DDR

Ostbeauftragter fordert Aufklärung von DDR-Arzneimitteltests

Westdeutsche Pharmafirmen sollen Medikamente an DDR-Patienten erprobt haben. Unklar ist, wie viele Menschen wirklich betroffen waren. Der Ostbeauftragte fordert Aufklärung.

Foto: picture alliance/ Zentralbild / Waltraud Grubitzsch

Die umstrittenen Medikamententests westdeutscher Pharmafirmen an DDR-Patienten sollen nach dem Willen der Bundesregierung umfassend untersucht werden. „Die vorliegenden Fakten müssen rückhaltlos untersucht und die Hintergründe aufgeklärt werden“, sagte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner (CDU) der „Mitteldeutschen Zeitung“.

Die Bundesregierung habe Kontakt zu Gruppen, die die Vorwürfe wissenschaftlich untersuchen wollen, und es seien die Finanzierungsmöglichkeiten geprüft worden. „Unabhängige Untersuchungen müssen jetzt in Gang kommen“, forderte Bergner.

An einer weitgehenden Aufklärung habe auch die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen ein großes Interesse, bekräftigte Sprecherin Dagmar Hovestädt am Montag. Auch der Thüringer Wissenschaftsminister Christoph Matschie (SPD) sprach sich angesichts der Tragweite der Vorwürfe für eine umfassende Aufarbeitung aus.

Mehr als 50.000 Menschen betroffen?

Am Wochenende hatte der „Spiegel“ berichtet, das Ausmaß der Arzneimittel-Tests sei vermutlich größer als bisher bekannt. In mehr als 50 Kliniken sollen über 600 Medikamentenstudien in Auftrag gegeben worden sein. Mehr als 50.000 Menschen sollen als Testpatienten gedient haben. Für einzelne Studien seien mehrere 100.000 D-Mark gezahlt worden.

Die Staatssicherheit habe die Tests in die Wege geleitet und für den Devisenfluss gesorgt, sagte Hovestädt. Auch für die Vertuschung von Todesfällen habe die Stasi gesorgt. Akten mit Details zu den medizinischen Untersuchungen lägen aber nicht der Stasiunterlagen-Behörde vor. Diese seien vielmehr in den Krankenhäusern, im Bundesarchiv und im Archiv des Bundesgesundheitsministeriums zu finden.

In Berlin hat der Charité-Historiker Volker Hess bereits am Wochenende angekündigt, die Vorgänge zu untersuchen. Als Hilfe für die damaligen Patienten forderte die Thüringer Linke einen Entschädigungsfonds, den die beteiligten Pharmafirmen finanzieren.