Berlins Autofahrer müssen mit einer neue Staufalle in der Innenstadt leben. Seit Wochenbeginn ist die Straße Unter den Linden in Fahrtrichtung Westen voll gesperrt, und das für mindestens noch eine weitere Woche. Auch die Fahrgäste der wichtigen BVG-Linien 100 und 200 sowie des TXL-Expressbusses zum Flughafen Tegel müssen sich auf einen zeitraubenden Umweg einstellen.
Einmal mehr ist es der 525 Millionen Euro teure Bau der U-Bahnlinie 5 durch Berlins Mitte, der die wichtige Ost-West-Magistrale zum Engpass werden lässt. Beim Bau der Tunnelstrecke vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor sind erneut Komplikationen aufgetreten. Durch ein Leck in einer Absperrwand zum bereits seit 2009 für die Linie U55 genutzten U-Bahnhof Brandenburger Tor dringt Grundwasser in die Baugrube ein. Nicht viel, aber immerhin so viel, dass sich die Tunnelexperten jetzt zum raschen Handeln veranlasst sehen.
Schadstelle wird vereist
Um das weitere Eindringen von Wasser zu stoppen, soll nun schnellstmöglich der betroffene Bereich von außen vereist werden. Notwendig sind dafür drei Bohrungen, dazu muss die Straße Unter den Linden im Bereich zwischen Wilhelm- und Schadowstraße (in Höhe des Wachsfigurenkabinetts Madame Tussauds) komplett gesperrt werden. „Wir müssen in diesem Bereich den Asphalt aufreißen, um dort drei Löcher in bis zu 15 Meter Tiefe bohren zu können. Über Lanzen wird dann Stickstoff zum Vereisen in den Boden gebracht“, beschreibt Heike Müller, Sprecherin der U5-Projektgesellschaft, das Vorgehen der Bauleute.
Der betroffene Tunnelabschnitt ist ein besonders sensibler Bereich. Nicht nur wegen seiner exponierten Lage in unmittelbarer Nähe zu Berlins bekanntestem Wahrzeichen, dem Brandenburger Tor. An gleicher Stelle hatte es bereits im August 2014 einen schwerwiegenden Zwischenfall gegeben. Damals waren sechs Kubikmeter Wasser und Schlamm in die unterirdische Baugrube für die „Röhre 1“ eingedrungen. Die Ursache war zunächst unklar.
Um Verantwortlichkeiten zu klären, haben der Bauherr, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), und der Generalunternehmer, die Schweizer Baufirma Implenia, ein aufwendiges Beweissicherungsverfahren in Gang gesetzt. Eine Folge davon: Schneidrad „Bärlinde“ konnte erst mit mehrmonatiger Verzögerung damit beginnen, die zweite geplante Tunnelröhre zu graben. Diese Arbeiten verliefen indes problemlos.
Unzureichende Qualität
Inzwischen gehen Fachleute davon aus, dass der Wasser- und Schlammeinbruch im vorigen Jahr durch die unzureichende Ausführungsqualität der Schlitzwand verursacht worden sein könnte. „Die Sickerstelle befindet sich auf der 15-Uhr-Position direkt hinter dem Schneidrad, daher kommen wir da nicht von innen ran“, so Müller. Deshalb der Versuch, weiteres Eindringen von Wasser mit Hilfe des Vereisens zu stoppen.
Anfang 2016 sollen die Tunnel mit dem Bahnhof verbunden werden. Dazu wird das Schneidrad zerlegt und abtransportiert, die Wände in bergmännischer Bauweise durchbrochen. Spätestens dann kann die Schadstelle dauerhaft abgedichtet werden.

