Goldene Kamera

Die Dankesrede von Dunja Hayali war der heimliche Höhepunkt

Dunja Hayali schlug jüngst häufig Hass und Hetze entgegen. Ganz anders sieht das nach ihrer Dankesrede bei der „Goldenen Kamera“ aus.

Die TV-Journalistin Dunja Hayali ist in der Kategorie „Beste Information“ mit der „Goldenen Kamera“ ausgezeichnet worden.

Die TV-Journalistin Dunja Hayali ist in der Kategorie „Beste Information“ mit der „Goldenen Kamera“ ausgezeichnet worden.

Foto: Christian Charisius / dpa

Hamburg.  Sie ist Journalistin mit Herzblut, neugierig, kritisch – und selbstkritisch. Für ihre Arbeit wurde die Fernsehjournalistin Dunja Hayali am Samstagabend mit der „Goldenen Kamera“ in der Kategorie „Beste Information“ ausgezeichnet. Ihre Dankesrede bewegt die Gala-Gäste und Zuschauer, rührt zu Tränen und begeistert Tausende in den sozialen Medien.

Sichtlich nervös steht Hayali auf der Bühne, nachdem Laudator Michael Mittermeier ihr die Trophäe überreicht hat. Ihre Stimme zittert ganz leicht vor Aufregung, als sie zu ihrer Dankesrede ansetzt, schließlich sitzt mit Julianne Moore eine ihrer Lieblingsschauspielerinnen im Publikum.

Doch mit jedem Wort scheint sich ihre Stimme zu festigen. Den Preis, so sagt sie, sehe sie zum einen als Anerkennung für das, was sie geleistet hat. Gleichzeitig sei die „Goldene Kamera“ aber auch „eine Verpflichtung für Kommendes“: nämlich die Ist-Situation in Deutschland aufzuzeigen.

Hayali scheut keine Konfrontation mit ihren Kritikern

In der Vergangenheit sah sich Hayali verstärkt Hass und Hetze ausgesetzt, nicht nur in den sozialen Netzwerken, wo die Schmähkommentare nicht mehr „als Verrohung der Sprache“ abgetan werden könnten. Auch auf der Straße würden Journalisten angegriffen. Ihr selbst, erzählt sie, habe jemand nach dem Einkaufen ins Gesicht geschrien: „Du Lügenpresse, du Lügenfresse.“ Und das sind noch die harmlosen Worte, mit denen sie beschimpft wurde.

Hayali ruft ihre Kritiker auf, mit ihr und anderen Journalisten zu streiten, zu diskutieren, sie auf ihre Fehler hinzuweisen. „Wir machen Fehler, deshalb sind wir noch lange keine Lügner“, stellt sie klar. Die Meinungsfreiheit, betont sie, sei ein hohes Gut und jeder müsse seine Sorgen und Ängste äußern können, ohne in die Nazi-Ecke gestellt zu werden. Das große Aber: „Wenn Sie sich rassistisch äußern, dann sind Sie – verdammt noch mal – ein Rassist. Fertig. Und das müssen Sie auch ertragen können.“

„Solche Menschen braucht das Land“

Eigentlich wollte sie gar nicht so viel sagen, doch Hayali hätte in dem Moment noch viel mehr sagen dürfen, die Zuschauer hätten ihr beigepflichtet und applaudiert. Auch das Video ihrer Rede auf Facebook stößt statt auf Hass auf Begeisterung. Mehr als 10.200 Mal wurde es bis Sonntagmittag geteilt, fast genauso häufig mit „Gefällt mir“ markiert. „Solche Menschen braucht das Land!“, heißt es in den Kommentaren. „Eine wunderbare Frau“, schreibt jemand. Ein anderer: „Ein Vorbild für alle von uns.“ Vielleicht entschädigt das ein bisschen für die vielen Hasskommentare, die sie in der Vergangenheit einstecken musste.

Ihre Rede schließt die Preisträgerin der „Goldenen Kamera“ mit einem Dank. Ihre Stimme wird wieder brüchig, zittert. Hayali richtet die Worte an ihre Schwester, „einfach weil ich dir so unfassbar viel zu verdanken hab. Und ohne dich und ohne Mom und Dad würde ich hier heute Abend niemals stehen.“