Papst Franziskus hat am Karsamstagabend die feierliche Liturgie der Osternacht im Petersdom in Rom gefeiert. Der Vatikan kürzte die Zeremonie auf Franziskus' Wunsch ein wenig, damit sie nicht zu lang wurde. So wurde der Teil des Gottesdienstes, bei dem der Papst in der verdunkelten Kirche das Osterlicht verteilt, bis in dem ganzen Gotteshaus kleine Lichter funkeln, leicht abgekürzt. Auch einige Lesungen aus dem Alten Testament wurden knapper gehalten.

Unter Papst Benedikt XVI. dauerte die Liturgie der Osternacht rund drei Stunden. Franziskus hingegen machte deutlich, dass er kurze Messfeiern bevorzugt. Er wurde sogar bei seiner Einführungszeremonie am 19. März dabei ertappt, wie er auf seine Armbanduhr schaute.

„Lasst Jesus in euer Leben treten“

In seiner Predigt ermutigte der Papst die Menschen am Samstag, nicht in ihren persönlichen Problemen zu versinken und sich von Traurigkeit und Verbitterung übermannen zu lassen. „Lasst den auferstandenen Jesus in euer Leben treten, begrüßt ihn als einen Freund, mit Vertrauen: Er ist Leben!“, sagte Franziskus. Anschließend taufte er vier erwachsene Männer.

Die Osternacht ist die Feier zwischen der Kreuzigung Christi am Karfreitag und seiner Auferstehung. Am Ostersonntag spendet der Papst den Segen „Urbi et Orbi“ („Der Stadt und dem Erdkreis“) und grüßt die Menschen in verschiedenen Sprachen.

Grabtuch Jesu zum zweiten Mal überhaupt gezeigt

Anlässlich der Osterfeierlichkeiten ist das Turiner Grabtuch zum zweiten Mal überhaupt live im Fernsehen gezeigt worden. Die Reliquie, in die nach katholischer Auffassung die Leiche des gekreuzigten Jesus Christus eingewickelt worden war, war am Samstag eine halbe Stunde lang auf dem italienischen Sender Rai Uno zu sehen. Auch im Internet wurde das Tuch per Livestream gezeigt. Es war erst das zweite Mal, dass das berühmte Grabtuch live im Fernsehen gezeigt wurde. Die erste Präsentation hatte im November 1973 für Aufsehen gesorgt. Als die Reliquie 2010 in der Kathedrale von Turin ausgestellt wurde, lockte sie zwei Millionen Besucher an.

„Das Gesicht des Grabtuchs vermittelt großen Frieden“

Der neue Papst Franziskus sagte zu der erneuten Fernsehpräsentation in einer Video-Botschaft, der Abdruck des Gesichts in dem Grabtuch gleiche „den vielen Gesichtern von Männern und Frauen, verletzt von einem Leben, das ihre Würde missachtet, von Kriegen und von Gewalt, welche die Schwächsten trifft“. Und doch vermittle „das Gesicht des Grabtuchs großen Frieden“. Der Papst zitierte außerdem ein Gebet des heiligen Franz von Assisi, nach dem er sich nach seiner Wahl am 13. März benannt hatte.

„Urbi et Orbi“

Am Abend des Gründonnerstags hatte Franziskus eine Messe in einem Jugendgefängnis in Rom gefeiert und dabei in einer symbolischen Geste die Füße von zwölf Häftlingen gewaschen. Am Karfreitag betete das neue Oberhaupt der katholischen Kirche mit tausenden Gläubigen den Kreuzweg. Am Sonntag steht die Messe mit dem Segen „Urbi et Orbi“ („Der Stadt und dem Erdkreis“) auf dem Programm des 76-Jährigen.