Medienpreis

Schwester von Jonny K. wird mit Bambi geehrt

17 Bambi-Gewinner können sich freuen. Alina Levshin und Ulrich Tukur sind die besten Schauspieler. Zwei besondere Preise gehen nach Berlin.

„Wir leben alle in einer Welt. Wir sind alle gleich.“ Mit diesen Worten nahm Tina K., die Schwester von Jonny K., am Donnerstagabend in Düsseldorf den Bambi für ihr Engagement gegen Jugendgewalt entgegen.

„Dieser Bambi geht nicht nur an Jonny, sondern an uns alle. Die Jury setzt damit ein Zeichen für Zivilcourage“, sagte die Schwester des 20-Jährigen, der in der Nacht zum 14. Oktober 2012 auf dem Berliner Alexanderplatz von mehreren jungen Männern bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt worden war. Einen Tag später war er an den Folgen seiner Kopfverletzungen gestorben.

Der Bambi gilt als Deutschlands wichtigster Medienpreis.

Bei der 64. Verleihung des goldenen Rehkitzes gab es viel Glamour, aber es ging auch um Themen wie Gewalt und Integration: Der Berliner Rabbiner Daniel Alter bekam den „Integrations“-Bambi. Der 53-Jährige war im August 2012 in Berlin-Friedenau von Jugendlichen zusammengeschlagen worden, nachdem er bestätigt hatte, Jude zu sein.

Alter sagte, er wolle den Preis den Berliner „Heroes“ widmen und übergeben. „Heroes“ (Helden) ist ein „Projekt für Gleichberechtigung“, in dem sich „junge Männer aus Ehrenkulturen gegen die Unterdrückung im Namen der Ehre und für die Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern engagieren“. Anfang November war der Rabbiner Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde in Berlin geworden.

Salma Hayek ist beste internationale Schauspielerin

Zur besten internationalen Schauspielerin wurde Hollywood-Star Salma Hayek gekürt.

Popsängerin Céline Dion hatte die Gala mit einer lichteffektreichen Show eröffnet. Nach ihrem Auftritt nahm die Kanadierin das goldene Reh als „beste Entertainerin“ entgegen.

Ulrich Tukur ist bester deutscher Schauspieler

Als beste Schauspielerin national wurde Alina Levshin ausgezeichnet. Sie habe sich allein schon durch die Nominierung zwischen so vielen tollen Kollegen geehrt gefühlt, sagte Levshin, die 1984 in der Ukraine zur Welt kam und in Berlin aufwuchs. Im Neonazi-Drama „Kriegerin“ spielte sie ihre erste Kino-Hauptrolle. Nominiert in der Kategorie „Schauspielerin national“ waren auch Martina Gedeck, Barbara Auer und Caroline Peters.

Bester Film wurde der Spielfilm zur gleichnamigen Serie „Türkisch für Anfänger“. Die Produktion setzte sich gegen Detlev Bucks Travestie-Komödie „Rubbeldiekatz“ und die Komödie „Eine ganz heiße Nummer“ von Markus Goller durch.

Ulrich Tukur wurde für den Film „Rommel“ als bester deutscher Schauspieler geehrt. Er gewann gegen Herbert Knaup („Milchgeld. Ein Kluftingerkrimi“) und Kostja Ullmann („Mein eigen Fleisch und Blut“).

Den Publikumspreis gewann die deutsche TV-Produktion „Der Turm.“ Der Zweiteiler nach dem Roman von Uwe Tellkamp erzählt die Geschichte einer Dresdner Arztfamilie in den 1980er-Jahren. Jan Josef Liefers, Claudia Michelsen, Nadja Uhl, Götz Schubert und Sebastian Urzendowsky hatten in dem Fernsehepos mitgewirkt.

Preis für Lepra-Ärztin

Der Medienpreis wurde in insgesamt 17 Kategorien verliehen. Der Bambi in der Kategorie „Stille Helden“ ging an die 83 Jahre alte Lepra-Ärztin Ruth Pfau. Die deutsche Nonne gilt als „Mutter Theresa der Lepra-Kranken“ in Pakistan. Bei den rund tausend festlich gekleideten Gästen im Düsseldorfer Congress Center wurde es still, als Ruth Pfau auf die Bühne trat und sagte, dass sie eigentlich zu einer ganz anderen Welt gehöre.

Den „Talent“-Bambi bekam die sieben Jahre alte Mercan-Fatima Türköglu, die an der Seite von Elmar Wepper im Spielfilm „Dreiviertelmond“ zu sehen ist. Showmaster Joachim Fuchsberger wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Er wusste bereits vor der Verleihung von der Auszeichnung; ebenso Pandamasken-Rapper Cro, der in der Sparte „Pop national“ geehrt wurde.

Auch der österreichische Weltall-Springer Felix Baumgartner stand schon im Vorhinein als Bambi-Preisträger fest, wie auch die britische Boygroup „One Direction“. Draußen vor der Halle hatten Anhänger der britischen Boyband Stunden lang ihren Idolen entgegengefiebert.

Mit dem „Sport“-Bambi wurden die Helden des olympischen Sommers geehrt, die Beachvolleyball-Olympiasieger von London, Julius Brink und Jonas Reckermann. Zum „Shootingstar“ wurde Andreas Gabalier gekürt – der Österreicher ist ein Newcomer der Volksmusik.

Der Bambi ist der älteste deutsche Medienpreise und wird von Hubert Burda Media vergeben. Im vorigen Jahr hatten sechs Millionen Zuschauer die Gala an den Bildschirmen verfolgt.