Wetter

Noch nie war es in Berlin Ende März so kalt

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Foto: Paul Zinken / dpa

In der Nacht zu Sonntag wurden an der Messstation Kaniswall im äußersten Südosten der Stadt minus 17 Grad gemessen. Auch Brandenburg erzielte einen Rekord.

Während die Menschen in Berlin am Sonnabend bei klirrendem Frost und minus sieben Grad zitterten, waren die Tagestemperaturen sogar in einigen Städten Sibiriens milder: In Omsk zum Beispiel registrierte der Deutsche Wetterdienst um zehn Uhr Mitteleuropäischer Zeit minus vier Grad. In nahezu ganz Sibirien liegt die mittlere Jahrestemperatur unter null, im Nordosten sogar bei minus 18 Grad.

In der Nacht zu Sonntag sind die Temperaturen in Berlin gar auf Rekordtiefe gesunken. An der Messstation Kaniswall im äußersten Südosten der Stadt wurden minus 17 Grad gemessen. „Das ist für Berlin ein Rekord“, sagte die Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes in Potsdam, Eva Wille, am Sonntag. Ende März sei es in Berlin seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie so kalt gewesen.

In anderen Teilen der Stadt wurden Werte zwischen minus 11 und minus 12 Grad gemessen.

Das Dorf Coschen (Landkreis Oder-Spree in Brandenburg) war in der Nacht zu Sonntag der kälteste Ort Deutschlands. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurden in der Gemeinde an der Neiße minus 19 Grad gemessen – laut Meteorologen ein Kälterekord.

„Ende März ist es noch nie so kalt gewesen seit der Wetteraufzeichnung“, sagte DWD-Mitarbeiterin Eva Wille am Sonntag in Potsdam. Nach ihrer Einschätzung dürften jetzt aber die Tiefsttemperaturen überwunden sein. Zwar bleibt es nach Angaben der Meteorologin auch an den kommenden Tage frostig und in der Nacht sind noch bis zu minus 10 Grad möglich. Insgesamt würden die Temperaturen aber langsam steigen und sich tagsüber zwischen minus 2 bis plus 2 Grad bewegen.

Und so wird das Wetter in der Region in den kommenden Tagen.

Für Ostern wenig Hoffnung auf Frühling

Ein durchgreifender Wetterumschwung ist in Norddeutschland zunächst nicht in Sicht. „Es bleibt mindestens die nächsten drei Tage fast genauso“, sagte Meteorologe Rudolf Eissing. Tagsüber steigen die Temperaturen nicht über den Gefrierpunkt, nachts liegen sie bei minus fünf bis minus zehn Grad. An der Ostsee von Ostholstein über den Darß bis nach Rügen können immer wieder Schneeschauer durchziehen. „Der relativ starke Ostwind macht das Ganze noch unangenehmer“, fügte Eissing hinzu. „Von Frühling ist da noch nichts zu sehen.“ Immerhin soll verbreitet die Sonne scheinen.

Auch für Ostern machte Eissing wenig Hoffnung auf Frühling im Norden. Das Hochdruckgebiet über Skandinavien werde in der kommenden Woche zwar von einem Tief abgelöst. Aber: „Das saugt kalte Meeresluft aus dem Raum Spitzbergen an.“ Schon Karfreitag werde das Tief auch über Norddeutschland hinwegziehen. Es sei mit weiterhin kalter, aber feuchterer Witterung zu rechnen. Bei nur wenigen Graden über null am Tage und leichtem Frost in der Nacht sei mit Schneeregen zu rechnen.

Viel Schnee in Irland und in der Ukraine

Grimmige Kälte und Schneetreiben haben am Sonnabend auch fast ganz Großbritannien in eine Winterlandschaft verwandelt. Nachdem bereits am Freitag Schneefälle in Nordirland zu Stromausfällen führten und Tausende Schulen geschlossen bleiben mussten, kam es auch am Sonnabend in vielen Teilen des Landes zu Behinderungen, wie Wetterdienst und Polizei mitteilten. Pferderennen und Fußballspiele mussten abgesagt werden.

In der Nacht wurden in Cumbria in Nordwestengland 70 Autofahrer aus ihren Fahrzeugen geholt, nachdem sie in Schneeverwehungen stecken geblieben waren. In Nordirlands Hauptstadt Belfast waren am Freitagabend 200.000 Menschen von Stromausfällen betroffen.

Ein unerwartet heftiger Schneesturm hat auch den gesamten Verkehr von Kiew lahmgelegt. Die ukrainische Hauptstadt rief am Sonnabend den Notstand aus. Am Vortag hatte sich eine rund einen halben Meter hohe Schneedecke über die Stadt gelegt – mehr Schnee als sonst in einem ganzen Monat. Neben dem Straßen- kam auch der Zug- und Flugverkehr zum Erliegen. Die Stadt setzte Traktoren, Armeefahrzeuge und anderes schweres Gefährt ein, um die Straßen zu räumen.

Weil sich das weltberühmte Murmeltier Phil aus dem US-Staat Pennsylvania am „Groundhog Day“ (Murmeltiertag) so kräftig in seiner Wetterprognose vertan hat, muss sich der Nager möglicherweise gegen eine Auslieferung in den Nachbarstaat Ohio wehren, wo ihm ein Staatsanwalt mit der Todesstrafe droht – zum Glück nur im Scherz.

( dpa/AP/sei )

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