Vermischtes

Der Hype erreicht den Höhepunkt

Die Welt blickt auf die Star Wars Premiere in Los Angeles. Überall feiern schon die Fans

In dieser Woche steht die Welt unter dem Todesstern, also im Zeichen von „Star Wars“. Am Donnerstag kommt er in die deutschen Kinos, aber schon in der Nacht zu Dienstag wurde in Los Angeles die Premiere von „Das Erwachen der Macht“ gefeiert, mit Fans, die vor dem Kino übernachteten. Auch in Deutschland verzeichnen große Kinoketten einen nie dagewesenen Ansturm auf Tickets für den Film „Das Erwachen der Macht“. So hat die Cinestar-Gruppe bis Montag schon mehr als 200.000 Karten verkauft, Cinemaxx-Kinos mehr als 150.000 Tickets.

Seit einem guten Jahr arbeitet die Werbeindustrie auf dieses Datum hin, ohne dass dabei etwas vom Inhalt des Films bekannt wurde. Mit militärisch anmutender Geheimniskrämerei und der Drohung mit harten Vertragsstrafen ist es dem Star-Wars-Rechteinhaber Disney gelungen, bis zuletzt die Spannung zu halten. Für die Schauspieler war das zum Teil harte Arbeit. „Das ist seltsam“, sagt die Schauspielerin Daisy Ridley, „wenn die Leute fragen: ‚Was machst du eigentlich den ganzen Tag?‘ Warum sie so fit aussehe, durfte sie keinem verraten. In den Trailern zum Film tauchten fast nur die bekannten Masken und Figuren aus früheren Teilen auf – und nahmen den öffentlichen Raum für sich ein.

Seit einigen Wochen ist es unmöglich auf die Straße zu gehen, ohne auf das Star-Wars-Logo zu treffen. In den Einkaufszentren stehen Weihnachtsbäume mit Lichtschwert-Dekoration statt Weihnachtskugeln, es gibt Müsli mit Roboter-Aufdruck, Star-Wars-Bier und inzwischen sogar Star-Wars-Obst, weil Disney „gesundes Essen unterstütze“. In Deutschland ruft derweil selbst die evangelische Kirche in Berlin zu einem Star-Wars-Gottesdienst auf – organisiert von zwei jungen Vikaren, die „viele Parallelen der Filme zu christlichen Traditionen“ sehen. Wer zu dem Gottesdienst kommenden Sonntag in Star-Wars-Verkleidung kommt, kann eine Kinokarte gewinnen.

Die Masken müssen im Kino leider draußen bleiben

Dabei haben die Betreiber von Kinos gerade versucht, den Fans das Tragen von Masken abzugewöhnen – auch die Polizei wirbt für Verständnis bei verkleideten Fans, „wenn die privaten Sicherheitsdienste an den Kinos darum bitten, Masken abzunehmen oder Waffenattrappen abzugeben.“ Lichtschwerter – die typische Waffe eines Jedi-Ritter – bleiben also besser zu Hause. In Texas ging diese Tage ein Lehrer noch einen Schritt weiter: Ein Junge wurde dort nach Hause geschickt, weil auf seinem T-Shirt ein Lasergewehr abgefeuert wurde – die Abbildung von Waffen sei an der Schule untersagt.

Dabei geht es bei dem Krieg-der-Sterne-Drama nicht nur um Gewaltfantasien. Das sagt zumindest Matthias Völcker, Erziehungswissenschaftler der Universität Göttingen, der zahlreiche Interviews mit Anhängern der Saga geführt hat. „Im Star-Wars-Universum erfahren und erleben die Fans Stabilität“, sagt er. „Sie entkommen der Realität und können gleichzeitig kreativ sein.“ Denn mit Podcasts, Fan-Fiction oder Kostümen finden eingefleischte Fans eigene Möglichkeiten, sich von der Galaxie, die George Lucas vor 40 Jahren erschaffen hat, inspirieren zu lassen.

Dass sich das Sammeln von Fanartikeln auch finanziell lohnen kann, wurde diese Woche bei einer Auktion in New York sichtbar: Eine Kollektion von „Star Wars“-Sammlerstücken brachte beim Auktionshaus Sotheby’s mehr als 500.000 Dollar (etwa 450.000 Euro) ein. Die Auktion fand online statt und übertraf die Erwartungen von Sotheby’s gewaltig: Sie hatten 12.000 Dollar erwartet. Besonders teuer war eine Actionfigur von Luke Skywalker aus den 70er-Jahren, die allein für 25.000 Dollar versteigert wurde.

Vielleicht ist dann in zehn Jahren das Tee-Ei in Form eines Todessterns auch mehr wert? Gibt es denn eine Grenze dieses Wahns? Ja, sagt die polnische Bloggerin Justyna Polaczyk. Sie hat in den vergangenen Tagen sämtliche Werbevideos verglichen, die versuchen auf den Star-Wars-Hype aufzuspringen. Der Gewinner war Volkswagen, die vor drei Jahren schon mit einem kleinen Darth Vader warben: 63 Millionen Klicks auf Youtube. Fiat versuchte es vor wenigen Wochen ebenfalls: 10.000 Klicks bisher. Wem Star Wars auf allen Kanälen in dieser Woche zu viel ist, schaut nach Indien. Dort startet in dieser Woche der Film „Dilwale“. Der bekannte Bollywood-Star Shah Rukh Khan spielt eine Hauptrolle – und deswegen wurde in Indien der Start des siebten Teils von Star Wars aus Marketinggründen verschoben. Um eine Woche.