Neuenburg am Rhein –

Auf der Suche nach dem Rheingold

Das Hobby Goldwaschen lockt immer mehr Schatzsucher und Abenteuerlustige an den Fluss

Neuenburg am Rhein.  Jemand hätte den drei Nixen die Grundzüge der Political Correctness beibringen sollen. Göttern und Menschen wäre einiges erspart geblieben, hätten die Rheintöchter den Spott sein lassen – auch wenn der verzauselte, hässliche Zwerg auf dem Riff im Fluss mit den vor Lüsternheit glänzenden Augen reichlich lächerlich aussah. Vor allem aber hätten sie nicht dem wutschäumenden Alberich verraten dürfen, was da vom Riff her leuchtet.

Der Gnom ist nicht der Einzige, der dem Rheingold verfallen ist. „Als hielte man ein Stück Sonne in der Hand“, schwärmt Franz-Josef Andorf. Seit mehr als 50 Jahren buddelt der gebürtige Freiburger Löcher in den Rhein, hebt Geröll und Kies heraus, lässt es durch ein Sieb rieseln und wäscht den Rest Dreck aus dem schwarzen Sandkonzentrat in einer Goldwaschpfanne oder -rinne aus. Bis er sie entdeckt: kleine, funkelnde Flitter. Rheingold!

Der 60-Jährige steht manchmal bis zum Bauchnabel im Rhein, wenn er eine goldhaltige Stelle gefunden hat. Gepackt hat ihn das Goldfieber mit neun als Micky-Maus-Leser. „Im Heft gab es einen Artikel über Goldwäscher in Lappland, am liebsten wäre ich ausgewandert“, sagt er. Als kurz darauf die Lokalzeitung über die Geschichte der Goldwäscher am Rhein berichtete, jubelte er: „Da wird man reich!“ Klaute der Mutter eine Bratpfanne und grub im Rhein nach Gold. „Es war tatsächlich ein Goldflitterle drin!“

Ein Jahr buddeln für Eheringe

Reich wird man dabei nicht, das weiß Andorf heute auch: „An sehr guten Stellen finden sich zwei Gramm, wenn man den ganzen Tag buddelt. Aber normalerweise ist es ein Gramm.“ Ein befreundetes Paar, so Andorf, brauchte ein ganzes Jahr, um ausreichend Edelmetall für die Eheringe aus dem Fluss zu filtern.

Den berufsmäßigen Rhein-Goldwäschern ging es auch nicht besser, zumal sie das gewonnene Gold den Obrigkeiten zu niedrigen Preisen abgeben mussten. Mit den Begradigungen im 19. Jahrhundert war Schluss mit der kommerziellen Goldwäscherei im Rhein, danach veränderte das Hochwasser das Flussbett nicht mehr in ausreichendem Maße.

Doch das Hobby findet immer mehr Freunde, auch wenn es nach Andorfs Schätzung nur etwa 300 „intensive Goldsucher“ wie ihn in Deutschland gibt, die fast jedes Wochenende losziehen oder ihren Urlaub so planen, dass sie irgendwo Gold waschen können.

Für die anderen – „die gehen so zwei- bis dreimal, weil sie den Traum haben, sie finden den ganz großen Schatz“ – gibt Andorf Goldwaschkurse und erklärt, wie man den Hort aus dem Rhein hebt. Allein für das Markgräflerland gibt es zwei Anbieter. Wer nicht an den Rhein will, kann Goldexkursionen in Thüringen oder Niedersachsen, Österreich oder der Schweiz buchen. Die meisten verkaufen auch gleich das nötige Arbeitsgerät. Andorfs Kurse sind meist ausgebucht. Den Alberich versteht man danach irgendwie. Und Siegfried, der den Rheingold-Ring den Nixen nicht zurückgeben will, obwohl ihm der Tod droht, weil er verflucht ist, ihn versteht man auch.