur gleichen Strafe verdonnert.

Damit machte das spanische Tribunal klar, dass auch populäre Spitzensportler nicht auf Nachsicht zählen können, wenn sie sich vor dem Steuerzahlen drücken und damit die Allgemeinheit schädigen. In Spanien, wo Steuerbetrug und Schwarzarbeit in der Bevölkerung weit verbreitet sind, setzen die Richter damit ein wichtiges Zeichen.

Sohn und Vater legen Berufung ein

Am Mittwochabend legten Vater und Sohn Berufung gegen das Urteil ein. In einem Kommuniqué an verschiedene spanische Medien bezeichneten ihre Anwälte das Urteil des Landgerichts in Barcelona am Mittwoch als „nicht korrekt“. Man werde deshalb vor dem Obersten Gericht Spaniens Berufung einlegen und sei zuversichtlich, dass es für beide Mandanten am Ende einen Freispruch geben werde.

Die Anwälte Enrique Bacigalupo und Javier Sánchez-Vera betonten, Messi habe dem Fiskus alle geforderten Beträge zurückgezahlt. Deshalb sei die „Hartnäckigkeit“ des Finanzamtes, die Anklage gegen den Spieler und dessen Vater aufrechtzuerhalten, „überhaupt nicht zu verstehen“. Die Messis seien „beispielhafte Bürger“. Lionel Messi beweise das als öffentliche Person ständig, „sowohl auf den Fußballplätzen wie auch außerhalb der Stadien“, hieß es.

Ins Gefängnis werden die Messis voraussichtlich nicht müssen. Haftstrafen bis zu 24 Monaten werden üblicherweise im spanischen Königreich zur Bewährung ausgesetzt, soweit sich die Verurteilten zuvor nichts zu Schulden kommen ließen. Messi junior und senior können also darauf hoffen, mit einem blauen Auge davonzukommen.

Das letzte Wort ist aber offenbar noch nicht gesprochen. Sohn und Vater Messi wollen wohl Berufung gegen die Verurteilung einlegen. Dann dürfte sich der Rechtsstreit noch etwas länger hinziehen.

Fußballer mit Vorbildfunktion

Die Justiz mit Widersprüchen zu bombardieren ist in Spanien, wo die Gerichte heillos überlastet und extrem langsam sind, ein oftmals erfolgreiches Mittel, um sich vor einer Strafe zu drücken. Nicht selten geht die Rechnung auf und die Sünder kommen nach jahrelangem Rechtsstreit tatsächlich ungeschoren davon.

Doch immerhin machte das Landgericht im erstinstanzlichen Urteil klar, dass es den Unschuldsbeteuerungen Messis keinen Glauben schenkte. Dies dürfte den globalen Ruhm des argentinischen Dribbelkönigs mit spanischem Pass trüben. Superstars vom Schlage Messis, die von Millionen Fans angehimmelt werden, haben eine Vorbildrolle – doch beispielhaft waren die Steuertricks keineswegs.

Gerade wegen Messis Stellung als Sportidol müsse die Strafe auch exemplarisch sein, sagten die Richter. Und zwar, „um nicht die Botschaft an die Bürger zu schicken, dass es zu bevorzugen ist, wegzuschauen, statt sich um etwas zu kümmern“.

Messi gab sich unwissend

Leo Messi hatte vor Gericht angegeben, ahnungslos gewesen zu sein: „Ich wusste von nichts.“ Und: „Ich habe mich nie ums Geld gekümmert. Das macht mein Papa. Ich widme mich nur dem Fußball.“ Vater Messi hatte derweil erklärt, er habe von den Steuergesetzen „keine Ahnung“ und den Ball der Verantwortung seinem damaligen Steuerberater zugeschoben.

Den beiden Messis war vorgeworfen worden, von 2007 bis 2009 rund zehn Millionen Euro Einnahmen aus Werberechten nicht versteuert zu haben. Annähernd 4,1 Millionen Euro sind Spaniens Staatskasse dadurch entgangen. Den Ermittlungen zufolge war das Geld über ein Netz von Scheinfirmen und Auslandskonten zum Beispiel in Uruguay, Belize, der Schweiz und Großbritannien geflossen.

Neben der Gefängnisstrafe von 21 Monaten müssen die Beiden zudem zusammengerechnet 3,5 Millionen Euro Geldstrafe bezahlen. Fünf Millionen Euro, den hinterzogenen Steuerbetrag samt Zinsen, hatten sie bereits hinterlegt.

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