Kunstaktion

Ai Weiwei posiert auf Lesbos wie Flüchtlingskind Aylan

Das Gesicht nach unten, an der Küste von Lesbos: Ai Weiwei hat mit einer Kunstaktion den Tod des Flüchtlingskindes Aylan nachgestellt.

Ai Weiwei auf Lesbos in der Nähe der Stelle, wo Aylan angespült wurde.

Ai Weiwei auf Lesbos in der Nähe der Stelle, wo Aylan angespült wurde.

Foto: GIORGOS MOUTAFIS / REUTERS

Berlin.  Ein steiniger Strand auf der griechischen Insel Lesbos, in unmittelbarer Nähe der leblose Körper eines kleinen Jungen: Das Bild des ertrunkenen Aylans rührte zu Tränen – und schuf eine Ikone, die das ganze Leid der Flüchtlingskrise in einem grausamen Moment festhielt.

In der vergangenen Woche wurde der Ort, an dem Aylans Leiche im September an Land gespült wurde, vom chinesischen Künstler Ai Weiwei aufgesucht. Der Regimekritiker, der sich auf seine Art schon häufiger zur Flüchtlingskrise geäußert hatte, legte sich auf die kalten Steine, um das Schicksal des Dreijährigen nachzustellen. „Als ich zu ihm sagte, dass wir ihn in seinem Atellier aufsuchen werden, sagte er, ‘die Küste ist mein Atellier’“, erklärte „India Today“-Redakteur Gayatri Jayaraman.

Es wird Kritik geben

Festgehalten wurde die Kunstaktion von einem Fototeam des indischen Magazins. „Ich bin mir sicher, dass es nicht sehr bequem war, sich auf die Steine zu legen. Aber das sanfte Abendlicht fiel ihm ins Gesicht, als er sich hinlegte“, erinnerte sich Fotograf Rohit Chawla an den Moment.

Mit der Aktion dürfte Ai Weiwei allerdings nicht nur positive Reaktionen auf sich ziehen. Schon die Zurschaustellung des Bildes wurde weltweit teilweise als pietätslos kritisiert. Auch in Deutschland gab es eine große Diskussionen zu der Frage, ob Medien das Bild zeigen dürfen.

Gegen solche Vorwürfe verwahrt sich der Fotograf Chawla. „Es ist ein sehr politisches, menschliches Bild“, sagte er. Es gehe darum, die Aufmerksamkeit für das Thema aufrecht zu erhalten. Im Anschluss an die Aktion habe Ai Weiwei lange am Ufer gestanden, auf ankommende Flüchtlingsboote gewartet und den Menschen geholfen, an Land zu kommen.

Ein Monument zur Erinnerung

Ai Weiwei hält sich derzeit auf Lesbos auf, weil er ein Monument zur Erinnerung an die in der Ägäis umgekommenen Flüchtlinge errichten möchte. Das Monument werde „weltweit die Botschaft des Beistands und der Hilfe verbreiten“, sagte der Bürgermeister des Hauptortes der Insel, Spyros Galinos. Nach Informationen griechischer Medien besichtigten Ai Weiwei und Galinos bereits mehrere mögliche Stellen. Als wahrscheinlichster Standort gilt demnach der Ort Kratígos. Er liegt südlich des Flughafens von Lesbos an einem Küstenabschnitt, wo in den vergangenen Monaten Tausende Migranten angekommen sind.

Ai Weiwei hatte sich immer wieder direkt und indirekt zum Schicksal der Flüchtlinge geäußert. Zuletzt hatte er aus Protest gegen die verschärfte Asylpolitik der dänischen Regierung eine Schau mit seinen Werken in Kopenhagen gestoppt. (mit dpa)