Stell Dir vor, es ist „Wetten, dass..?“ und Noch-Moderator Markus Lanz, immer noch angeschlagen nach der Online-Petition gegen seine Person, begrüßt als erste Gäste ausgerechnet jene beiden Moderatoren, die inoffiziell schon als seine beiden Nachfolger gehandelt werden: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf.
Die Nerven liegen blank beim ZDF, das merkt man dieser zwölften Ausgabe mit Markus Lanz an. Die beiden Hoffnungsträger der Samstagabendunterhaltung schon zum Auftakt plus eine Wette mit Feuerwehrauto statt Bagger, das riecht schon fast ein bisschen nach Verzweiflungstat nach der nicht abreißen wollenden Kontroverse um die Personalie Lanz.
Hatte der „Spiegel“ nicht erst vor einigen Tagen kolportiert, das ZDF spiele mit dem Gedanken, die mit Quotenschwund kämpfende Samstagabendshow auf einen anderen Wochentag zu verlegen? Ja, die Zukunft der Sendung hänge überhaupt am seidenen Faden? Völliger Blödsinn, entgegnete das ZDF. Und unternahm in dieser Ausgabe aus Düsseldorf alles, um den Verdacht zu zerstreuen, der Sender stehe vielleicht doch nicht so geschlossen hinter Lanz, wie er nach außen hin verlauten lässt.
Lanz scheint Nachhilfe bei Benimmlehrer genommen zu haben
Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf als Warm-Upper, US-Rapper Pharrell Williams und Hollywood-Schauspielerin Hilary Swank, dazu Schlagersänger Udo Jürgens, Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers, Fernsehkoch Christian Rach und der Schauspieler Christoph Maria Herbst, derzeit gerade in seiner Paraderolle als „Stromberg“ zu sehen im Kino: Die Gäste auf dem Sofa sind um einiges prominenter als in der letzten Ausgabe, die noch im Schatten der Shitstorms gegen Lanz nach seinem vermurksten Interview mit der stellvertretenden Linken-Chefin Sahra Wagenknecht in seiner ZDF-Talkshow stand. Und auch der Gastgeber scheint Nachhilfe bei einem Benimmlehrer bekommen zu haben: kein „Wow“, kein „sensationell“, kein anderer Superlativ. Lanz nimmt sich spürbar zurück, überlässt seinen möglichen Nachfolgern in spe die Bühne.
Das tut der Show gut. Joko & Klaas, ein Paar wie „Beavis & Butthead“, übernehmen die Lufthoheit über den Smalltalk auf dem Sofa so nonchalant, wie man es von den beiden TV-Anarchos kennt. Klaas bringt dem Gastgeber als Geschenk Krawatten seines verstorbenen Opas mit und den frommen Wunsch seiner Oma, die Talkshow „Lanz“ von spätnachts vorzuverlegen: „So gegen 19 Uhr zum Abendbrot würde es gut passen.“ Er posiert sogar mit nacktem Oberkörper, rußbeschmiert, mit Helm und Axt – für ein Shooting für einen Kalender mit sexy Feuerwehrmännern.
Lanz nimmt es mit Humor. „Du hast es geschafft, Klaas im ZDF.“ Joko Winterscheidt, berüchtigt für seine Kicher-Attacken, bekommt sich kaum noch ein vor Lachen. Und die Wetten? Die geraten in dieser ungewohnt lockeren Atmosphäre beinahe zur Nebensache. Feuerwehrmänner, die ein Löschfahrzeug mit der Kraft ihrer Lungen ziehen. Fußballer, die die mit Heißwachs enthaarten Waden ihrer Teamkollegen an dem Abdruck auf Papier erkennen; ein Neunjähriger, der beim Breakdancen Ballons zerplatzt. Alles angenehm kurzweilig. Mit der richtigen Manpower und der nötigen Selbstironie, demonstriert das ZDF, lässt sich das Ruder vielleicht doch noch herumreißen.
An der Außenwette soll es nicht scheitern. Zum Auftakt des Karnevals sucht das ZDF genug Kamellen, um elf Männer der Prinzengarde dagegen aufzuwiegen. Olle Kamellen und „Wetten, dass ..?“, das passt wie die Faust aufs Auge. Oder vielleicht doch nicht?







