Medienbericht

WDR: Weitere Missbrauchsvorwürfe im Bistum Hildesheim

Bis in die 80er Jahre erlebte das Berliner Canisius-Kolleg einen großen Missbrauchsskandal. Einer der Täter steht nun wieder im Fokus.

Das Canisius-Kolleg in Berlin. Die Schule erlebte in den 1970er und 1980er Jahren einen großen Missbrauchsskandal. Einer der damaligen Haupttäter steht nun wieder unter Verdacht.

Das Canisius-Kolleg in Berlin. Die Schule erlebte in den 1970er und 1980er Jahren einen großen Missbrauchsskandal. Einer der damaligen Haupttäter steht nun wieder unter Verdacht.

Foto: imago stock&people

Köln.  Das katholische Bistum Hildesheim muss sich mit neuen Missbrauchsvorwürfen im Fall des früheren Pfarrers Peter R. beschäftigen. Nach Recherchen des WDR hat sich ein weiteres mutmaßliches Opfer gemeldet. Dabei handele es sich um die Mutter der jungen Frau, die als Elfjährige von dem Geistlichen bedrängt worden sein soll, teilte der WDR mit. Die heute 20-Jährige hatte vor kurzem vom Bistum eine Geldsumme in Anerkennung ihres Leides erhalten.

In der Dokumentation „Richter Gottes“ aus der Reihe „die story“, die am Mittwochabend (22.10 Uhr) im WDR ausgestrahlt werden sollte, schildert die heute 39 Jahre alte Mutter, dass sie ebenfalls ab 1993 von dem Pfarrer sexuell bedrängt worden sei. Der Pater gilt als einer der Haupttäter im Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg mit mehr als 100 Opfern. Diese Taten sind allerdings alle verjährt. Später arbeitete er rund 20 Jahre im Bistum Hildesheim.

Das Bistum Hildesheim sei seit vergangenem September auch über ihren Fall informiert, sagt die Mutter in der WDR-Dokumentation. Man habe aber bislang keinen Kontakt zu ihr aufgenommen.

Fall liegt nun bei der Staatsanwaltschaft

Ein Bistumssprecher teilte dazu mit, es bestehe bis zum heutigen Tag kein Kontakt zwischen dem Bistum Hildesheim und der Mutter des jungen Mädchens. Die von ihr gegenüber Peter R. erhobenen Vorwürfe seien dem Bistum bisher so konkret nicht bekannt gewesen. Allerdings hätten die Großeltern der jungen Frau bei einem Gespräch im September vergangenen Jahres erwähnt, inzwischen habe sich bestätigt, dass auch ihre Tochter ein Missbrauchsopfer von Peter R. sei. Die 39-Jährige habe sich aber bisher nicht selbst an das Bistum gewandt.

Den Hinweis auf den Fall der Mutter habe das Bistum Anfang Januar 2016 an die Staatsanwaltschaft Berlin zur Prüfung weitergeleitet, ebenso die nun konkretisierten Vorwürfe der Frau.

Unabhängige Kommission prüft Missbrauchsfälle

Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle war wegen seines Verhaltens nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Fall des Mädchens zunächst in die Kritik geraten und räumte später selbst Fehler ein.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung forderte unterdessen Aufklärung. Johannes-Wilhelm Rörig sagte dem WDR: „Ich fordere das Bistum Hildesheim auf, dass sie jetzt einen unabhängigen Ermittler einsetzen, der schaut, ob da weitere Straftaten im Raum stehen.“ Er habe den Eindruck, dass es immer noch eine Tendenz gebe, die Institution schützen zu wollen, indem Informationen zurückgehalten und Tatsachen nicht nach außen getragen würden. So werde Transparenz verhindert. Der Beauftragte hatte am Dienstag die Mitglieder einer unabhängigen Kommission berufen, die in den nächsten drei Jahren die Fälle von Kindesmissbrauch in Deutschland untersuchen und aufarbeiten soll. (dpa/epd)