Ohne Niederländer wäre Berlin ein Sumpf und Hertha bliebe in der zweiten Liga stecken. Seit es diese Stadt gibt, haben die Leute aus dem westlichsten Westen Europas immer wieder ihre Kreativität, ihre Ideen und Kenntnisse hier eingebracht. Sie mischen in der Start-up-Szene mit, unterrichten an der Uni, leiten Unternehmen und Opern und bauen Häuser.

Wie können wir ihnen dafür danken? Indem wir den Thronwechsel an diesem 30. April 2013 möglichst orange angehen. Hier die Tipps von Berliniederländern die sagen, wie das geht!

Der Botschafter

„Ich wünsche mir, dass überall in der Stadt Orange zu sehen sein wird. Am besten kann man sich auf den Thronwechsel schon heute einstimmen: Oranienburg feiert am Sonntag Oranienfest im Schloss und im Park mit Volkstanz und Handwerk und einem Konzert. Wenn die Berliner etwas typisch Niederländisches machen wollen, dann sollten sie feiern, das machen wir an diesem Tag nämlich auch und man kann die Inthronisierung in Amsterdam im Fernsehen verfolgen. In der Botschaft werden wir das mit unseren Gästen auf jeden Fall tun, zu unserem Oranjefest erwarten wir fast 1000 Niederländer, die in Berlin wohnen. Immer mehr Niederländer zieht es nach Berlin, weil die Stadt so zukunftsoffen und dynamisch ist. Auch die Königliche Familie kommt gern nach Berlin. Anfang Juni wird das neue Königspaar der Stadt einen offiziellen Besuch abstatten. Ich bin davon überzeugt, dass Willem-Alexander ein guter König wird. Er ist sehr an seinem Land interessiert, so wie seine Mutter auch. Gleichzeitig bringen er und seine Frau Maxima auch noch eine besondere Begeisterung für die Menschen mit. Wir sind wirklich sehr zufrieden mit unserem Königshaus.“

Marnix Krop, 64 Jahre, geboren in Groningen, ist seit 2009 Botschafter Ihrer Majestät der Königin der Niederlande in Berlin.

Der Wirt

„Am 30. April sollten Sie in die „Linda“ kommen! Ab 13 Uhr übertragen wir live den Thronwechsel und servieren außerdem viele „lekkere hapjes“ wie Bitterballen (Anm. der Redaktion: frittierte Fleischragoutbällchen), Tompoucen (Blätterteiggebäck mit Vanillecreme und orangener Glasur), oder Oranjebitter (orangener Königinnenschnaps). Wenn Kinder mitkommen, dann können sie die traditionellen Kinderspiele wie Spijkerpoepen (man versucht, in gebückter Haltung Nägel an Draht in Flaschen zu kriegen) spielen oder Koekhappen (man versucht, niederländische Kuchen ohne Hände von einem Draht zu essen, ohne dass der Kuchen runterfällt)! Es wird auf jeden Fall ein schöner Tag für alle! Abends feiern wir dann mit Käse und Schnaps in den 1. Mai rein.“

Stefan Rouschop, 35, lebt seit 2008 in Berlin und stammt aus Maastricht. Zusammen mit seinem Partner Andre Beiske betreibt er seit 1. September 2012 das Eetcafé Linda Carrell in der Rhinower Straße 3 in Prenzlauer Berg.

Der Mann im Löwenkostüm

„Ich freue mich auf den neuen König. Willem-Alexander ist ein intelligenter Mann, und er hat schon viel für unser Land getan. Außerdem ist er sympathisch, er trägt nicht umsonst den Spitznamen „Prinz Pilsje“. Ich bin für die Monarchie. Sie bietet den Niederlanden Stabilität. Wirtschaftlich gesehen, aber auch menschlich. Wenn irgendwo ein Unglück passiert, dann reist ein Mitglied der königlichen Familie an. Allein ihr Besuch spendet den Menschen Trost. Am Königinnentag zur Party im Generator Hostel habe ich mein Löwenkostüm getragen. Zum Thronwechsel werde ich bei der Botschaft etwas seriöser im orangenen Jackett erscheinen.“

Mathieu Sneep lebt seit Januar 2011 in Berlin, er kam hierher, um bei dem Start-up Sponsorbay zu arbeiten. Außerdem ist er Veranstalter der „Berlin Dutch Drinks“, die Gruppe trifft sich alle zwei Monate um, na ja, holländisches Bier zu trinken.

