Chemtrails & Reichsbürger

Giftige Streifen am Himmel - Verschwörungstheorien im Check

Skurrile Behauptungen oder harte Fakten? Die beliebtesten Verschwörungstheorien im Check.

Für Chemtrailer sind solche Kondensstreifen das „weltgrößte Geheimprojekt“

Für Chemtrailer sind solche Kondensstreifen das „weltgrößte Geheimprojekt“

Foto: iStock / BM

Anhänger von Verschwörungstheorien misstrauen Institutionen und finden Erklärungen für Ereignisse abseits des Mainstreams: Prinzessin Diana fiel einem Mordanschlag zum Opfer, Elvis Presley wurde von Aliens entführt und die erste bemannte Mondlandung fand gar nicht statt, sondern wurde an einem Filmset in der geheimen Militärbasis Area 51 inszeniert.

Manch eine Verschwörungstheorie kann als lapidare Spinnerei abgetan werden, andere allerdings sind gefährlich, mit rechtsextremem Gedankengut verbunden oder können heftige Auswirkungen auf die Gesundheit anderer haben.

Wir haben die vier beliebtesten Verschwörungstheorien einem Faktencheck unterzogen.

Chemtrails

Behauptung: Ahnungslose halten die Streifen am Himmel für Kondensstreifen. Doch Chemtrailer wissen Bescheid über das „weltgrößte Geheimprojekt“: Demnach versprühen Flugzeuge im Auftrag von Staaten giftige Feinstäube aus Metallen, um das Wetter und das Klima zu verändern, Ernten zu vernichten und um Einfluss auf die Bevölkerung zu nehmen. Eingeweiht sei die Elite – nicht nur die Regierung, auch Piloten, die „Mainstream-Medien“ und Greenpeace wüssten von den Chemtrails.

Fakt: Der stark gewachsene Flugverkehr sorgt für immer mehr Kondensstreifen, die in 10.000 Metern Höhe entstehen. Hier kann die Luft sehr feucht sein, die Abgase der Flugzeuge lösen sich nicht sofort auf und bleiben länger sichtbar. Auch Meteorologe Jörg Kachelmann äußerte sich bereits zu den Chemtrails:

Reichsbürgerbewegung

Behauptung: Für die Reichsbürger ist die Bundesrepublik Deutschland eine Fälschung. Wir alle würden in einer „Truman Show“ leben – in einem weiterhin existierenden Deutschen Reich, das von Besatzern gelenkt wird. Die Reichsbürger wollen deswegen auch keine Steuern, Strafzettel oder Rundfunkgebühren zahlen. Sie stellen sich selbst Pässe und Führerscheine aus und gründen Fantasieprovinzen wie das Fürstentum Germania in Brandenburg oder das Königreich Deutschland in Lutherstadt Wittenberg. Ziel der Reichsbürger: das „Reich“ wiederaufleben zu lassen. Einem breiten Publikum wurden die Reichsbürger 2014 bekannt. Bei ihrer Kundgebung am Tag der Deutschen Einheit trat Popstar Xavier Naidoo auf. Und auch in einem Interview mit dem Stern verbreitete er die Thesen der Reichsbürger und erklärte, Deutschland sei nicht souverän, weil es mit den USA geheime Verträge abgeschlossen habe.

Fakt: Die Bundesrepublik Deutschland wurde 1955 durch den Deutschlandvertrag souverän, die DDR im Jahre 1954 durch eine Erklärung der UdSSR. Die endgültige Souveränität erlangte das vereinte Deutschland im Zwei-plus-Vier-Vertrag zwischen Bundesrepublik, DDR, Großbritannien, Frankreich, den USA und der Sowjetunion. Die Reichsideologie ist in ihrem Kern rechtsextrem. Sowohl brandenburgischer Verfassungsschutz als auch die Amadeu-Antonio-Stiftung, eine Initiative für demokratische Kultur, sehen bei den Reichsbürgern antidemokratische Tendenzen.

Die Flache-Erde-Theorie

Behauptung: Anhänger der „Flat Earth Society“ sind der Überzeugung, dass die Erde flach sei und wir Menschen demnach auf der flachen Oberfläche eines Kegels oder einer Pyramide leben würden. Fotos der Erde, die aus dem Weltall geschossen wurden, seien Manipulationen der NASA. Angebliche Beweise für die Flache-Erde-Theorie gibt es viele. So müsste der Horizont ja eigentlich eine Krümmung aufweisen, wenn die Erde ein Globus sei. Doch diese Krümmung habe ja noch keiner mit eigenen Augen gesehen. Und auch Wasser müsse flach sein. Denn gießt man es auf einen Ball, läuft es daran herunter. Der Rand dieser Erde sei die Antarktis. Überschritten wurde dieser Rand natürlich noch nicht, Wind und Schneestürme würden dies verhindern.

Fakt: Natürlich ist die Erde eine Kugel. Das wusste sogar schon Aristoteles. Dem griechischen Forscher fiel auf, dass bei einer Mondfinsternis die Erde einen kreisrunden Schatten auf den Mond wirft und erkannte auch, dass bei im Hafen einfahrenden Schiffen zuerst die Mastspitzen auftauchen, egal aus welcher Himmelsrichtung sie kommen.

Impfgegner

Behauptung: Eine Impfpflicht gibt es in Deutschland nicht. Jeder kann eine Impfung für sich oder seine Kinder ablehnen. Und nicht wenige Eltern halten Impfungen gegen Kinderkrankheiten wie Masern oder Mumps für unnötig oder sogar gefährlich. Das „Teufelswerk Impfen“ – Lieblingsthema vieler Verschwörungstheoretiker. Ihre Argumente: Die Wirkung von Impfungen sei nie belegt worden; der Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) könne Autismus verursachen; Impfungen seien unnötig, denn durch die Muttermilch bekomme das Baby ausreichend Abwehrstoffe und allein dieser natürliche Schutz reiche aus, um vor Krankheiten zu schützen; und eine Krankheit selbst durchzumachen, sei der beste Schutz und wirke besser als eine Impfung.

Fakt: Klar ist, die Zahl der Impfungen steigt. Und seitdem Impfstoffe eingesetzt werden, konnten Infektionskrankheiten wie Kinderlähmung nahezu ausgerottet werden. Impfstoffe erhalten auch nur dann eine Zulassung, wenn sie wirksam sind. Natürlich haben diese Arzneimittel Nebenwirkungen. Impfgegner gehen allerdings zu weit, wenn sie behaupten, dass MMR Autismus auslöse. Dies belegen sie mit einer Studie des Mediziners Andrew Wakefield, die einen Zusammenhang zwischen Impfen und Entwicklungsstörungen beschrieb. Allerdings musste er seine Arbeit zurückziehen, seine Ergebnisse waren gefälscht und manipuliert. Letztendlich birgt eine Erkrankung viel größere Gefahren als eine Impfung. So warnt das Robert-Koch-Institut, dass bei einem von 1000 Kindern, die an Masern erkrankten, sich eine Entzündung des Gehirns entwickle.

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