Erdogan-Gedicht

So schützt die Polizei den Satiriker Jan Böhmermann

Polizeischutz für Jan Böhmermann: Ein Streifenwagen steht rund um die Uhr vor der Tür. Auch außerhalb seiner Wohnung wird er bewacht.

Unter Polizeischutz: TV-Moderator Jan Böhmermann.

Unter Polizeischutz: TV-Moderator Jan Böhmermann.

Foto: Ole Spata / dpa

Berlin/Köln.  Nach seiner gedichteten Schmähkritik am türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan steht TV-Moderator Jan Böhmermann (35) unter Polizeischutz. Das bestätigte die Kölner Polizei dieser Zeitung. Demnach wird Böhmermann rund um die Uhr bewacht.

„Ich hab Polizei“, hatte Böhmermann noch im November 2015 in einem Gangsterrap-Video gesungen. Jetzt ist es wirklich so weit.

„Wir nehmen das sehr ernst“

„Ein Streifenwagen steht permanent vor seiner Tür“, sagte der für die Krisenkommunikation zuständige Polizeisprecher Wolfgang Baldes. Nach Informationen dieser Redaktion wird der Moderator der ZDF-Show „Neo Magazin Royale“ auch geschützt, wenn er seine Kölner Wohnung verlässt.

„Wir nehmen das sehr ernst“, meinte Kriminalhauptkommissar Baldes mit Blick auf eine mögliche Gefährdung Böhmermanns nach seinen satirischen Versen über Erdogan. Die Kölner Polizei stehe im ständigen Austausch mit „Sicherheitsbehörden in Bund und Land“.

Schutz für Böhmermanns Familie

Regelmäßig werde die Lage neu beurteilt. „Wir bewerten das in Echtzeit“, sagte der Polizeisprecher. Die aktualisierten Gefährdungsabschätzungen beträfen nicht nur Böhmermann, sondern auch seine Familie.

Sichtbares Zeichen des Schutzes sei der eingesetzte Streifenwagen vor dem Kölner Domizil des TV-Moderators. Auf Fragen zum verdeckten Personenschutz für Böhmermann außerhalb seiner vier Wände ging die Polizei nicht ins Detail. „Wir wollen potenziellen Gegner nicht die Karten zeigen“, sagte Baldes.

SPD will Strafgesetz-Paragrafen kippen

Unterdessen will die SPD das umstrittene Verbot von Beleidigungen ausländischer Staatsoberhäupter abschaffen. Fraktionschef Thomas Oppermann sagte, man sei bereit, eine entsprechende Regelung in Paragraf 103 des Strafgesetzbuchs ersatzlos zu streichen, auf die sich der türkische Präsident berufe. „Das ist eine antiquierte Vorschrift“, sagte Oppermann. „Das passt nicht in unsere Zeit.“ Bereits in der nächsten Sitzungsperiode in zwei Wochen könne der Bundestag das Gesetz ändern.

Böhmermann hatte in seinem „Schmähgedicht“ über Erdogan bewusst beleidigende Formulierungen benutzt. Sie thematisierten Sex mit Tieren, Kinderpornografie und Klischees über Türken. Vor der Verlesung sagte Böhmermann, er wolle zeigen, was in Deutschland verboten sei und nicht mehr unter Satire falle. Erdogan betreibt eine Zivilklage gegen den Entertainer, wie die Staatsanwaltschaft in Mainz mitteilte.

Strafanzeigen in dreistelliger Anzahl, Sendung abgesagt

Private Strafanzeigen liegen inzwischen in dreistelliger Anzahl gegen Böhmermann vor. Sie richten sich teilweise auch gegen ZDF-Verantwortliche. Die Anzeigen werden in einem Verfahren wegen des Verdachts der Beleidigung von Organen oder Vertretern ausländischer Staaten gebündelt. Laut Staatsanwaltschaft ist derzeit keine Anhörung des türkischen Staatspräsidenten in Sicht.

Die für Donnerstag geplante nächste TV-Sendung Böhmermanns wurde abgesagt.