Wunderkind

Dieses zehnjährige Mädchen hat schon zwei Opern komponiert

Mit drei bekam Alma Deutscher aus England eine Geige geschenkt. Auch Klavier spielt sie perfekt. Jetzt geht sie vielleicht nach Berlin.

Die zehnjährige Alma Deutscher aus Dorking hat bereits ihr erstes eigenes Violinenkonzert geschrieben.

Die zehnjährige Alma Deutscher aus Dorking hat bereits ihr erstes eigenes Violinenkonzert geschrieben.

Foto: REX Shutterstock / action press

London.  Die meisten Kinder in ihrem Alter hätten Schwierigkeiten, während einer Oper still sitzen zu bleiben. Alma Deutscher dagegen hat schon eine komponiert, nein: zwei Opern sind es mittlerweile. Die zehnjährige Britin kann darüber hinaus ein gutes Dutzend weiterer klassischer Kompositionen vorweisen, unter anderem Klaviersonaten, Geigenkonzerte und Kammermusik. Zurzeit arbeitet sie an ihrer ersten Symphonie und einem Pianokonzert.

Das Wunderkind aus Dorking in der Grafschaft Surrey lebt für die Musik. Kein Wunder, dass man die Zehnjährige „kleine Miss Mozart“ nennt. Ihren Eltern fiel die erstaunliche Begabung ihrer Tocher auf, als Alma erst zwei Jahre alt war. „Da begann sie mit dem Klavierspiel“, sagt Guy Deutscher, der selbst Amateurflötist ist, „und uns wurde klar, dass sie ein absolutes Gehör hat.“

Die Fachwelt ist erstaunt

Zu ihrem dritten Geburtstag bekam Alma eine Violine und verliebte sich sofort in das Instrument. Innerhalb eines Jahres konnte sie Händel-Sonaten spielen. Mittlerweile, im Alter von zehndreiviertel Jahren, ist sowohl ihr Geigen- wie Klavierspiel auf Musikhochschulniveau. Sie bestreitet regelmäßig Konzerte, aber nicht zu oft, wie ihr Vater unterstreicht, denn zum Stress soll das Auftreten nicht ausarten. „Es kommt auf die Dosis an“, so Guy Deutscher, „wir versuchen, ihre Gastspiele als besondere Anlässe zu betrachten.“ Ende November wird Alma Deutscher erstmals in Deutschland beim Verbiers Festival auf Schloss Elmau auftreten.

Die Fachwelt ist erstaunt. Junge oder auch sehr junge Klavier- und Geigenspieler von Konzertreife sind nicht selten, aber Kinder, die darüber hinaus komponieren können, schon. Als Alma im Alter von sieben Jahren ihre erste Oper „Der Traumfeger“ schrieb, reichte sie das Stück anonym bei einem Wettbewerb der „English National Opera“ ein. Es erhielt eine besondere Erwähnung. Ihre jüngste Oper „Cinderella“ wurde im Juli in Israel uraufgeführt. Sie hat eine CD mit ihren bisherigen Oeuvre, „The Music of Alma Deutscher“, herausgebracht und es gibt auch einen eigenen YouTube-Kanal, auf dem sie ihre jüngsten Werke postet. Wie die „Times“ wusste, ist Sir Simon Rattle, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, auf Alma Deutscher aufmerksam geworden und würde sie gerne kennenlernen.

Inspiration findet sie im Baumhaus

Von ihrem großen Talent abgesehen, ist Alma ein ziemlich normales zehnjähriges Mädchen, das schöne Kleider mag, mit ihrer jüngeren Schwester ins Baumhaus steigt und dort gerne vor sich hin träumt. Da kämen ihr die besten Ideen, sagt sie. Sie habe ein Fantasie-Land namens Transsylvanien, „und da leben eine Menge Komponisten, die alle in verschiedenen Stilen komponieren – einige romantisch wie Schubert, andere mehr klassisch wie Mozart. Ich höre mir ihre Melodien an, spiele sie auf dem Klavier nach und denke mir: Das ist schön, das stehle ich.“ Sie sagt, dass sie sich nicht anstrengen muss, um zu komponieren. Ganz im Gegenteil: Sie kann es am besten, wenn sie ganz entspannt ist.

Als ihre Vorbilder gibt sie „Mozart, Schubert und Tschaikowsky an – die haben die schönsten Melodien komponiert, die jemals geschrieben wurden.“ Doch wenn man die Schülerin selbst mit Mozart vergleicht, dem größten Wunderkind von allen, dann ist ihr das gar nicht recht. „Ich glaube nicht“, sagt sie dann recht schnippisch, „dass Mozart eine CD herausgebracht hat, als er acht Jahre alt war.“ Und die Bezeichnung „Little Miss Mozart“ hält sie für herablassend. „Ich bin nicht klein, ich bin ein großes Mädchen.“ Zwar schätze sie die Musik, „aber ich werde wie Alma sein“.

Vielleicht bleibt das Wunderkind Großbritannien nicht mehr lange erhalten. Die Eltern der Zehnjährigen denken darüber nach, ob sie nach Deutschland, nach Berlin umziehen sollen. Da fragte sich die Zeitung „Times“ wohl nur im Scherz: „Wäre es legal, wenn man ein Kind mit einem Exportverbot belegt?“

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