Songcontest

Punkband "Die Kassierer" will statt Xavier Naidoo zum ESC

Ein Teilzeitnackter aus Bochum-Wattenscheid könnte Konkurrenz für Xavier Naidoo werden. Der Sänger Wolfgang Wendland will auch zum ESC.

Zuletzt hatte sich Wolfgang Wendland als Kandidat für die Bochumer Oberbürgermeisterschaft beworben. Nun will er zum ESC.

Zuletzt hatte sich Wolfgang Wendland als Kandidat für die Bochumer Oberbürgermeisterschaft beworben. Nun will er zum ESC.

Foto: Caroline Seidel / dpa

Wattenscheid.  Die ARD hat für ihren Alleingang bei der Kandidatenkür für den Eurovision Song Contest (ESC) 2016 in Stockholm mächtig Prügel bezogen: Ist Xavier Naidoo tatsächlich alternativlos? Nein, sagt die Wattenscheider Punk-Band „Die Kassierer“ und bringt einen neuen Namen ins Spiel: ihren eigenen.

„Die Kassierer werden alles dafür tun, um Deutschland beim ESC in Stockholm zu vertreten“, verkündete Kassierer-Frontmann Wolfgang „Wölfi“ Wendland. Nach den Pleiten der vergangenen Jahre sei sich die Band sicher, auch auf der internationalen Bühne punkten zu können. „Wir haben eine ausgefeilte Bühnenshow und beherrschen perfekt die unterschiedlichsten Musikstile.“

Wölfi: „Wir können Xavier Naidoo schlagen!“

Den Wettkampf mit dem von der ARD auserkorenen Kandidaten Xavier Naidoo scheuen die Wattenscheider nicht: „ Wir sind uns sicher, den Schlagersänger Xavier Naidoo schlagen zu können, der für das Deutsche Reich antreten wird und sich mit Österreich ein spannendes Rennen um den letzten Platz liefern wird“, heißt es in der Erklärung weiter.

Die Entscheidung für Naidoo war heftig kritisiert worden, weil der Musiker in der Vergangenheit häufiger durch krude Wortmeldungen aufgefallen war. So hatte Naidoo in einem Interview erklärt, Deutschland sei „immer noch ein besetztes Land“, weil es keinen Friedensvertrag gebe. Außerdem hatte Naidoo erklärt, er sei ein „Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe“.

Auch Songtexte, in denen Naidoo homophobe Klischees bedient, lassen Kritiker daran zweifeln, ob der frühere Sänger der „Söhne Mannheims“ der richtige Kandidat für den staatstragenden Gesangs-Wettbewerb ist.

Wölfis Nackt-Auftritte könnten problematisch sein

Ob Wölfi, der zuletzt als parteiloser Kandidat für den Oberbürgermeister-Posten in Bochum angetreten war, und seine Kassierer diesen Ansprüchen eher genügen, muss allerdings zumindest hinterfragt werden. Zwar gibt es keine Hinweise auf eine Nähe zu „Reichsbürgern“ oder anderen Verschwörungstheoretikern, doch Wölfis Vorliebe für Nackt-Auftritte dürfte den ESC-Verantwortlichen schlaflose Nächte bereiten.

Die Kassierer haben – wie auch Xavier Naidoo – angeboten, das Publikum über den Song entscheiden zu lassen, mit dem sie in Stockholm antreten würden. Auswahl bietet die Diskografie der seit 30 Jahren existierenden Band genug. Doch es gilt als umstritten, ob Songtitel wie „Mein Glied ist zu groß“ dem eher gediegenen ESC-Publikum zu vermitteln sind. Einer der erfolgreichsten Kassierer-Songs heißt „Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“. Darüber könnte auch in einem in vielen Punkten zerstrittenen Europa Einigkeit bestehen.

„Ein Angebot, das die ARD nicht ablehnen kann“

Nicht nur deswegen ist sich Wölfi sicher: „Wir haben der ARD nun ein Angebot gemacht, das sie nicht ablehnen kann.“ Teile der Bevölkerung hat er bereits hinter sich gebracht: Knapp 3000 Menschen unterzeichneten bislang eine Online-Petition, wonach die Kassierer statt Xavier Naidoo für Deutschland nach Stockholm fahren sollen. Der Hashtag #KassiererStattXavier gehörte am Freitag zu den meistgenutzten auf Twitter.

Ob das die ARD überzeugt? Abgelehnt hat der öffentlich-rechtliche Senderverbund das Angebot der Kassierer noch nicht. Zugesagt aber auch nicht.