Bergsteiger-Legende

Reinhold Messner kritisiert „Zwei-Klassen-Rettung“ in Nepal

| Lesedauer: 3 Minuten

Das Erdbeben hat Tausende Todesopfer gefordert, Experten warnen nun vor Seuchen. Nach Ansicht von Bergsteiger-Legende Reinhold Messner werden die Priortäten bei der Rettung falsch gesetzt.

Nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal prangert der Bergsteiger Reinhold Messner (70) eine „Zwei-Klassen-Rettung“ an. Seiner Meinung nach werden bei den Hilfsaktionen die Prioritäten falsch gesetzt, wie er am Montag im Radiosender hr-Info erläuterte. In erster Linie müsse man den Menschen in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu helfen und nicht den Bergsteigern, erklärte Messner. „Im Kathmandutal und in den Schluchten drum herum ist eine viel größere Katastrophe passiert.“

Die Bergsteiger benötigten natürlich auch Hilfe, allerdings nicht vorrangig. „Es ist zynisch, dass man um die Bergsteiger am Mount Everest, die sich für 80.000 bis 100.000 Dollar diese Besteigung kaufen können, einen solchen Hype macht“, sagte Messner. Am Mount Everest gebe es genügend Ärzte und Essen. Außerdem könne man die Betroffenen mit dem Hubschrauber ausfliegen.

Das Erdbeben der Stärke 7,8 am Sonnabend war das schwerste in Nepal seit mehr als 80 Jahren. Das Epizentrum lag etwa 80 Kilometer nordwestlich von Kathmandu. Allein in Nepal kamen nach der Polizei mehr als 4000 Menschen ums Leben – Tausende wurden verletzt. Noch nicht mit eingerechnet sind die Bewohner der Bergdörfer, die größtenteils von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Schwierige Rettungsarbeiten in Kathmandu

Deutsche Hilfsorganisationen im Erdbebengebiet berichten unterdessen von schwierigen Rettungsarbeiten. In der Hauptstadt Kathmandu mache seit dem Sonntagabend starker Regen die Lage für die aus Angst vor Nachbeben im Freien campierenden Menschen problematischer, sagte eine Sprecherin der Welthungerhilfe am Montag in Köln.

Es sei derzeit nur eingeschränkt möglich, die dringend benötigten Hilfsgüter über den ebenfalls zerstörten Flughafen in Kathmandu einzufliegen, berichtete Ingo Radtke, Generalsekretär von Malteser International. Seine Organisation hat aus Deutschland eine halbe Tonne Medikamente bereitgestellt.

Auch die Duisburger Katastrophenhilfe I.S.A.R. hat sich mit Medizinern und Bergungsexperten sowie 15 Tonnen Hilfsgütern auf den Weg gemacht. Sie warten in Indien auf die Möglichkeit zur Weiterreise, wie ein Sprecher mitteilte.

Warnung vor Seuchen

Fachleute waren vor dem Ausbruch von Krankheiten. „Wir fürchten, dass es zu Epidemien kommen könnte“, sagte der Koordinator der Arbeiterwohlfahrt International (AWO) in Kathmandu, Felix Neuhaus, am Montag im Deutschlandfunk. Die Trinkwasserversorgung sei ausgefallen und Regen verschlimmere die Lage.

„Die Krankenhäuser sind komplett überlastet“, sagte Neuhaus. Auf den Straßen herrsche allgemeines Chaos, besonders schlimm sei die Situation in den Dörfern, „wo bis zu 100 Prozent der gesamten Bausubstanz zusammengefallen ist“, erklärte der Nothilfekoordinator.

Neuhaus kritisierte, dass es bislang „keine Unterstützung von staatlichen Akteuren“ gebe. Auch die Hilfsarbeiten liefen bislang „relativ unkoordiniert“. Den Überlebenden machten in der Nacht starke Regenfälle zu schaffen. Viele Bewohner der Region leben in Zeltstädten, da sie sich aus Angst vor Nachbeben nicht in ihre Häuser zurücktrauen.

Ein deutscher Bergsteiger filmte eine Lawine am Mount Everest.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos