Erfindung

Nagellack soll vor K.o.-Tropfen im Cocktail warnen

US-Studenten erfinden einen Nagellack, der seine Farbe ändert, wenn er mit sogenannten Vergewaltigungsdrogen in Berührung kommt. Im Netz tobt die Debatte, ob das Produkt Frauen schützt.

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Es gehört zu den Mantras, die Mütter ihren Töchtern im ausgehfähigen Alter Wochenende für Wochenende vorbeten: Geh nicht mit Fremden mit. Bleib immer mit deinen Freundinnen zusammen. Lass dein Getränk nicht aus den Augen. Denn es könnte ja sein, dass ein Mann mit bösen Absichten K.-o.-Tropfen unter den Cocktail mischt, also jene gefährlichen Chemikalien, die die Vereinten Nationen bereits vor einigen Jahren als größtes Problem der Drogenszene benannt haben.

Sie betäuben die Opfer und machen sie gefügig. In den USA werden Xanax, Rohypnol oder GHB, so der Fachname der Tropfen, deshalb auch „Date-Rape-Drugs“ genannt – Vergewaltigungsdrogen.

Vier amerikanische Studenten aus North Carolina wollen jetzt einen Schutz für Frauen erfunden haben. Oder besser, ein Vergewaltigungsdrogen-Frühwarnsystem: Einen Nagellack, der seine Farbe ändert, sobald der Finger in einen mit K.-o.-Tropfen versetzten Drink getaucht wird. So weit, so simpel.

Große Unterstützung bei Facebook

Dementsprechend groß ist das Lob, das die Studenten mit ihrer jungen Firma Undercover Colors in den sozialen Medien im Netz bekommen: Mehr als 75.000 Menschen verfolgen ihre Aktivitäten bei Facebook und spenden Geld, damit der Nagellack in Serie produziert werden kann.

Die Gründer betonen, sie wollten Technologien erfinden, die Frauen befähigen, sich selbst zu schützen. Jede Fünfte sei Studien zufolge mindestens einmal in ihrem Leben Opfer eines sexuellen Übergriffs.

Doch so groß der Zuspruch ist, die Kritik ist es auch. Es sei besser, etwa durch fortbildende Maßnahmen, direkt etwas gegen Vergewaltigungen zu tun, statt Geld in den Nagellack zu investieren, schreiben Nutzer.

Durch vermeintlich schützende Produkte wie der Nagellack werde der Fokus des Problems verschoben und die Verantwortung potenziellen Opfern zugeschoben, und nicht den Tätern, befürchten andere. Twitter-Nutzerin Andrea Grimes meint, der Nagelack klinge nach einer guten Idee. „Aber ich bin nicht sicher, wie man Männer dazu bringen will, ihn zu tragen“.

Andere bemängeln, die Anzahl der Vergewaltigungen durch K.o.-Tropfen sei vergleichsweise niedrig – es sei also eine Illusion zu glauben, ein Nagellack allein könne sexuelle Übergriffe verwenden. Sowohl die amerikanische Washington Post als auch Spiegel Online zitieren Experten, die ohnehin an der Wirkung an der Chemie an dem Nagellack zweifeln. In vielen Studien habe ein solcher Test auf die sogenannten Vergewaltigungsdrogen versagt.

Wann der Nagellack auf den Markt kommt, ist offen

Die vier US-Studenten, die den Nagellack erfunden haben und nun auf den Markt bringen wollen, weisen auf ihrer Facebook-Seite mittlerweile aber auf Projekte gegen sexuelle Gewalt hin und bitten um entsprechende Unterstützung. Sie glauben aber auch weiter an ihr Produkt. Wann und ob der Nagellack auf den Markt kommt, ist aber noch offen. Ebenso wie der Preis.