Der fliegende Holländer

„Ich gehe zur Botschaft, um den neuen König zu begrüßen. Ich freue mich bombig auf den Thronwechsel. Noch mehr freue ich mich allerdings auf die neue Königin. Das ist optisch eine mächtige Verbesserung. Wer nicht in die Botschaft eingeladen ist, der sollte trotzdem den neuen König feiern. Es wäre doch eine nette Geste, wenn jeder Berliner den Bussen, Wohnwagen und Autos mit gelbem Nummernschild einfach mal zuwinkt. Niederländisch ist nach Englisch immerhin die wichtigste Fremdsprache in Berlin.“

Koen Mathot, 59, lebt seit über 30 Jahren in Berlin. Er ist in Jakarta, Indonesien geboren – und damit, wie er sagt, eines der letzten Produkte niederländischen Kolonialismus. Er steuert den „Fliegenden Holländer“, ein Fahrgastschiff, das Gäste auf der Spree hin und her schippert, auf Wunsch auch mit holländischen kulinarischen Spezialitäten: www.der-fliegende-hollaender.org

Der Advocaat

„Ich werde fast den ganzen Tag in der Kanzlei sein und arbeiten. Zwischen 10 und 10:30 Uhr findet der formelle Rücktritt der Königin statt. In dem Moment, wo ihre Unterschrift auf dem Papier steht, ist sie künftig wieder Prinzessin und ihr Sohn der König, das neue Staatsoberhaupt. Ein historischer Moment. Ich werde mir diesen Moment auf jeden Fall über das Internet oder im Fernsehen anschauen. Abends gehe ich auf eine festliche Veranstaltung in die Botschaft. Wahrscheinlich sind die meisten Niederländer keine überzeugten Monarchisten, lieben jedoch zurzeit die Familie Van Oranje sehr.“

Wouter Timmermans, Jahrgang 1979, ist in Arnhem geboren und lebt seit 2004 in Berlin. Als niederländischer Anwalt (Advocaat) betreut er von seinem Kanzleisitz am Potsdamer Platz aus die Interessen von deutschen Unternehmern, die in den Niederlanden tätig sind. Er ist außerdem Präsident des Deutsch-Niederländischen Businessclub Berlin e.V., der circa 100 Mitglieder hat.

Die Studentin

„Ziehen Sie etwas Orangefarbenes an! Es ist nicht wichtig, am Königinnentag etwas Besonderes zu tun, aber was auch immer sie tun, tragen Sie dabei Orange! Ob Sie nun zu einem offiziellen Fest gehen oder nur mit ihren Freunden feiern, das ist eigentlich egal. Die Wartelisten bei der Botschaft sind ja ohnehin längst voll. Das beste an Orange: Es freut nicht nur die königliche Familie, es erfreut auch jeden, der es sieht!“

Eline van der Meer, 18, geboren in Damwoude, ist im August 2012 nach Berlin gekommen, um Freie Künste am ECLA in Pankow zu studieren

Der Start-upper

„Wer die Party wirklich wild und im Amsterdam-Style angehen will, der sollte auf einem Boot die Spree rauf- und runtercruisen. Besonders wichtig dabei ist es, das Boot möglichst voll mit Leuten zu packen. Dazu sollte man sehr laute Elektro-Musik spielen, literweise Bier trinken, orangene Shirts tragen und orangene Perücken und man sollte sich die niederländische Flagge auf die Stirn malen. Das ganze geht dann bis spät in die Nacht.“

Onno Faber lebt in den Niederlanden, in den USA und in Berlin. Dort hat er mit der Entwicklung der Ding-Dong-App gerade die Start-up-Szene aufgemischt. „Dingdong“ bedeutet, seinen Freunden schnell mitteilen zu können, wo man sich befindet.

