Kontrolleur

Gericht stellt Pflege für Walter Scheel unter Aufsicht

Im Streit zwischen Tochter Cornelia und Ehefrau Barbara um die Pflege von Altbundespräsident Walter Scheel hat die Justiz eine Aufsicht angeordnet. Die Interessen des 95-Jährigen sollen gewahrt werden.

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Nach monatelangen Querelen wird die Pflege von Altbundespräsident Walter Scheel (95) unter Aufsicht gestellt. Das Amtsgericht Staufen bei Freiburg bestellte einen Kontrollbetreuer. Er werde die in die Kritik geratene Betreuung Scheels überwachen, sagte Gerichtsdirektorin Heidi Winterer am Freitag. Das Gericht reagiere damit auf eine Klage von Cornelia Scheel.

Die Adoptivtochter des FDP-Politikers hatte das alleinige Betreuungsrecht von Scheels dritter Ehefrau Barbara angezweifelt. Dieses wurde vom Gericht zwar als wirksam eingestuft, werde nun aber von dem Betreuer kontrolliert.

Scheel, Bundespräsident von 1974 bis 1979, lebt in einem Pflegeheim in Bad Krozingen. Er leidet den Angaben zufolge an Demenz.

„Herr Scheel ist aufgrund seines altersbedingten Gesundheitszustandes nicht mehr in der Lage, seine Interessen eigenständig und selbstbestimmt wahrzunehmen“, sagte Winterer. Barbara Scheel habe von ihm vor Jahren eine Vorsorgevollmacht erhalten. Diese sei rechtlich korrekt. Mit der nun gerichtlich angeordneten Kontrolle sei Barbara Scheel einverstanden.

„Beruhigung der Lage“

„Wir hoffen, dass dies zur Beruhigung der Lage beiträgt“, sagte Winterer. Der Kontrollbetreuer berichte regelmäßig an das Gericht. Seine Arbeit sei zunächst auf zwei Jahre beschränkt. „Danach schauen wir, wie es weitergeht.“

Scheel lebt seit Anfang 2009 in Bad Krozingen, seit mehr als vier Jahren ist er dort in einem Pflegeheim untergebracht. Im Sommer diesen Jahres waren Querelen um seine Pflege öffentlich geworden. Das Heim, in dem der Altbundespräsident wohnt, hatte im Streit mit Barbara Scheel die Heimaufsicht eingeschaltet, Barbara Scheel und die Leitung des Pflegeheims gingen juristisch gegeneinander vor. Sie werfen sich gegenseitig mangelnde Fürsorge und andere Versäumnisse vor.

Zudem hatte das Bundespräsidialamt zum 1. August Scheels Büro mit Fahrer, Sekretärin und Dienstwagen aufgelöst, weil Scheel dies nicht mehr benötige. Scheels Referent arbeitet seither von Berlin aus.

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