Mode

Imagewandel: Wie die Jogginghose gesellschaftsfähig wurde

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Diana Zinkler
Absolut bequem – und am 21. Januar vielleicht sogar bürotauglich: die Jogginghose.

Absolut bequem – und am 21. Januar vielleicht sogar bürotauglich: die Jogginghose.

Foto: Jan-Philipp Strobel / dpa

Am Donnerstag trägt man sie, denn der 21. Januar ist der „Internationale Jogginghosentag“. Für viele ist die Hose der „beste Freund“.

Berlin/Graz.  Schnapsidee, denkt man. Und ja, so ganz falsch liegt man nicht. Vier Jungs aus Graz dachten sich den „Internationalen Jogginghosentag“ aus. Seit Karneval 2009 zelebrieren sie an jedem 21. Januar den lockeren Kleidungsstil. Jeder soll an diesem Tag Jogginghose tragen, ob im Büro, beim Dinner oder beim Date. Ursprünglich wollten sich Matthias, Alex, Martin und noch mal Matthias an Fasching nicht verkleiden, sondern nur lässig aussehen. Die Idee verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Die Facebookseite „Internationaler Jogginghosentag“ war schnell eröffnet. Jährlich posten dort Hunderttausende ihre Fotos von sich und ihrem besten Freund – dem unteren Teil des deutschen Sportanzugs.

Sieben Jahre später gibt es die Initiative immer noch, die vier Schüler sind inzwischen Studenten. „So ganz erklären können wir uns den Hype nicht“, sagt einer von ihnen, Matthias Geisriegler (22), „für uns standen Bequemlichkeit und Spaß im Vordergrund.“ Ihre Facebookseite wurde bislang mehr als 46.300 Mal geliked, und sie erreichen laut Facebook-Statistik 50.000 Leute täglich. Eine Geschäftsidee ist bisher nicht daraus erwachsen, nur ein Gewinnspiel, für einen guten Zweck.

„Sweatpants“ durchlief eine öffentliche Rehabilitation

Doch die vier Jungs sind seit dem Jahr 2009 ohne Zweifel Trendsetter gewesen. Seit ein paar Jahren erfährt „die Sweatpants“, oder von einigen auch liebevoll „Fatpants“ genannt, eine öffentliche Rehabilitation. Das Erkennungszeichen des 80er-Jahre-Proletariats aus Ballonseide ist nun ein treues Must-Have der internationalen Fashion-Elite. Ob Madonna, Gwen Stefanie, Paris Hilton, Sarah Jessica Parker, Karolina Kurkova oder Victoria Beckham – die Liste ist endlos.

Doch auch Männer zeigen sich zunehmend fernab des heimischen Sofas mit Jogginghose. So gesehen auch an den Schauspielern Russel Crowe, Matthew McConaughey und Matt Damon, last but not least auch an Sir Paul McCartney und an US-Präsident Barack Obama. Sogar Mode-Zar Karl Lagerfeld knickte in der Wintersaison 2014/15 ein und kleidete sein Lieblinsmodel Cara Delevingne in ein rosa Modell. Dabei war Lagerfeld es, der noch im April 2012 bei Markus Lanz auf dem Talk-Sessel saß und erklärte: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“

Im Hip-Hop war die Jogginghose stets präsent

Dass die Jogginghose heute wieder so gut dasteht, daran haben Musiker aus der weltweiten Hip-Hop-Szene maßgeblichen Anteil. Auch wenn die Hose in den 90er-Jahren fast tot war, im Hip-Hop war sie stets präsent und der proletarische Touch Provokation.

Und was sagt uns Rihanna jetzt damit, wenn sie zu einer Abendveranstaltung High-Heels, Top und dazu die Jogginghose trägt? Dass sie es sich leisten kann. Dass sie auch ohne Mini sexy ist und dass wir uns alle mal ein bisschen locker machen sollen. Eine bessere Botschafterin für ihren Jogginghosentag finden die vier Jungs aus Graz nicht.

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