Man fragt sich, wer sich sowas ausdenkt – auch noch im Jahr 2015: Junge, europäisch aussehende Menschen reisen ins mexikanische Hinterland, um dort den Ureinwohnern Coca-Cola zu bringen. Und irgendwie auch Weihnachten. Mit einem solchen Werbespot hat der US-amerikanische Konzern jetzt versucht, im Nachbarland Reklame für seine süße, braune Brause zu machen – bis er ihn wegen heftiger Kritik von Menschenrechtlern wieder zurückzog. So sei das doch alles nicht gemeint gewesen, hieß es.
In dem Spot sieht man in einer Werkstatt herumtollende hübsche, hellhäutige, junge Leute, die Cola trinken. Dann sind sie unterwegs, nach Totontepec im südlichen Bundesstaat Oaxaca, einem Ort, in dem Mixe leben, ein Volk mexikanischer Ureinwohner. „Ein Gruppe junger Leute hat sich entschlossen, dieses Weihnachten der Ureinwohner-Gemeinschaft von Totontepec de Morelos ein ganz besonderes Geschenk zu machen“, heißt es in dem Spot, mit der Aufforderung: „Öffnet auch ihr eure Herzen.“
Angekommen in dem Ort tollen die hübschen jungen Leute weiter herum, zimmern dabei aus Holzlatten eine Art Weihnachtsbaum und basteln aus Cola-Flaschen Lichterschmuck. Die dunkelhäutigen Mexikaner stehen mit großen, leuchtenden Augen davor, trinken hingebungsvoll Cola und scheinen generell überwältigt. „Wir stehen zusammen“, steht in der Sprache der Mixe auf dem Gebilde.
Bürgerrechtler werfen Coca-Cola Rassismus vor
Unterwältigt sind Bürgerrechtler, die dem Konzern einem Bericht der britischen Zeitung „Guardian“ zufolge Rassismus und Diskriminierung vorwerfen; das in dem Film nach Angaben von Coca-Cola beabsichtigte Plädoyer gegen Vorurteile konnten sie nicht erkennen, wohl aber eine kolonialistische Attitüde. Eine Aktivisten-Gruppe sieht die Klischees von kulturell und ethnisch unterlegenen Ureinwohnern wi dergegeben – und hat den Konzern bei der staatlichen Anti-Diskriminierungskommission angezeigt.
Auch Gesundheitsaktivisten sehen ein großes Problem in der Cola-Werbung. Wie in den USA ist auch in Mexiko großes Übergewicht generell schon ein Problem; die Ureinwohner haben aber dazu noch ein fünffach höheres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.
Etwa eine Woche war der 85-Sekunden-Spot auf dem Youtube-Kanal von Coca-Cola online, bevor die Verantwortlichen ihn zurückzogen und sich entschuldigten. „Es tut uns leid, dass die Aussage falsch interpretiert worden ist“, sagte ein Marketing-Direktor einem Bericht des Portals „Mashable“ zufolge, „wir hatten das Gegenteil von dem beabsichtigt, was kritisiert wird.“


