Bargfeld-Stegen

Bargfelderin etabliert sich in der Bundesliga

Handballerin Nina Schilk ist nach ihrem Wechsel zum deutschen Rekordmeister Bayer 04 Leverkusen auf Anhieb zur Leistungsträgerin geworden

Bargfeld-Stegen.  „Erste Bundesliga? Für viele ist das ja ein Lebenstraum, für mich war das eigentlich immer ganz weit weg und nie ein Thema“, sagt Nina Schilk. Und jetzt spielt die Handballerin aus Bargfeld-Stegen doch dort, wo sie nie zu landen glaubte: Seit diesem Sommer gehört die 26-Jährige zum Bundesligakader von Rekordmeister Bayer 04 Leverkusen – und dort ist sie keineswegs nur eine Mitläuferin.

Schilk hat sich bei den „Werkselfen“ auf Anhieb zur Leistungsträgerin entwickelt. Gleich bei ihrem zweiten Bundesligaeinsatz (32:27 gegen Füchse Berlin) war sie mit sieben Treffern erfolgreichste Werferin ihrer Mannschaft. In jeder Partie kommt sie auf der linken Außenposition auf eine Einsatzzeit von mindestens 45 Minuten, nicht selten spielt sie die kompletten 60 Minuten durch.

Leverkusens Trainerin und Managerin Renate Wolf lobt ihren Schützling in den höchsten Tönen: „Ich war sofort ein großer Fan von Nina. Sie ist eine Frohnatur und nicht nur sportlich, sondern auch menschlich ein enormer Gewinn für uns.“ Schon die ersten Gespräche mit ihr seien sehr angenehm gewesen, sagt Wolf. Ihr imponiere vor allem Schilks Einstellung: „Egal ob Training oder Spiel, sie gibt immer 100 Prozent.“ Ihr Streben nach Perfektion sei zugleich eine ihrer wenigen Schwächen. Wolf: „Nina hadert zu oft mit sich. Sie hätte es einfacher, wenn sie auch einmal mit etwas weniger zufrieden wäre.“ Dennoch traut sie Nina Schilk noch einiges zu: „Sie hat ihr Leistungsoptimum noch nicht erreicht. Warten wir ihre Entwicklung einfach mal ab. Sie ist noch jung genug, um auch für die Nationalmannschaft ein Thema zu werden. Ich sehe auf ihrer Position jedenfalls nicht viele bessere Spielerinnen in Deutschland.“

Aus berufenerem Munde könnten diese Worte kaum kommen: Wolf ist so etwas wie eine Institution im deutschen Frauenhandball. Sie absolvierte selbst 94 Länderspiele, war neunmal deutsche Meisterin, Europapokalsiegern. Als Trainerin wurde sie mit Leverkusen zweimal Pokalsieger, dreimal Vizemeister. Schilk: „Als wir das erste Mal telefoniert haben, wusste ich gar nicht, was für eine Bedeutung sie im Handball hat.“

Nina Schilk stammt aus einer handballverrückten Familie. Mutter Ingrid war Nationalspielerin, Vater Claus ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt in der Szene. Als Trainer stand er 1992 mit den Frauen des VfL Oldesloe in der Aufstiegsrunde zur Ersten Bundesliga. „Gefühlt bin ich mit einem Ball in der Hand auf die Welt gekommen“, sagt Nina Schilk lachend. „Handball war stets ein großes Thema bei uns zu Hause.“ Die Eltern sind immer noch wichtige Ansprechpartner für die 26-Jährige – auch wenn es um Handball geht.

Sie verfolgen jedes Spiel, meistens vor dem Computer am Liveticker, manchmal auch im Leverkusen-Trikot auf der Tribüne sitzend in der Halle. Anschließend gibt es Mannöverkritik: „Mama ist dann eher die Verständnisvolle, die auch mal tröstet, und Papa der harte Kritiker. Aber er sagt mir selten etwas, dass ich nicht schon weiß., da ich sehr selbstkritisch bin.“

Nina Schilk begann ihre Karriere beim TSV Nahe. Die Jugendzeit verbrachte sie überwiegend beim TSV Bargteheide und Ahrensburger TSV. Im Erwachsenenbereich kam sie über den TSV Travemünde und SV Henstedt-Ulzburg zur SGH Rosengarten-Buchholz, wo sie nach eigenen Worten ihre bislang schönste Saison verbrachte. „Wir waren dort einfach eine total verschworene Gemeinschaft, menschlich hat das wunderbar funktioniert.“ Das gipfelte dann schließlich Anfang Mai dieses Jahres im unerwarteten Erstliga-Aufstieg. Nina trug zu diesem Erfolg 126 Tore bei.

Dann rief Renate Wolf an, lotste sie nach Leverkusen. Schilk hat diesen Schritt nicht bereut: „Es ist das erste Mal, dass ich unter professionellen Bedingungen Handball spiele.“ Ob die gute medizinische Betreuung, die erstklassigen Trainingsstätten oder bis zu neun Übungseinheiten pro Woche, all das kannte sie von ihren vorherigen Stationen nicht.

Schilk: „Nach dem ersten Training wollte ich wieder zurück, mir tat alles weh. Mittlerweile habe ich mich an die hohen Intensitäten gewöhnt, merke, dass ich athletischer werde und leistungsmäßig noch einmal einen kleinen Sprung gemacht habe.“ Auch sonst fühlt sie sich in ihrer neuen Heimat wohl. Schilk hat eine eigene kleine Wohnung am Stadtrand, von der sie mit dem Fahrrad nur zehn Minuten bis zum Training braucht. „Dass ist wie im Paradies, nachdem ich im vergangenen Jahr immer mit dem Auto von Bargfeld nach Rosengarten fahren musste.“

Sie studiert Mathematik und Sport auf Lehramt, hat gerade ihre Bachelorarbeit abgegeben. Jetzt will sie in Köln noch ihren Master machen. Mit einigen Mannschaftskameradinnen hat sie sich schon angefreundet – Rückraumspielerin Kim Berndt, die Patentochter ihrer Mutter ist, kannte sie ohnehin schon gut. Man geht zusammen shoppen oder ins Kino. Schilk: „Wir waren auch schon beim Fußball, haben uns das Champions-League-Spiel der Leverkusener gegen Bate Borisov angeguckt.“

Der hohe Aufwand hat allerdings auch seinen Preis: „Im Sommer konnte ich bei der Hochzeit eines guten Freundes nicht dabeisein, weil ich mit der Mannschaft ins Trainingslager musste. Das hat mich schon etwas traurig gemacht“, sagt Schilk.

Sportlich lief es bislang nicht ganz optimal: Die junge Leverkusener Mannschaft hat nur zwei ihrer bisherigen sechs Spiele gewonnen. Schilk: „Wir haben aber auch ein sehr schweres Auftaktprogramm gehabt, mussten schon gegen die Topteams Thüringen, Buxtehude, Leipzig und Metzingen spielen.“ Das Abschneiden ihres bisherigen Vereins verfolgt sie noch mit großem Interesse. Schilk: „Zu vielen Spielerinnen habe ich ja auch noch Kontakt. Ich hoffe, dass sie irgendwie den Klassenerhalt schaffen.“ Am 3. Januar, wenn sie mit Leverkusen bei Rosengarten spielt, zählen allerdings keine Freundschaften. Dann gibt Nina Schilk wieder 100 Prozent, um zu gewinnen.

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