Flüchtlinge

Ungarische Kamerafrau tritt nach Flüchtlingen

Ein Mann versucht, mit seinem Kind aus dem ungarischen Flüchtlingslager in Röszke zu fliehen – bis eine Kamerafrau ihm ein Bein stellt.

In Röszke, einem ungarischen Grenzort zu Serbien, herrschen chaotische Zustände. Auf einem Acker sind viele kleine Zelte aufgebaut, dazwischen liegen Menschen auf Pappe oder dünnen Decken. Alles ist voller Müll, die wenigen Mülltonnen quellen über. Niemand kümmert sich darum. Die ungarischen Polizisten passen nur auf, dass niemand auf die Straße geht. Gelassen, aber bestimmt weisen sie zwei afghanische Frauen zurecht, die aus dem Lager heraus wollen.

Täglich versuchen hunderte Personen zu fliehen und zu Fuß nach Deutschland weiter zu reisen. Das Dublin-Abkommen ist für sie der Horror. Viele haben Angst, dass sie in Ungarn registriert werden und dann aus einem anderen EU-Land wieder dorthin zurückgeschickt werden.

Als am 8. September wieder Hunderte Flüchtlinge die Polizeikette durchbrechen, sind zahlreiche Kamerateams vor Ort, um aus erster Hand von dem Brennpunkt zu berichten. Ein Mann mit seinem Kind auf dem Arm gelingt es, sich von den Polizisten loszureißen. Schnell will er wegrennen – doch die Kamerafrau Petra L. des ungarischen Fernsehsenders „N1TV“ senkt ihre Kamera und stellt dem Mann ein Bein. Mit dem Kind auf dem Arm fällt der Mann ins Gras.

Und es kursieren noch weitere Aufnahmen von der Frau im Netz, auf denen sie nach fliehenden Kindern tritt. Wie „N-tv“ berichtet, stehe die Reporterin der ausländerfeindlichen Jobbik-Partei nahe und sei dafür bekannt, rechtsradikales Gedankengut zu verbreiten.

Das Handeln der Reporterin hatte Konsequenzen: Wie der Sender auf Facebook mitteilte, wurde die Frau entlassen.