Kohlenmonoxid

Heizung abgestellt – Mieter heizt mit Kohlegrill und stirbt

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Matthias Böhl
Heizen mit Holzkohle kann gefährlich werden. (Symbolbild)

Heizen mit Holzkohle kann gefährlich werden. (Symbolbild)

Foto: imago stock&people

Ein Mann in Nordrhein-Westfalen heizt mit einem Kohlegrill – und erstickt. Laut Nachbarn hatte der Vermieter die Heizung abgestellt.

Bad Berleburg.  Das Drama, was sich am Wochenende in Bad Berleburg bei Siegen abgespielt hat, mag man gar nicht glauben: Bereits den ganzen Winter über müssen Bewohner eines Mehrfamilienhauses in der Emil-Wolff-Straße ohne Heizung auskommen. Die hat der Vermieter wohl abgestellt.

Das gipfelte am Wochenende im Tod eines Hausbewohners. Der hatte sich nach Angaben mehrerer Bewohner offenbar schon am Freitagabend einen Holzkohlegrill mit ins Haus genommen, um sich vor der nächtlichen Kälte zu schützen. Am Sonntagmorgen wurde er tot in seiner Wohnung gefunden – erstickt durch Kohlenmonoxid.

Der DRK-Rettungsdienst konnte die Wohnung aber nicht sofort betreten. Es stand nicht fest, wie hoch die Kohlenmonoxid-Konzentration noch war. Andernfalls hätten sich die Retter selbst in Lebensgefahr gebracht. Sie mussten auf die Feuerwehr warten, die mit schwerem Atemschutz und CO-Warngeräten ins Haus ging. Aber diese Verzögerung war am Ende nicht ausschlaggebend: Als Rettungsdienst und Notärztin zum Patienten gehen konnten, war er laut Polizei schon seit Stunden tot.

Vermieter hat laut Mietern Strom und Heizung abgestellt

Andere Bewohner des Hauses machten am Sonntagmorgen ihrem Unbehagen über die schlimme Situation Luft: „Jetzt wurde vor kurzer Zeit auch noch der Strom abgedreht. Ohne Heizung müssen wir schon den gesamten Winter zurecht kommen“, schildert ein junger Mann. An Mietrückständen liege dies nicht: „Die Wohnungen werden von der Stadt bezahlt. Der Vermieter bekommt sein Geld, kann aber vermutlich die Kosten selbst nicht zahlen“, erklärt der Mann. Der Vermieter war für Rückfragen bisher nicht zu erreichen.

„Oft halten wir uns woanders auf, weil es hier einfach zu kalt ist im Winter“, berichtet auch eine Frau, die im Haus an der Emil-Wolff-Straße lebt. Sie habe am Freitagabend noch versucht, den Mann davon abzuhalten, den Holzkohlegrill als Heizung mit in die Wohnung zu nehmen. „Aber er wurde böse und hat mich rausgeworfen, ihm war einfach zu kalt“, ergänzt sie.

Geruchloses Gas führt binnen Kurzem zum Tod

Eine Entscheidung, die der 54-Jährige mit seinem Leben bezahlte. Er starb an einer Rauchgasvergiftung. Kohlenmonoxid ist ein Gas, das bei unvollständigen Verbrennungen entsteht – also auch bei glühender Kohle. Die Moleküle gelangen über die Lunge ins Blut und verdrängen dort den Sauerstoff. Bei entsprechender Konzentration führt das Rauchgas binnen Kurzem zum Tod. Der Betroffene merkt davon nichts: Er schläft friedlich ein.

Erkennen kann man die Gefahr kaum, da das Gas geruchlos ist und selbst Betonwände durchdringen kann. Endgültige Entwarnung konnten daher erst die Messgeräte der Feuerwehr geben, die die Retter am Gürtel tragen. Die Polizei nahm noch am Sonntagmorgen die Ermittlungen am Unglücksort auf. Die Straße wurde während des Einsatzes kurzfristig komplett gesperrt.

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