Der Niederlandist

„Was Sie auf keinen Fall tun sollten, ist das neue Königslied zu singen. Es klingt so, als habe man Bushido, Pietro Lombardi und Jürgen Drews aufgefordert, gemeinsam ein Lied zu komponieren. Das ist furchtbarer Kitsch. Wenn Sie etwas singen wollen, dann singen sie doch die Nationalhymne, da geht es auch um einen Willem, das passt also ganz gut. Natürlich können Sie auch ein Gedicht über Königin Beatrix lesen. Der ehemalige ‚Dichter des Vaterlandes‘ Ramsey Nasr, ein Niederländer mit palästinensischen Wurzeln, hat es vor kurzem verfasst. Beatrix hatte übrigens eine sehr verbindende Funktion. Und sie hat sich sehr für die Künste eingesetzt, die ja gerade unter großen Sparmaßnahmen zu leiden haben. Ich hoffe, ihr Sohn eifert ihr auch in diesem Punkte bald nach. Bislang ist ja eher die Umwelt sein Thema. Am besten feiert man in Berlin den Thronwechsel übrigens mit einem Spaziergang Unter den Linden. Die Allee hat nämlich, was die wenigsten wissen, ein niederländisches Vorbild: Die Lange Voorhout in Den Haag! Und vielleicht schauen Sie sich zum Abschied von Beatrix als Königin noch einmal die schöne Hape-Kerkeling-Imitation von ihr an.“

Jan Konst, 50, geboren in Utrecht, bekam Mitte der 90er-Jahre einen Ruf nach Berlin. Seitdem unterrichtet er als Professor für Niederländische Philologie an der Freien Universität Berlin.

Der Operndirektor

„Wenn man in der Oper arbeitet, weiß man das Theater, das eine Monarchie mit sich bringt, zu schätzen. König zu sein ist wohl die einzige Rolle, in der Person und Partie wirklich ineinander überfließen. Es gibt nur wenige Leute, die dieses Spannungsfeld nicht interessiert. Was die Berliner tun sollten? Am 30. April kann man am besten anfangen „Het verdriet van Belgie“ zu lesen, weil das es das beste Buch auf Holländisch ist, das es gibt (auch wenn es von Hugo Claus, einem Belgier, geschrieben wurde). Wenn man an den König denken möchte, kann man noch ein Oranjebitter dazu trinken, vor allem wegen der Farbe, weniger wegen des Geschmacks. Ich freue mich auf die Party in der Botschaft, hoffe aber, dass das ‚Königslied‘ nicht gespielt wird.“

Ivan van Kalmthout hat nach seinem Studium in Antwerpen, Hamburg, Barcelona gelebt und ist seit Dezember 2010 in Berlin als Operndirektor in der Staatsoper tätig.

Die Geistliche

„Am 30. April gehe ich zur Botschaft. Mittags bin ich eingeladen worden für ein Vin d’honneur in der niederländischen Botschaft. Abends werde ich auch da sein, für das Oranjefest. Ich freue mich riesig auf den Tag. Seitdem ich in Deutschland wohne, bin ich bewusster Niederländerin geworden. Das Königshaus bedeutet mir seitdem auch mehr als früher. Am 30. April bekenne ich mich wieder zu meinen Wurzeln. An dem Tag habe ich auch immer ein bisschen Heimweh. Doch ich fahre nicht in die Niederlande. Ich werde ins Internet schauen und auch Fernsehen schauen und werde wahrscheinlich etwas Orangefarbenes anziehen. Das reicht für das Oranje-Gefühl.“

Hanneke Allewijn, Jahrgang 1981, lebt seit fünf Jahren in Berlin und ist als pastorale Mitarbeiten tätig in der Niederländischen Kirche zu Berlin.